Die Anzahl bisheriger Partnerschaften der Alleinerziehenden und ihre Partnerschaftsentwicklung

Erfahrung mit mehreren Partnern gesammelt zu haben, kann sowohl auf eine hohe Attraktivität für oder ein hohes Interesse an der Gründung von Partnerschaften hindeuten als auch auf eine niedrige Attraktivität für oder ein geringes Interesse an der Aufrechterhaltung von Partnerschaften. Alleinerziehende mit mehr Partnerschaftserfahrung sollten daher eher erneut Partnerschaften eingehen, gleichzeitig aber auch häufiger Trennungen dieser Partnerschaften erleben bzw. seltener mit diesen Folgepartnern zusammenziehen. Insgesamt werden sie damit nicht mehr oder minder lange im Status des Alleinerziehens verweilen als Frauen mit wenig Partnerschaftserfahrung.

Die physische Attraktivität der Alleinerziehenden und ihre Partnerschaftsentwicklung

Bereits zu Beginn einer Partnerschaft profitieren Partner von positiven physischen Eigenschaften wie einem attraktiven Aussehen des Partners. Damit sollte insbesondere die Zeit bis zur Partnerschaftsgründung für physisch attraktive Alleinerziehende verkürzt sein. Das ihnen zur Verfügung stehende größere Partnerangebot sollte zudem häufiger zu erfolgreichen Partnerschaften mit anschließender Haushaltsgründung führen.

Physische Attraktivität gehört vermutlich eher zu den bewussten Attraktivitätsmerkmalen, sodass andererseits ausgedehnte Suchzeiten zu erwarten sind. Demnach ist, aufgrund einer Kompensation von Anreizen zur Durchsetzung hoher Partneransprüche und hohem Partnerangebot, mit eher schwachen Effekten der physischen Attraktivität auf die Partnerschaftsentwicklung zu rechnen.

Alleinerziehen in der Stadt oder auf dem Land und Partnerschaftsentwicklung

In Großstädten sind alternative Lebensformen und damit auch Einund Stiefelternhaushalte weiter verbreitet, was dazu führen kann, dass das Vorhandensein von Kindern in Großstädten zu geringeren Attraktivitätsnachteilen führt als in kleineren Orten und auch Umstrukturierungsprozesse geringer gewichtet werden. Diesen beschleunigenden Faktoren in Städten stehen traditionellere Einstellungen auf dem Land entgegen, welche einen größeren normativen Bedarf an einer Familienrekonstruktion in ländlichen Regionen bedeuten können (BMFSFJ 2011: 8). Auch die hiermit in Verbindung stehende größere Verbreitung und Akzeptanz alleinerziehender Elternschaft in Großstädten (ebd.) sowie das dort vorherrschende bessere Angebot an Kinderbetreuung kann zu geringerem Bedarf an partnerschaftlichen Verbindungen Alleinerziehender in Großstädten führen. Die Aspekte Bedarf und Attraktivität geben damit keine eindeutigen Hinweise auf die Einflussrichtung eines Stadt-Land-Indikators.

Die Gelegenheiten zum Kennenlernen von Partnern, aufgrund der größeren Anzahl von Männern und einem besseren kulturellen Angebot, sind in Großstädten jedoch günstiger. Insgesamt wird daher angenommen, dass Alleinerziehende in Großstädten eher Partnerschaften gründen. Die günstigere Partnerlage in Großstädten sollte auch zum häufigeren Finden gut passender Partner führen, sodass auch der Partnerschaftserfolg in Großstädten positiver ausfallen sollte. Dies und die höheren Mieten in Ballungsgebieten als in ländlichen Regionen sollten die Haushaltsgründung nach der Partnerschaftsgründung in Großstädten positiv beeinflussen. Alleinerziehende Mutterschaft wäre in Großstädten damit insgesamt von kürzerer Dauer als in einwohnerschwächeren Regionen.

 
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