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7 Stationäre Pflegeeinrichtungen

Die deutsche Bevölkerung wird älter. Nicht nur ist die durchschnittliche Lebenserwartung bei der Geburt zwischen 1960 und 2010 um mehr als zehn Jahre gestiegen, sondern auch die weitere Lebenserwartung von 60-Jährigen hat sich im selben Zeitraum bei Männern um 5 Jahre und bei Frauen um 6,5 Jahre verlängert (Statistisches Bundesamt 2012a). Die große Mehrheit der Senioren lebt dabei selbstständig im eigenen Zuhause, nimmt aktiv am gesellschaftlichen Leben teil und weist eine hohe Lebenszufriedenheit auf (Johanniter Unfallhilfe/F.A.Z. Institut 2012: 12f.). Mit steigendem Alter wächst jedoch auch das Risiko, pflegebedürftig zu werden. Während der Anteil der anerkannten Pflegebedürftigen nach SGB XI unter den 70 bis unter 75-Jährigen bei fünf Prozent liegt, steigt die Pflegequote mit dem Alter zunehmend an und beträgt in der Altersgruppe der über 90-Jährigen 56 Prozent (Statistisches Bundesamt 2013e: 9). Bei diesen Zahlen ist zu beachten, dass der Pflegebedürftigkeitsbegriff des SGB XI recht eng gefasst ist, da er vorwiegend körperliche Beeinträchtigungen berücksichtigt und kognitive Einschränkungen ignoriert. Die Anzahl der tatsächlich Pflegebedürftigen dürfte daher deutlich höher sein (Schneiders 2010: 160; Schulz 2010: 4; Gerlinger/Röber 2009: 14, 31; Priester 2004: 108).

Der Frage nach der Betreuung im Pflegefall kommt eine hohe Bedeutung zu. Umfrageergebnisse zeigen immer wieder aufs Neue den Wunsch der Menschen, im Alter nicht in eine stationäre Pflegeeinrichtung ziehen zu müssen. Nur deutlich unter zehn Prozent geben an, im Alter in ein Pflegeheim gehen zu wollen (R+V 2013; ERGO 2012; Johanniter Unfallhilfe 2011; KKH 2011). Gleichwohl liegt der Anteil der Pflegebedürftigen, die vollstationär betreut werden, konstant bei etwa 30 Prozent (Statistisches Bundesamt 2013e). Stationäre Pflegeinrichtungen stellen insofern einen ungeliebten, aber derzeit unverzichtbaren Bestandteil des deutschen Pflegesystems dar.

Im Jahr 2011 wurden bundesweit 743.000 Personen in 10.700 Pflegeheimen vollstationär betreut, im Vergleich zu 573.000 Pflegebedürftigen in gut 8.000 Einrichtungen im Jahr 1999 (Statistisches Bundesamt 2013e, 2001b, 2001c). Prognosen sagen voraus, dass der Anteil von Pflegebedürftigen insgesamt und von vollstationär Betreuten im Speziellen auch in Zukunft stark steigen wird (Statistische Ämter des Bundes und der Länder 2010: 26ff.; Deutscher Bundestag DRS 16/13770: 291). Die Gewährleistung bedarfsgerechter Pflegekapazitäten bleibt daher eine andauernde Aufgabe.

Die Länder haben zwei Möglichkeiten, auf die Pflegeinfrastruktur einzuwirken. Zum einen können sie die Investitionen der Einrichtungsbetreiber fördern. Zum anderen besitzen sie seit der Föderalismusreform I die Gesetzgebungskompetenz für das Heimrecht und können somit wesentliche Standards der Leistungserbringung festlegen. In beiden Bereichen haben die Länder in unterschiedlicher Weise von ihrem Einfluss Gebrauch gemacht. Diese Unterschiede in den Steuerungsformen zwischen den Ländern sollen in diesem Kapitel dargestellt und verglichen werden. Dafür wird zunächst das deutsche Pflegesystem seit Einführung der Pflegeversicherung 1995/96 dargestellt und im nächsten Abschnitt die Länderkompetenzen innerhalb des Systems erläutert. Auf dieser Grundlage werden dann die Unterschiede in den Steuerungsdimensionen für den Zeitraum 1996 bis 2013 präsentiert, die im letzten Abschnitt in die Bildung von Steuerungstypen einfließen.

 
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