Zusammenfassung des deskriptiven Forschungsstands

Die Dauer bis zur Haushaltsgründung schwankt in den referierten Studien stark. Während in einigen Arbeiten bereits nach fünf Jahren mehr als die Hälfte der Befragten mit einem Partner zusammengezogen ist, liegt der Anteil in anderen Arbeiten zu diesem Zeitpunkt deutlich darunter. Es zeigte sich ferner, dass zum einen der Elternschaftsstatus einen starken negativen Effekt auf die Haushaltsgründung ehemals mit einem Partner ehelich oder nichtehelich Kohabitierender hat. Zusätzlich ist auch der Entstehungskontext der untersuchten Episode relevant: So sind Geschiedene länger alleinlebend als aus einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft Getrennte und seit Kindgeburt Alleinerziehende sind kürzer alleinerziehend als seit einer Haushaltsauflösung Alleinerziehende. Der Grund für Letzteres ist vermutlich die häufig bereits zum Geburtszeitpunkt bestehende LAT-Partnerschaft zum Kindsvater. Auch zeigte sich, dass die Dauer des Alleinlebens deutlich mit dem Alter der Befragten variiert. Quantitative Ergebnisse, die sich auf die Dauer bis zur nächstfolgenden Partnerschaftsgründung (unabhängig von gemeinsamer oder getrennter Haushaltsführung) nach einer Beziehungsoder Kohabitationstrennung konzentrieren, sind weder für aus Kohabitationen getrennte Kinderlose, noch für Alleinerziehende auf nationaler oder internationaler Ebene verfügbar.

