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3.4 Das Constrained-Choice-Konzept nach Bird und Rieker

Bird und Rieker (2008) haben das Constrained-Choice-Konzept entwickelt, um aus soziologischer Perspektive Geschlechtsunterschiede in Gesundheit und Krankheit zu erklären. Im Mittelpunkt der Überlegungen steht die Fragestellung, wie und unter welchen Bedingungen Frauen und Männer in ihrer alltäglichen Lebensund Arbeitswelt Entscheidungen treffen, die direkt oder indirekt den Gesundheitszustand beeinflussen. Die Autorinnen leiten in ihren Ausführungen zwei zentrale Fragen ab, die für eine Bewertung der vorangestellten Krankheitsrisiken und Gesundheitsressourcen zentral sind:

1. „What keeps men and women from making health an everyday priority?

2. What factors contribute to the differences in men's and women's choices?”

(Bird & Rieker, 2008, S. 54f.)

Auf den ersten Blick fällt auf, dass beide Fragen sowohl verhaltensals auch verhältnisorientierte Erklärungsansätze zulassen. Die Frage danach, was Frauen und Männer daran hindert, Gesundheit als tägliche Selbstverständlichkeit zu betrachten, inkludiert, dass Prioritätensetzungen von äußeren Faktoren beeinflusst werden können. Zur Erklärung dieses Ansatzes illustrieren Bird und Rieker (2008) beispielhaft Fragen, die den Lebensalltag einer jungen, mittelständischen Familie betreffen (Kapitel 3.4.1 bis 3.4.3). Mit Hilfe dieser Darstellung entwickeln die Autorinnen das Constrained-Choice-Konzept, das drei Ebenen der Lebensund Arbeitswelten von Frauen und Männern in die Betrachtung einbezieht (vgl. Abb. 8). Diese beziehen sich im Einzelnen auf die Aspekte „social policy“, „community actions“ und „work & family“ (ebd., S. 64), die auf Entscheidungsprozesse wirken, welche sich ihrerseits direkt oder indirekt auf die Gesundheit auswirken. Nachfolgend werden die zentralen Aussagen des Modells unter Berücksichtigung der verschiedenen Ebenen dargestellt. [1]

Abbildung 8: Conceptualization of Constrained Choice. (Quelle: Bird & Rieker, 2008, S. 64)

  • [1] Bird und Rieker (2008) stellen im Rahmen der Modellerklärung zahlreiche empirische Befunde dar, die zum Teil bereits in der Darlegung der sozialen, ökonomischen und gesundheitlichen Lage von Frauen und Männern aufbereitet wurden (Kapitel 3.1 und 3.2). Diese sollen nachfolgend nicht erneut rezipiert werden. Vielmehr werden in diesem Abschnitt die grundlegenden Ideen des Modells erläutert und mit kurzen Verweisen auf den empirischen Rahmen versehen. Eine Diskussion mit Bezug auf den empirischen Stand der Forschung erfolgt im Zwischenfazit (Kapitel 3.5).
 
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