Hinweise auf konkrete einflussreiche Merkmale

Kinder haben nicht nur einen Einfluss darauf, welche Ressourcen zu bestimmten Zeitpunkten innerhalb des Institutionalisierungsprozesses eine Rolle spielen (siehe oben). Sie beeinflussen auch die Ressourcenausstattung selbst und somit zum einen als wie gewinnbringend (=attraktiv) eine Interaktion mit einer Alleinerziehenden bewertet wird und zum anderen ihren Bedarf an einer Tausch- beziehung. Das Vorhandensein von Kindern wird grundsätzlich als ressourceneinschränkendes Kriterium im Partnerbildungsprozess angesehen (Ivanova et al. 2013). Die Versorgung von Kindern beansprucht sowohl Zeit als auch Geld. Der potentielle Partner mag befürchten, dass diese Güter damit in weitaus geringerem Maße zum Tausch mit ihm zur Verfügung stehen. In einem Umfeld, in dem alleinerziehende Elternschaft weit verbreitet ist (beispielsweise niedrigere Bildungsschicht, Ostdeutschland; siehe Abschnitt 2.4.2.1), spielt das Vorhandensein von Kindern vermutlich eine weniger attraktivitätsreduzierende Rolle, da die kinderlose Konkurrenz verhältnismäßig kleiner ist. Ferner unterscheiden sich Alleinerziehende untereinander in ihrer Ressourcenausstattung stark nach den Attributen der Kinder. Vor allem das Alter und die Anzahl der im Haushalt lebenden Kinder sollten einen Einfluss auf zeitliche, emotionale und auch ökonomische Ressourcen haben. Kinder im Säuglingsalter und Kleinkinder nehmen besonders viel Pflege und Aufmerksamkeit in Anspruch. Alleinerziehende mit sehr kleinen und/oder mehreren Kindern haben demnach zum einen weniger Ressourcen für den tendenziell zeitintensiven Tausch affektiver Güter zu Beginn einer Partnerschaft. Aber auch ökonomische Güter stehen ihnen vermutlich in geringerem Umfang zur Verfügung als Alleinerziehenden mit nur wenigen bzw. älteren Kindern, was sie ebenfalls unattraktiver für eine Haushaltsgründung macht. Andererseits bedeutet der Ressourcenmangel, dass die betreffenden Alleinerziehenden einen besonderen Bedarf daran haben, ihren Ressourcenzugang zu vergrößern. Des Weiteren haben Alleinerziehende mehrerer Kinder, aufgrund der in der deutschen Gesellschaft bestehenden „Zwei-Kind-Norm“ (Bongaarts 2001), häufiger entweder tatsächlich mit ihrer Fertilitätsbiografie abgeschlossen oder dies wird zumindest häufiger von potenziellen Partnern vermutet als es bei Alleinerziehenden nur eines Kindes der Fall ist. Vor allem für kinderlose Partner bzw. für Partner mit Kinderwunsch, gelten Alleinerziehende nur eines Kindes möglicherweise als attraktiver und haben diesbezüglich gleichzeitig einen höheren Partnerbedarf als Alleinerziehende mehrerer Kinder.

