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3.2.3 Finanzierung

Die Steuerungsdimension der Finanzierung untersucht, auf welche Weise die Übernahme der anfallenden Kosten zwischen den verschiedenen Akteuren geregelt ist.

Die Höhe der hierarchischen Steuerung bestimmt sich als Anteil der Finanzierung, der durch das Land verbindlich geregelt wird. Insofern hängt der Steuerungswert der Hierarchie nicht allein von der Förderung durch das Land ab, sondern umfasst auch alle Zuwendungen anderer Akteure, die das Land in ihrem Umfang vorgeschrieben hat. Ein Steuerungswert von 1 bedeutete somit, dass die Akteure bezüglich ihres eigenen Kostenbeitrags über keinen Ermessensspielraum verfügten. Die Kostenherkunft für alle bedarfsgerechten Plätze wäre durch das Land vollständig geregelt. Ein niedriger Steuerungswert würde hingegen bedeuten, dass das Land die Übernahme der Kosten nicht abschließend geregelt hat.

Der Wert für die Steuerungsform Markt resultiert aus dem Kostenanteil, der nicht von staatlichen Akteuren oder in Verhandlungen festgeschrieben wurde und somit den eigenen Handlungsspielraum der Einrichtungsträger in Bezug auf die Preisbildung angibt.

Analog dazu bemessen sich die Werte der Steuerungsformen Netzwerk bzw. Delegation an den Kostenanteilen, über deren Finanzierung die Akteure entscheiden können, sowohl was die Förderhöhe, als auch was die Anzahl der geförderten Plätze angeht. Bei der Netzwerksteuerung müssen sich die beteiligten Akteure auf eine Aufteilung der Kosten einigen, während der Leistungsverpflichtete bei der Delegation über die Kostenverteilung frei bestimmen kann.

Das methodische Vorgehen erfordert in einem ersten Schritt, den Anteil der geförderten Plätze festzustellen, auf den die Finanzierungsregelungen zutreffen. In einem zweiten Schritt wird für jede der beteiligten Akteursgruppen ihr Finanzierungsanteil (näherungsweise) bestimmt. Diese Kostenanteile können dann in einem dritten Schritt den vier Steuerungsformen zugeordnet werden, je nachdem, auf welche Weise sie festgelegt wurden.

3.2.3.1 Kinderbetreuung

Schritt 1: Die Finanzierung wird grundsätzlich für alle als bedarfsgerecht anerkannten Plätze geleistet. Die Finanzierungsregelungen gelten somit ausnahmslos, sodass diesem Aspekt keine weitere Beachtung geschenkt werden muss.

Schritt 2: Die Bestimmung der Kostenanteile der unterschiedlichen Akteure erfolgt in erster Linie auf Grundlage der jeweiligen Gesetze und Verordnungen. Die notwendigen Umrechnungen der Platzpauschalen erfolgt anhand der bei der Beschreibung der anderen Dimensionen ausgeführten Methodik. In Fällen, in denen die Höhe der Elternbeiträge weder vom Land festgesetzt, noch von den nachgeordneten Ebenen festgelegt werden soll, ist es notwendig, den Anteil der Elternbeiträge zu ermitteln. Sofern er nicht offiziellen Angaben in Kleinen und Großen Angaben entnommen werden konnte, wird er auf Basis der Angaben der Ausgabenstatistik der Kinderund Jugendhilfe geschätzt (zur Berechnung s. Lange 2013).

Schritt 3: Die Zuordnung der Finanzierungsanteile der verschiedenen Akteure zu den Steuerungsformen basiert auf den Gesetzen und Rechtsverordnungen. Teilweise haben die Länder die Finanzierungszuständigkeiten nur unvollständig geregelt, z.B. durch die Vorgabe von Grundsätzen oder Rahmenbedingungen. Um diese Abstufung abzubilden, werden die Regelungen hinsichtlich ihrer Regelungstiefe und ihrer Verbindlichkeit eingeordnet. Dazu wird das bei der Steuerungsdimension der inneren Struktur skizzierte Verfahren angewendet, um den Einfluss des Landes bzw. den Ermessensspielraum der weiteren Akteure zu ermitteln. Die Bedeutung der verschiedenen Steuerungsformen für die Festlegung der einzelnen Finanzierungsanteile kann auf diese Weise quantifiziert werden. Multipliziert man diese Werte mit den Kostenbeteiligungen der jeweiligen Akteure, erhält man die Steuerungswerte in Bezug auf die Finanzierung.

 
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