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4.1 Stress vs. psychische Belastung – eine begriffliche Annäherung

Bei der Begutachtung anwendungsbezogener Literatur zur Thematik Stress fällt auf, dass die Begriffe Stress und psychische Belastung zum Teil synonym verwendet werden. Beispielhaft zeigt sich dies anhand eines Handlungsleitfadens der Technologieberatungsstelle (TBS, 2011) zu „Psychischen Belastungen in der Arbeitswelt“, im Rahmen dessen die theoretische Herleitung anhand klassischer Stressund Bewältigungsmodelle erfolgt (Transaktionales Stressmodell nach Lazarus, 1966). Dabei verweisen Gümbel und Nielbock (2012) darauf, dass psychische Belastungen im Gegensatz zu Stress in der internationalen Normenreihe DIN EN ISO 10 075 klar definiert sind. Demzufolge wird unter psychischen Belastungen „die Gesamtheit aller erfassbaren Einflüsse [verstanden], die von außen auf den Menschen zukommen und psychisch auf ihn einwirken“ (Junghanns, 2005, S. 3). Ferner meint psychische Beanspruchung „die unmittelbare (nicht die langfristige) Auswirkung der psychischen Belastung im Individuum in Abhängigkeit von seinen jeweiligen überdauernden und augenblicklichen Voraussetzungen, einschließlich der individuellen Bewältigungsstrategien“ (ebd.). Vor diesem Hintergrund erscheint ein Vergleich des Begriffs Stress mit der Bezeichnung der psychischen Beanspruchung naheliegend.

Auf Basis dieser begrifflichen Klärung sollen zur näheren Begutachtung der Bedeutung von Geschlecht im Kontext der Stressund Bewältigungstheorien nachfolgend zum einen die aus der Literatur zusammengetragenen Modelle überblickhaft skizziert werden (Kapitel 4.2). Zum anderen erfolgt auf Grundlage der Forschungsfrage nach den subjektiven Entstehungsund Bewältigungsmustern von Frauen und Männern ein Blick auf die Theorie der Ressourcenerhaltung nach Hobfoll (1998) (Kapitel 4.3). Damit sollen stärker ressourcentheoretische Ansätze in den Fokus gerückt werden, um die bereits angesprochene Relevanz der Bewältigungsmuster in der Analyse der Stresssituation in den Mittelpunkt zu stellen. Anschließend erfolgt eine Darstellung internationaler Befunde zum Zusammenhang von arbeitsbedingtem Stress und Geschlecht (Kapitel 4.4). Im Zwischenfazit steht schließlich die Frage im Vordergrund, ob und inwiefern die dargestellten theoretischen und empirischen Befunde die Dimension Geschlecht berücksichtigen und welchen Beitrag sie für die weitere Bearbeitung der Forschungsfrage leisten (Kapitel 4.5).

 
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