< Zurück   INHALT   Weiter >

9 Reflektion der Methodik: Limitation und Generalisierbarkeit der Ergebnisse

Nachfolgend werden Entscheidungen und Erfahrungen reflektiert, die im Zusammenhang mit der methodischen Herangehensweise von Bedeutung sind. Eine solche Diskussion zielt zum einen darauf ab, größtmögliche Transparenz in Bezug auf den Forschungsund Ergebnisprozess herzustellen. Sie ist damit auch als Beitrag zur intersubjektiven Nachvollziehbarkeit zu verstehen, die von Steinke (2008) als Gütekriterium qualitativer Forschung angeführt wird. Zum anderen ermöglicht die Reflektion eine realistische Einschätzung über die Limitation und Generalisierbarkeit der formulierten Ergebnisse. Zur Annäherung an ein solches Vorgehen ist es zunächst sinnvoll, sich die allgemeinen Spezifika der Datengenerierung zu vergegenwärtigen. Nach Helfferich (2011) sind qualitative Interviews gegenüber quantitativen Daten immer kontextabhängig, da etwa Interaktionsaspekte zwischen Interviewenden und Befragten die Ergebnisse stets mit beeinflussen. Methaphorisch kann dieser Zustand als Brille des Forschenden beschrieben werden, die den subjektiven Blick auf den Forschungsgegenstand und auf alle Schritte im Forschungsprozess prägt. Der Maßstab zur Beurteilung der Güte qualitativer Daten kann daher – wie etwa bei quantitativen Daten – nicht deren Objektivität sein. Vielmehr ist ein angemessener Umgang mit den Einflüssen der eigenen Person im Erhebungsund Auswertungsprozess erforderlich. Vor dem Hintergrund dieser Perspektivität[1] werden in der Methodenliteratur der Sozialund Gesundheitsforschung Gütekriterien für qualitative Interviews formuliert, die als Orientierungshilfe für die methodische Reflektion dienen (Mayring, 2002; Steinke, 2008).

Zur Herstellung der intersubjektiven Nachvollziehbarkeit werden in den folgenden Abschnitten die Entscheidungsund Erfahrungswege im Rahmen des Feldzugangs (Kapitel 9.1), der Interviewdurchführung (Kapitel 9.2), der Fallauswahl (Kapitel 9.3) und Fallkontrastierung (Kapitel 9.4) sowie des EmpirieTheorie-Transfers nachvollzogen (Kapitel 9.5). Die Gliederung orientiert sich dabei an den konkreten Schritten im Forschungsprozess.

  • [1] Der Begriff der Perspektivität unterstreicht an dieser Stelle, dass zwar ein subjektiver Blick auf den Forschungsgegenstand erfolgt, dieser aber von objektiven und strukturellen Kriterien geprägt ist. Beispiele dazu werden nachfolgend weiter ausgeführt (Helfferich, 2011).
 
< Zurück   INHALT   Weiter >