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6 Fazit

Das Ziel der vorliegenden Arbeit bestand darin, die Interessen von Privatsammlern und öffentlichen Museen aufzuzeigen, die für eine Einbindung einer privaten Sammlung zeitgenössischer Kunst in die deutsche Museumslandschaft entscheidend sind. Die sich darauf beziehenden Teilfragen wurden systematisch durch die Einteilung in die Hauptkapitel beantwortet.

Zunächst wurde dargelegt, dass es sich bei einem leidenschaftlichen Kunstsammler um einen Prozess des Sammelns und ein offenes dialogisches Sammeln mit Künstlern der eigenen Generation handelt. Durch spezialisiertes Wissen und teilnehmendes Suchen auf dem internationalen Kunstmarkt stellt er sich seine Sammlung akribisch zusammen. Dieser Sammlertypus wurde von einem investitionsmotivierten Sammler als auch von einer Unternehmenssammlung abgegrenzt. Durch seine leidenschaftliche Kunstsammlung erfährt der Sammler als Stakeholder auf dem internationalen Kunstmarkt und in der Gesellschaft besondere Anerkennung. Dass ein Privatsammler in der heutigen Zeit als ein Kunstund Kulturförderer begriffen werden kann, zeigte die Auseinandersetzung mit dem Begriff des altruistisch handelnden Mäzens. Schenkt oder vererbt ein Privatsammler seine Sammlung einem öffentlichen Museum, wird ihm die Rolle eines Mäzens zugesprochen.

Die Funktion der öffentlichen Museen in Deutschland wurde durch den zu erfüllenden Kulturauftrag und anhand der Kernaufgaben im Detail erläutert. Privatrechtliche Organisationsformen ermöglichen öffentlichen Museumsbetrieben selbstständiger zu agieren als es für traditionelle öffentlich-rechtliche Organisationsformen in der Praxis oft möglich ist. Dies hat den Vorteil, dass Museumsbetriebe als eigenständige Kulturunternehmen wahrgenommen werden. Finanzund Personalentscheidungen sowie die Ausstellungsprogrammatik werden eigenverantwortlich geregelt. Für moderne Museumsbetriebe ist es von zukunftsträchtiger Bedeutung, sich als Kulturmarke mit der eigenen Sammlung auf dem Freizeitmarkt zu positionieren. Sie haben sich auf die vereinbarten Ziele und Kernaufgaben zu konzentrieren. In Zeiten der schwierigen öffentlichen Haushaltslage wird der Museumsbetrieb zunächst durch die öffentlichen finanziellen Mittel aufrechterhalten. Diese finanzielle Situation führt dazu, dass öffentliche Museumsbetriebe in Deutschland entweder nur über einen sehr geringen oder überhaupt keinen Ankaufsetat verfügen. Folglich kümmern sich moderne Museumsbetriebe eigenständig, professionell und strategisch um Drittmittel. Die finanzielle Unterstützung von privater Seite ist für die Zukunft einer musealen Sammlung von hoher Bedeutung, um Neuankäufe auf dem internationalen hochpreisigen Kunstmarkt zu tätigen. Da der Prozess des Deaccessioning in Deutschland tabuisiert wird, werden finanzielle Mittel für Neuankäufe zeitgenössischer Kunst in Form von Spenden oder bei fördernden Kulturstiftungen und bei Förderund Freundeskreisen akquiriert. Wie an Beispielen verdeutlicht, hat ein Museumsdirektor durch diese Finanzierungshilfen nicht mehr die alleinige Entscheidungsfreiheit. In Absprache mit Vorständen oder Ankaufskommitees werden Entscheidungen über Neuankäufe für öffentliche museale Sammlungen beschlossen.

