Fixierung und Beobachtung von Patienten auf der geschlossenen Station

Nach Auskunft des Psychiaters werden sich selbstgefährdende Patienten, beispielsweise bei akuter Suizidalität, auf der geschlossenen Station zwecks ständiger Beobachtung in ein Überwachungszimmer verlegt, allerdings ohne fixiert zu werden.

„Bei Eigengefährdung, [...] dass man Angst hat, dass auf einer Station sich ein Mensch, obwohl er ja in Beobachtung und Betreuung ist, [...] umbringt. [...] wir hatten neulich so eine Patientin, weil die stand nämlich in ihrem Zimmer, hatte so ne [...] Kordel von nem Bademantel und die wollte sich wahrscheinlich damit am Fenster erhängen ne. [...] die haben wir jetzt nicht fixiert, aber die haben wir [...] in das Überwachungszimmer [...] gelegt, also praktisch ständige Beobachtung gemacht.“ (Psychiater 2014, Z. 257-265)

Ferner wird beschrieben, dass in Situationen, in denen sich ein Patient auf der geschlossenen Station aggressiv verhält, zum Schutz der Mitpatienten und Mitarbeiter eine Fixierung des fremdgefährdenden Patienten erfolgt.

„Es gibt [...] auch bedrohliche Situationen, mit denen wir gerade auf der geschlossenen Station umgehen müssen. Also wir hatten gerade in den letzten Wochen n sehr hohes Maß an Aggressivität, jetzt durch die Krankheitsbilder ne. Also wir haben [...] sehr viel [...] Fixierungsmaßnahmen machen müssen, [...] um uns zu schützen.“ (Psychiater 2014, Z. 536-542)

Die Betroffene schildert das Vorgehen in solchen Situationen wie folgt.

„der normale Hergang ist Festhalten, Niederspritzen, Festbinden aufm Bett.“ (Betroffene 2014, Z. 2280-2281)

Im Folgenden werden Interviewausschnitte dargestellt, in denen die Betroffene von ihren persönlichen Fixierungserfahrungen erzählt. Sie beschreibt eine Situation, in der sie mit 10-12 weiteren fixierten Patienten in einem Überwachungszimmer lag und nicht entfixiert wurde, wenn sie zur Toilette musste, sondern eine Bettpfanne benutzen musste, obwohl sie, wie sie betont, imstande gewesen wäre, zur nahe gelegenen Toilette zu laufen. Darüber hinaus äußert sie, so lange fixiert gewesen zu sein, dass Thrombosespritzen erforderlich wurden, und hebt hervor, dass sie eigentlich lauffähig gewesen wäre, wenn sie entfixiert worden wäre.

„da hab ich auf Wachstation gelegen. Da waren ungefähr [...] 10, 12 Leute auf dieser Wachstation [...] und ich war ans Bett gefesselt mit Fußgurt, Bauchgurt und Handgurt [...] Und ich durfte in der ersten Zeit das Bett noch nicht einmal verlassen, um zur Toilette zu gehen. Ich musste also nach der Schwester klingeln und dann kam Schwester oder Pfleger mit Bettpfanne [...] wo ne Toilette mit wenigen Schritten erreicht werden kann“ (Betroffene 2014, Z. 870-885) „ich war ans Bett gefesselt über einen so langen Zeitraum, dass mir Thrombosespritzen gegeben werden mussten. [...] ich hätte laufen können, ich war ja nicht pflegebedürftig, ich war festgebunden“ (Betroffene 2014, Z. 906-917)

Davon abgesehen ist während der Fixierung eine ständige Beobachtung durch eine Sitzwache vorgeschrieben, was auch so gehandhabt wird, sofern genug Personal vorhanden ist.

„bei den Fixierten [...] ist auch eine ständige Beobachtung vorgesehen ne, sogar vorgeschrieben, also vom Gesetzgeber [...], dass da ständig ne Aufsicht drin sein muss bei den Fixierten, das machen wir auch ne, da haben wir Sitzwachen. [...] Nicht nur durch die Scheibe, sondern dann, da setzen wir tatsächlich Leute ins Zimmer, also sollte man machen ne, manchmal klappts nicht, weil wir das Personal nicht haben ne. Aber das ist, so ist es eigentlich gedacht.“ (Psychiater 2014, Z. 266-276)

 
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