Innere Struktur

Die Beschreibung einer weiteren Dimension staatlicher Steuerung beginnt wieder mit dem Gedankenexperiment eines freien Marktes, auf dem sich Angebot und Nachfrage über den Preismechanismus ins Gleichgewicht bringen. Die Existenz eines einzigen Gleichgewichtszustands setzt voraus, dass es sich bei den angebotenen Dienstleistungen um qualitativ gleichartige Güter handelt. Es wäre aber zu vermuten, dass sich das Angebot in Abwesenheit staatlicher Vorgaben entlang der Qualität und des Preises ausdifferenzieren würde. Qualitativ hochwertige und gleichzeitig teure Angebote würden neben qualitativ schlechteren, aber dafür günstigeren Angeboten existieren. Aus sozialpolitischen Gründen ist eine vollständige Liberalisierung jedoch zumeist nicht wünschenswert, da sie zu einer Reproduktion der sozialen Ungleichheit bei der Inanspruchnahme der sozialpolitischen Infrastruktur führen würde.

Aus diesem Grund greifen die Länder in die innere Struktur der Einrichtungen ein. Unter den Terminus der inneren Struktur fallen alle Aspekte, die beschreiben, in welcher Form der jeweilige Betreiber das Leistungsangebot anbietet. Im Kern geht es um Regelungen und Standards der Leistungserbringung. Hierunter fallen Anforderungen an die Einrichtungsleitung, das Fachpersonal, die Raumgröße und Ausstattung sowie Belange der Wirtschaftsführung. Mittels Vorgaben können politische Akteure versuchen, Aspekte der Versorgungsqualität zu beeinflussen.

Diese Dimension untersucht folglich, welche Akteure das Land für die Regelung der inneren Struktur der Einrichtungsträger vorgesehen hat. Zusammengenommen umfassen diese vier Dimensionen die Einflussmöglichkeiten der Landessteuerung auf die quantitativen und qualitativen Aspekte der Versorgungsstruktur. In Tabelle 4 sind die vier Steuerungsdimensionen aufgeführt mit den jeweiligen Ausprägungen, die sie in den vier verschiedenen Steuerungsformen annehmen. In den Zeilen sind somit vier Typen der Steuerung enthalten. Es handelt sich hierbei um Idealtypen gemäß der Definition von Max Weber (1988), nach der Idealtypen das Resultat von Isolierung und Überspitzung zentraler Eigenschaften sind. Nur indem sie sich von der empirischen Verankerung lösen, gelingt es ihnen, die Zusammenhänge einer Typologie in Reinform zu erfassen. In der Realität liegen zwangsläufig Mischtypen vor, die nicht nur unterschiedliche Ausprägungen in den verschiedenen Dimensionen, sondern auch innerhalb einer Dimension unterschiedliche Steuerungsformen aufweisen. Die realen Fälle lassen sich daher nicht den Idealtypen zuordnen, sondern sich lediglich mit ihnen vergleichen. Durch den Vergleich können die Eigenschaften der empirischen Fälle in Übereinstimmung oder Abgrenzung zu den Idealtypen ermittelt werden (Kluge 1999: 62-67).

Steuerungsform Anreizstruktur Äußere Struktur Finanzierung Innere Struktur


Entscheidung

Wer setzt die Anreize für die Betreiber?

Wer bestimmt über das Leistungsangebot der Einrichtungen?

Wer finanziert die Leistungen?

Wer legt Standards der Leistungserbringung fest?

Hierarchie

angebotsorientierte Anreize

Land

Land legt die Kostenanteile der Akteure fest

Land

Markt

leistungsorientierte Anreize

Betreiber

Finanzierung wird dem

Markt überlassen

Betreiber

Netzwerk

Entscheidung wird Verhandlung zwischen beteiligten Akteuren überlassen

Leistungsangebot wird ausgehandelt

Finanzirungsanteile werden zwischen betroffenen Akteuren ausgehandelt

Anforderungen werden ausgehandelt

Delegation

Entscheidung wird Kommune überlassen

Kommune

Kommune legt Finanzierungsanteile fest

Kommune

Tabelle 4: Idealtypen der Steuerung der sozialpolitischen Infrastrukturförderung

 
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