Insbesondere durch diese beiden Faktoren, der steigenden Preise auf dem zeitgenössischen Kunstmarkt und die fehlenden öffentlichen Mittel für Ankäufe, werden Kooperationen zwischen öffentlichen Museen und privaten Sammlern hohe Bedeutung zugesprochen. In Form einer Dauerleihgabe oder eines individualisierten Kooperationsvertrages werden private Sammlungen öffentlichen Museen überlassen. In Form einer Schenkung oder eines Vermächtnisses von Todes wegen wird ein öffentliches Museum Eigentümerin einer privaten Kunstsammlung. Dass diese Kooperationsformen, neben der Hauptpflicht, die Sammlung zu gebrauchen, ein Bündel von kostenintensiven Nebenpflichten beinhalten, wurde im Detail herausgestellt. Aufgrund der genannten Schwächen und schwierig zu erfüllenden Auflagen wurde der individualisierte Kooperationsvertrag als ein zukunftsträchtiges Modell für eine solche Partnerschaft identifiziert. Für einen Privatsammler, einen Museumsdirektor sowie für dessen Träger ergeben sich Verhandlungsund Gestaltungsspielräume, die an die jeweiligen Interessenlagen angepasst werden können.

Durch ein negatives Praxisbeispiel wurde verdeutlicht, dass die wesentlichen Aspekte, wie ein schriftlicher Vertrag und eine festgelegte Leihzeit, zu Beginn einer jeden Kooperation geregelt werden sollten. Demnach hat ein Museumsdirektor heutzutage davon auszugehen, dass eine geliehene Kunstsammlung irgendwann von dem Sammler selbst oder von seinen Erben aus dem Bestand eines öffentlichen Museums zurückgefordert wird. Eine Dauerleihgabe wird endlich sein. Ob eine Kunstüberlassung in eine Kunstübereignung übergeht, wird nicht in allen Kooperationsverträgen vorab fixiert sein. Diese Entwicklung hängt von dem freundschaftlichen Kooperationsverhältnis und dem gegenseitigen Vertrauen der Partner ab.

Wie bedeutsam Kooperationen aus Sicht der Sammler als auch aus Sicht der öffentlichen Museen angesehen werden, zeigen die gelungenen Beispiele aus der Museumspraxis. Die mit einer Kooperation verbundenen Interessen aus Sicht der jeweiligen Partner wurden systematisch erarbeitet. Den kulturellen, politischen, finanziellen und rechtlichen Interessenlagen zugeordnet, lassen sich die verschiedenen Vorund Nachteile nachvollziehen. Jeder Kooperationspartner sollte sich über die jeweiligen Interessenlagen sowie Stärken und Schwächen im Klaren sein und diese abwägen, bevor er sich auf eine Kooperation einlässt.

In der Regel befindet sich ein Privatsammler in einer besseren Verhandlungsposition als ein öffentliches Museum. Oftmals kann sich ein Privatsammler aussuchen, mit welchem Museum er eine Kooperation eingehen möchte. Hingegen lehnt ein öffentliches Museum ein attraktives Kooperationsangebote ab, wenn es nicht in der Lage ist, die Interessen bzw. Forderungen eines privaten Sammlers zu erfüllen.

Die erarbeitete Checkliste stellt die wesentlichen und zu beachtenden Kernfragen einer Kooperation zusammen. Empfehlenswert ist, dass die Kooperationspartner gemeinsam Antworten auf diese offenen Fragen finden. Die Empfehlungsvorschläge bieten eine erste Grundlage für Kooperationsverträge zwischen einem Privatsammler und einem öffentlichen Museum, um das gemeinsame Ziel – die Einbindung einer privaten zeitgenössischen Kunstsammlung in ein öffentliches Museum – gestalten zu können.

Die verschiedenen Kooperationsformen zwischen Privatsammlern und öffentlichen Museen erfahren nach Ansicht der Autorin heute und in Zukunft weit mehr an Bedeutung. Moderne Museumsbetriebe können funktionierende Rahmenbedingungen stellen und private Kunstsammler lassen sich als ein wichtiger Kooperationspartner und Kunstförderer begreifen. Beide Partner übernehmen spezifische Verantwortung und setzen sich in einem fairen Ausgleich für das gemeinsame Ziel einer erfolgreichen Kooperation ein.

 
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