Nazi-Chic für Frauen und Kinder: Steigende Angebote

Auf ein Anwachsen der Zahl weiblicher Anhänger deutet auch das Warenangebot rechtsextremer Vertriebe hin. Seit der Jahrtausendwende kommt kein größerer rechter Devotionalienhändler mehr ohne eine Girlie-Abteilung aus, in der Bekleidungsstücke, Schmuck, etc. für Frauen und Mädchen feilgeboten werden. "Walküre" heißt ein Damenduft, der verspricht: "Mit diesem Duft wirken Sie garantiert für jeden Patrioten anziehend". Wer dem nicht traut, kann auf Nummer sicher gehen und sich Reizwäsche bestellen, neckisch bedruckt mit der "88", die in der Szene für "Heil Hitler" steht. Männerunterwäsche kommt dezent mit weißem Spermium und dem Schriftzug "White Power" daher, aber auch plakativer mit dem Slogan: "Ficken für Deutschland". Ganz erfolglos scheinen solche Bemühungen nicht zu sein, denn zurzeit wird das Marktsegment auf Artikel für den "nationalen Nachwuchs" ausgeweitet: Babylatz, Kinderkleidung, Spiele. Gerne bedient man sich für die ganz Kleinen aus dem Fundus der germanischen Mythologie oder bei den Wikingern. "Odin", "Freya", "Walküre" und "Kleiner Wikinger" sind beliebte Schriftzüge auf T-Shirts.

Nationale Familien

Mittlerweile gehören auch Kinderund Familienfeste zum festen Bestandteil öffentlichen Auftretens. Dort gibt es dann kostenlose Bratwürstchen, Ponyreiten und Hüpfburg für die ganz Kleinen. Solche Feste dienen nicht nur strategisch zur Imageaufbesserung und Anwerbung neuer Mitglieder, sondern sind auch für den Zusammenhalt der eigenen Klientel wichtig geworden als ein Element der Freizeitgestaltung, das die gesamte nationale Familie anspricht. Wie viele solcher Familien es mittlerweile gibt, lässt sich nicht beziffern. Wir werden uns jedoch von der Vorstellung verabschieden müssen, dass stolz-deutsche Jungmänner der Szene den Rücken kehren, wenn sie eine Freundin finden. Die Chance, auf eine gleichgesinnte Partnerin zu treffen, hat sich erhöht. Damit stabilisiert sich die Szene. Manches kleine Mädchen muss nicht erst später in die rechtsextreme Szene einsteigen. Es wurde bereits hineingeboren und dementsprechend sozialisiert. Die ganz Hartgesottenen wählen Namen aus der germanischen Mythologie für ihren Nachwuchs. Die kleine Freya ist heute schon in bundesdeutschen Kindergärten und Schulen anzutreffen. Kinder wie sie bringen Bestandteile rechtsextremistischer Alltagskultur, politische Einstellungen und Slogans in den Klassenverband sowie in die Freizeitund Spielgruppe hinein. Gelernt haben sie das von ihren Eltern, von denen mindestens ein Partner rechtsextremistisch sozialisiert und politisiert wurde (Fahr 2005: 6).

Nimmt man alle quantitativen Befunde und Einschätzungen zusammen, so verbietet es sich, Rechtsextremismus als ein Männerphänomen anzusehen. Frauen und Mädchen mischen in allen Bereichen mit. Die Tendenz geht in die Richtung von mehr weiblicher Beteiligung, leider auch an den Straftaten. Auf eine größere Beteiligung und stärkere Aktivierung von Mädchen und Frauen zielen auch rechtsextreme Frauengruppen ab.

 
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