Auch der (angenommene) Kontakt der Kinder und der Mutter zum ehemaligen Partner (Kindsvater) mag Einfluss auf die Ressourcenausstattung der Alleinerziehenden haben (vgl. Amato/Meyers/Emery 2009: 44). Väter pflegen häufig eine engere Bindung zu älteren Kindern sowie zu Söhnen als zu jungen Kindern bzw. Töchtern – sowohl wenn sie mit ihren Kindern zusammenleben als auch wenn dies nicht der Fall ist (Seltzer 1991, Lundberg/Rose 2003, Parke 1996, Hetherington 1993). Daraus lassen sich sowohl Konsequenzen für die Ressourcenausstattung also für die Attraktivität der Alleinerziehenden als auch das Partnerschaftsbedürfnis der Alleinerziehenden ableiten (für eine entsprechende Diskussion siehe Pleck/Masciadrelli 2004). Die stärkere Bindung zwischen älteren Kindern bzw. Söhnen und ihren leiblichen Vätern kann dazu führen, dass potenzielle neue Partner der Mütter mehr Konfliktpotenzial mit dem Vater des Kindes vermuten oder weniger positive Erträge durch die Interaktion mit dem Kind, wenn dieses ein Junge bzw. schon älter ist. Neue Partner sollten daher größere Ressourcengewinne durch die Partnerschaftsgründung mit einer Mutter von Töchtern bzw. jungen Kindern erwarten. Andererseits verweisen Lundberg und Rose (2003) darauf, dass insbesondere für neue Partner Gewinne durch gemeinsame Interessen und Aktivitäten mit dem gleichgeschlechtlichen Kind (Jungen) entstehen und entsprechende Beziehungsoptionen attraktiver bewertet werden (ebd.: 348). Damit bestehen sowohl in die eine als auch in die andere Richtung plausible Annahmen bezüglich des Geschlechts und des Alters des Kindes (siehe oben). In welche Richtung auch immer das Geschlecht des Kindes die Attraktivität der Alleinerziehenden auf dem Partnermarkt beeinflusst: Die Geschlechtspräferenz in der deutschen Gesellschaft ist als eher marginal einzustufen, sodass sich ihre Bedeutung möglicherweise erst im Laufe der Interaktion mit Mutter und Kind herausstellt und erst bei der Entscheidung zu verbindlicheren Partnerschaftsformen in die Bewertung der Tauschbeziehung aufgenommen wird. Damit sollten Einflüsse des Geschlechts der Kinder auf die Attraktivität der Alleinerziehenden vor allem für die Transformation der Partnerschaft in einen partnerschaftlichen Haushalt eine Rolle spielen und weniger für die Gründung der Partnerschaft selbst. Anders sieht es hinsichtlich der Bedeutung des Vaterkontakts der Kinder für den Bedarf der Alleinerziehenden aus. Auch hier sind widersprüchliche Thesen plausibel, sie sollten sich jedoch bereits auf die Partnerschaftsgründung auswirken. Ein engerer Kontakt kann bedeuten, dass die Alleinerziehende (mit beispielsweise älteren Kindern oder Söhnen) einen geringeren Bedarf an einem unterstützenden Partner hat. Besteht kein (ausreichender) Kontakt zum leiblichen Vater, haben Mütter eventuell ein größeres Bedürfnis eine Partnerschaft einzugehen. Dies mag für Mütter von Söhnen umso mehr gelten, da sie ein männliches Rollenmodell dann für wichtiger erachten (Lundberg und Rose 2003: 336). Außerdem existieren Belege, dass alleinerziehende Mütter zu Töchtern mitunter eine enge Bindung aufbauen, die zur Reduzierung des Bedarfs an einer Partnerschaft führen könnte (BMFSFJ 2011: 63). Die beschriebenen Einflüsse des Geschlechts auf den Partnerschaftsbedarf sollten bereits für die Partnerschaftsgründung eine Rolle spielen.

Auch die Geschlechterkomposition der im Haushalt lebenden Kinder mag eine Rolle spielen. Eine Akkumulation des gleichen Geschlechts (bspw. zwei Töchter bzw. zwei Söhne) könnte die oben beschriebenen Effekte verstärken. Darüber hinaus zeigt sich für moderne Gesellschaften, dass Eltern mit mehreren Kindern präferieren, beide Geschlechter unter den Nachkommen vertreten zu haben (Hank/Kohler 2000, Andersson/Hank/Rønsen/Vikat 2006, RillePfeiffer/Kaindl/ Klepp/Fröhlich 2009). Da Alleinerziehende zweier Kinder mit eher geringer Wahrscheinlichkeit noch ein drittes bekommen (siehe oben), dürften potenzielle neue Partner solche Alleinerziehende mit zwei Kindern bevorzu- gen, die bereits einen Sohn und eine Tochter haben, statt zwei Kinder des gleichen Geschlechts.

 
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