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5.2.2 Der Empfehlungsvorschlag für eine Kunstübereignung

Möchte ein Sammler seine gesamte Sammlung oder Teile dessen einem öffentlichen Museum für die Ewigkeit übereignen, so kann dies bereits zu Lebzeiten in Form einer Schenkung oder als ein Vermächtnis von Todes wegen erfolgen. Ein öffentliches Museum muss diesen Arten von Kunstübereignung zustimmen. In diesem Kontext ist es wichtig, vorab zu klären, welche Verpflichtungen mit einer Kunstüberlassung verknüpft sind.

Auch bei einer Kunstübereignung ist von Bedeutung, ob sich der Träger eines öffentlichen Museums bereit erklärt, anfallende Kosten der zu übereigneten Sammlung zu tragen. Die anfallenden Kosten können aufgrund der Größe einer Sammlung variieren. Die Gesamtkosten eines Eigentumserwerbs einer Sammlung sind nicht zu unterschätzen. An dieser Stelle steht die Qualität der Sammlung im Mittelpunkt. Sofern sich ein öffentliches Museum für die Sammlung entscheidet und diese für die Zukunft sichern möchte, stellt sich die Frage, auf welche Art und Weise es diese in einem würdigen Rahmen präsentieren kann. Insbesondere bei einer Schenkung oder einem Vermächtnis von Todes wegen können beispielsweise Anforderungen an einen Neuoder Umbau gestellt werden, die ein öffentliches Museum und sein Träger zu finanzieren haben. In diesen Fällen ist genau zu überprüfen, ob diese Baumaßnahmen finanziell möglich sind und für die Zukunft effizient erscheinen. Gegebenenfalls sind der Sammler bzw. seine Erben bereit, finanzielle Unterstützung für einen Umbauoder Neubau zu leisten.

Wie bei einer Kunstüberlassung rät die Autorin im Fall einer Kunstübereignung davon ab, eine Präsentationspflicht der gesamten privaten Sammlung zu vereinbaren. Der Museumsdirektor sollte die Freiheit besitzen, über die Auswahl der Kunstwerke und die Art der Hängung zu entscheiden. Für Besucher ist es spannend, die vorher privaten Kunstwerke in neuen Kontexten der nun musealen Sammlung zu betrachten. Ferner können extra Räumlichkeiten für die ehemals private Sammlung zur Verfügung gestellt werden, in denen diese als Dauerausstellung in wechselnden Zusammenstellungen präsentiert wird. Für die wiederkehrenden Besucher stellen neue Sammlungspräsentationen einen Grund dar, das Museum oft zu besuchen. Beispielsweise könnten die Räumlichkeiten dem Sammler gewidmet oder die Kunstwerke mit einem Verweis auf den Sammler versehen werden. Das öffentliche Museum hat die Sorgfaltspflichten, wie eine entsprechende Kunstversicherung und professionelle Kunsttransporte bei der Abholung der Kunstsammlung, zu beachten.

Insbesondere empfiehlt die Autorin, in dem schriftlichen Schenkungsvertrag und in dem Vermächtnis von Todes wegen eine klare Regelung zu finden, ob das öffentliche Museum geschenkte Kunstwerke verkaufen darf oder nicht. Aus Sicht des Sammlers kann es verständlicherweise inakzeptabel sein, wenn geschenkte Kunstwerke verkauft werden. Wie bereits in den Untersuchungen herausgestellt, befinden sich öffentliche Museen in der schwierigen finanziellen Lage, die allgemeinen Betriebskosten zu decken, geschweige denn Neuankäufe zu tätigen. Daher besteht die Chance darin, mit dem Verkaufserlös eines unattraktiven Kunstwerkes passendere zeitgenössische Kunst für die museale Sammlung anzukaufen. Insbesondere die Regelung, die das Ehepaar Irene und Peter Ludwig trafen, kann für zukünftige Kunstüberlassungen eine nachahmenswerte Regelung darstellen. Jährlich darf nur eins der geschenkten Kunstwerke verkauft werden und dessen Erlös muss für Neuankäufe zeitgenössischer Kunst eingesetzt werden.

Eine übereignete Kunstsammlung kann aus wichtigen Gründen zurückverlangt werden. Diese Gründe sollten schriftlich in den Kunstübereignungsverträgen fixiert werden. Die möglichen Gründe eines Rückzugs beruhen in der Regel auf mangelnde konservatorischer Betreuung, nicht Ausstellen der Werke oder nicht vereinbarter Verkaufsoptionen von Kunstwerken. Ein sorgfältig herausgearbeiteter Vertag einer Schenkung oder eines Vermächtnisses von Todes wegen bietet für den Sammler bzw. seine Erben sowie für das öffentliche Museum eine tragfähige Grundlage. Er vermittelt, wie mit der ehemals privaten Sammlung entsprechend sorgfältig umgegangen werden muss. Das Ziel einer Kunstübereignung ist, die ehemals private Sammlung langfristig für die nächsten Generationen zu bewahren.

 
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