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10. Binge Drinking unter Jugendlichen: Wie drängend ist das Problem?

Carolin Donath

10.1 Einleitung

Wolfgang Lenhard

Rettungssanitäter und das medizinische Personal von Krankenhäusern kennen das Problem nur zu gut: Vor allem am Wochenende betrinken sich Jugendliche bis zur Besinnungslosigkeit und werden aufgrund akuter Alkoholvergiftung in Kliniken eingeliefert, wo sie ihren Rausch auskurieren. Die Zahl der stationären Aufnahmen hat seit 2002 drastisch zugenommen und bewegt sich seit 2008 auf einem hohen Niveau (Statistisches Bundesamt 2015). Besonders die 15bis 20-Jährigen fallen diesbezüglich besonders deutlich auf: Hier treten nicht nur weitaus die meisten Vorfällen bezogen auf die Größe der Personengruppe auf, sondern in dieser Altersgruppe nahm auch die Zahl stationärer Behandlungen zwischen 2002 und 2012 um 230 % und somit weit überproportional zu. Einerseits lässt sich daran die Frage knüpfen, wie es sein kann, dass insbesondere in einer Altersgruppe, in der zum Teil Alkohol noch nicht legal erworben werden kann, ein solcher Anstieg zu verzeichnen ist. Zum anderen ist eine deutliche Veränderung in der Inanspruchnahme medizinischer Leistungen nicht zwangsläufig auf die Zunahme eines medizinischen Problems zurückführbar. Schließlich kann sich auch einfach die Bereitschaft zur Inanspruchnahme geändert haben. Zeit für eine Bestandsaufnahme: Wie häufig konsumieren Jugendliche Alkohol, und welche Mengen werden dabei aufgenommen? Welche Personengruppen sind besonders gefährdet, und wer zeigt eher selten riskantes Konsumverhalten? Ab wann spricht man von Rauschtrinken, und welche Alkoholmengen sind dagegen unbedenklich konsumierbar? Wie hat sich das Konsumverhalten Jugendlicher im letzten Jahrzehnt verändert?

Konsum und Verbreitung illegaler Rauschmittel sind aufgrund ihres Gefährdungspotenzials zu Recht Gegenstand der Strafverfolgung und stehen immer wieder im Fokus der Öffentlichkeit. Dessen ungeachtet sollte man sich jedoch bewusst sein, dass die eigentliche Gesundheitsgefahr für Jugendliche von legalen Rauschmitteln, also von Alkohol und Nikotinprodukten, ausgeht. Die Zahl der Substanzabhängigen und Toten entfällt zum allergrößten Teil auf diese legalen Substanzen, und sie sind die wichtigsten „Einstiegsdrogen“. PD Dr. Carolin Donath arbeitet am Universitätsklinikum in Erlangen und war maßgeblich an der wohl umfassendsten, repräsentativen Studie zum Alkoholkonsumverhalten Jugendlicher, die bisher in Deutschland publiziert wurde, beteiligt. Von besonderem Interesse ist für sie das Binge Drinking, also das Rauschtrinken, welches sie bezüglich Auftretenshäufigkeit in verschiedenen Personengruppen (Donath et al. 2011) und Prädiktoren untersucht (Donath et al. 2012). Auch geht es um die negativen Folgen von Rauschtrinken, beispielsweise die Gefahr, im Rausch Opfer physischer oder sexueller Gewalt zu werden (Loh et al. 2014).

Referenzen

Donath, C., Gräßel, E., Baier, D., Pfeiffer, C., Karagülle, D., Bleich, S., & Hillemacher, T. (2011). Alcohol consumption and binge drinking in adolescents: comparison of different migration backgrounds and rural vs. urban residence – a representative study. BMC Public Health, 11(1), 84. doi:10.1186/1471-2458-11-84.

Donath, C., Gräßel, E., Baier, D., Pfeiffer, C., Bleich, S., & Hillemacher, T. (2012). Predictors of binge drinking in adolescents: ultimate and distal factors – a representative study. BMC Public Health, 12(1), 263. doi:10.1186/1471-2458-12-263.

Loh, A., Baier, D., Donath, C., Bleich, S., Hillemacher, T., & Graessel, E. (2014). Binge drinking and experiences of victimization among adolescents: findings of a nationwide representative study in Germany. Journal of Public Health, 22(6), 489–496.

 
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