Jenseits der Parteien: Zunehmende Präsenz von Frauen und Mädchen

Was die Beteiligung von Mädchen und Frauen jenseits der Parteien, in Cliquen, Vorfeldorganisationen und so genannten Kameradschaften betrifft, so beruhen die diesbezüglich gemachten Angaben zum Großteil auf Schätzungen und Beobachtungen von Szenekundigen. Wenn Renate Bitzan angibt, 10–33 Prozent Frauen seien in derartigen Verbindungen aktiv, dann fasst diese Aussage das zusammen, was Verfassungsschutz, Journalistinnen und Journalisten beobachten. Zumal die Szene stark fluktuiert und es erhebliche regionale Unterschiede gibt, sind die Einschätzungen höchst unterschiedlich und in ihrer Spannbreite weit gefasst. Eine verstärkte Präsenz von Frauen im rechtsextremen Spektrum zeigt sich gegenwärtig bei Aufmärschen, Kinderund Familienfesten und beispielsweise auch im Versandangebot rechtsextremer Händler.

Jenseits der Parteistrukturen entwickelt sich eine nahezu entgrenzte rechte Jugendkultur. Sie ist im Mainstream angekommen und wird für Mädchen und junge Frauen attraktiv (Vgl. Esen 2009). Während in den 1990er Jahren die vor Männlichkeit und Chauvinismus nur so trotzende Skinhead-Szene ein dominanter jugendkultureller Bestandteil der extremen Rechten war, werden jetzt z. B. die Dark Wave-, Black Metal-, Technound Hardcore-Szene von rechts erobert und mit rassistischem Gedankengut völkisch aufgeladen (vgl. Fromm 2008). Mit an Bord kommen können nun auch jene Mädchen und junge Frauen, die sich bisher abschrecken ließen vom martialischen und sexistischen Auftreten der trinkfesten, rechtsextremen Skinheads. Melanie, eine Aussteigerin aus der rechtsextremen Kameradschaftsszene, fühlte sich vom neuen Gesicht der rechtsextremen Szene angesprochen und sieht in dem moderateren, bunten Auftreten eine große Gefahr und gefährliche Strategie.

"Ich fühlte mich eben auch von diesen ›normal‹ wirkenden Menschen in keinster Weise zu etwas gezwungen, und konnte mich mit meiner Art z. B. zu kleiden integrieren. Es galt nicht der übliche starre Kleidungskodex und ich hatte den falschen Eindruck, mich auch individuell verwirklichen zu können", sagt sie.

Melanie erzählt weiter:

"[…]dieses moderne Outfit ist im wesentlichen strategischer Natur. Schließlich lassen sich Jugendliche eher auf etwas ein, was ihnen offen und neu erscheint, als auf Konzepte und Dogmen, die auch von ihren Großeltern stammen könnten. Zudem werden sie mit dem neuen Outfit nicht von jedem erkannt und schaffen optische Anknüpfungspunkte an verschiedene alternative Jugendsubkulturen. Ein modernes Auftreten bedeutet aber eben nicht gleich eine fortschrittliche oder vorwärtsgerichtete Ideologie. Was ich damit zum Ausdruck bringen möchte, ist, dass diese neuen Erscheinungsformen ganz einfach darauf abzielen, Menschen zu gewinnen und diese, auf einem scheinbar poppigen und oberflächlichen Weg zu binden. Vielen ist es gar nicht bewusst, auf was sie sich dort eigentlich einlassen." (Baumgärtner: 2007)

 
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