Multivariate Studienergebnisse zur partnerschaftlichen Haushaltsgründung

Alleinerziehender Was determiniert nun einen längeren oder kürzeren Verbleib im Status des Alleinerziehens? Viele Studien beziehen ökonomische Merkmale in multivariate Analyse zum Übergang alleinerziehender Eltern in einen neuen partnerschaftlichen Haushalt ein. Die Ergebnisse bei Fux (2011) legen nahe, dass ökonomisch schlecht gestellte Alleinerziehende langsamer aus der ersten Episode alleinerziehender Elternschaft in andere Lebensformen wechseln. Der Bildungsstand wirkt entsprechend positiv, jedoch nicht signifikant. Ostdeutsche beenden das Alleinerziehen schneller als Westdeutsche (ebd.: 92). Ott et al. (2011: 25f.) finden weder Ost-West-Unterschiede noch Unterschiede nach Bildungsniveau beim Übergang in einen partnerschaftlichen Haushalt Alleinerziehender. Sie zeigen jedoch, dass Vollzeit erwerbstätige Alleinerziehende eine höhere Übergangsrate in einen partnerschaftlichen Haushalt aufweisen. Die Autoren begründen dies mit den besseren Gelegenheiten zum Treffen von Partnern (wobei Teilzeittätigkeit keinen vergleichbaren Effekt aufweist). Allerdings zeigen die Autoren auch, dass ein höheres Haushaltseinkommen mit einer geringeren Haushaltsgründungsrate einhergeht. An dieser Stelle argumentieren Ott et al. (2011), dass eventuell höhere Ansprüche an den Partner zum Tragen kommen (ebd.: 26). Dies entspricht der Argumentationslinie, nach der ein geringerer ökonomischer Bedarf geringere Suchkosten impliziert, was zu einer längeren und gleichzeitig sorgfältigeren Partnersuche führt. Dass die Effekte lediglich für den Übergang in einen Haushalt mit einem neuen Partner zu finden sind und nicht mit dem vergangenen (ebd.: 27), untermauert diese Interpretation. Die Studie findet darüber hinaus Hinweise, dass der Bezug von Grundsicherungsleistungen einen negativen Einfluss auf die Übergangsrate hat. Dies entspricht zunächst der oben vorgestellten Transferhypothese. Da der Effekt jedoch verschwindet, wenn das Merkmal mit dem Vorhandensein eines LAT-Partners interagiert wird, deuten die Autoren den Einfluss eher als Hinweis darauf, dass Grundsicherungsbezieherinnen schlechter Partner finden und nicht darauf, dass sie intendieren ihre Ansprüche auf soziale Transferzahlungen durch die Vermeidung eines Zusammenziehens aufrecht zu erhalten (ebd.: 28f.). Internationale Forschung liefert dazu teils widersprüchliche Ergebnisse. So zeigen alleinerziehende Mütter sowohl in Russland (Zabel 2012) als auch in Kanada (Le Bourdais/Desrosiers/Laplante 1995), eine erhöhte Übergangsrate in einen partnerschaftlichen Haushalt, wenn sie erwerbslos sind, in Großbritannien dagegen eine geringere Übergangsrate in eine Ehe (Ermisch/Wright 1991: 143). Für die USA zeigen Graefe und Lichter (1999), dass der Bezug staatlicher Transferzahlungen sowie auch ein höheres Erwerbseinkommen die Haushaltsgründung negativ beeinflussen. Zwei Studien untersuchen diesen Zusammenhang für Kanada (Lefebvre/ Merrigan 1998, Harknett/Gennetian 2003). Es zeigt sich, dass staatliche finanzielle Zuschüsse für Alleinerziehende den Übergang in eine Kohabitation einschränken, während Zuschüsse für Paarhaushalte mit Kindern den Übergang unterstützen. Der Zusammenhang zeigt sich insbesondere für seit der Kindgeburt Alleinerziehende als signifikant (Lefebvre/Merrigan 1998). Damit finden Bedarfsund Transferthese im nordamerikanischen Raum Unterstützung. Gleichwohl unterliegen diese kontextuellen Schwankungen (Harknett/Gennetian 2003). Ferner zeigt sich bei Zabel (2012) und auch bei Le Bourdais et al. (1995), dass Bildung einen schwachen, jedoch tendenziell positiven Einfluss auf das Zusammenzugsrisiko hat – Graefe und Lichter (1999) finden diesen positiven Bildungseffekt nur für Alleinerziehende, die direkt in eine Ehe wechseln. Der Übergang in die nichteheliche Kohabitation hingegen ist dort ebenso wie bei Lefebvre und Merrigan (1998) negativ mit dem Bildungsstand assoziiert. Für Schweden findet Turunen (2011) darüber hinaus weder einen Effekt des Bildungsnoch des Erwerbsstatus auf die Übergangsrate Alleinerziehender in einen partnerschaftlichen Haushalt. Studien, die explizite Ergebnisse für bei Geburt alleinlebende Frauen zeigen, verweisen ebenfalls auf stark differierende Einflüsse ökonomischer Determinanten (Kalmijn/Monden 2010, Carlson/McLanahan/ England 2004, Osborne 2005, Bzostek 2009, Lefebvre/Merrigan 1998). Aufgrund der verschiedenen Analysestrategien und dem entsprechend stark ungleichen Ausmaß an Heterogenität der Untersuchungspopulationen (siehe oben) ist es möglich, dass die Wirkung ökonomischer Faktoren auf die Dauer bis zur Haushaltsgründung davon abhängt, ob eine LAT-Beziehung zum Zeitpunkt der Kindgeburt besteht oder nicht.

Ältere Alleinerziehende, Alleinerziehende mit mehreren Kindern, oder Kindern im Vorschulalter weisen international eine längere Dauer bis zur Haushaltsbzw. Ehegründung auf (Ermisch/Wright 1991; Zabel 2008; Turunen 2011: 165, Lefebvre/Merrigan 1998). Alleinerziehende mit Kindern im Kindergartenalter zeigen im Vergleich dazu eine höhere Übergangsrate in einen partnerschaftlichen Haushalt (Turunen 2011; Le Bourdais et al. 1995: 416). Für noch jüngere Kinder und Säuglinge ist der Effekt ebenfalls deutlich größer als für Kinder im (Vor-) Schulalter (ebd.). Allerdings kann ein positiver Alterseffekt sehr junger Kinder in diesen Studien der Tatsache geschuldet sein, dass Episoden ab einer Kindgeburt in einer LAT-Partnerschaft nicht sicher ausgeschlossen werden können. Für Deutschland bestätigen sich lediglich die Effekte des Alters der Mutter und der Anzahl der Kinder (Fux 2011: 92; Ott et al. 2011: 27), nicht aber des Alters der Kinder (Ott et al. 2011: 27).

Wenige Studien untersuchen, ob das Geschlecht der Kinder einen Einfluss auf das Partnerschaftsverhalten der Alleinerziehenden hat. Lundberg und Rose (2003) konzentrieren sich explizit auf die Bedeutung des Geschlechts des Kindes für die Heiratswahrscheinlichkeit lediger Mütter. Während sie einen positi- ven Einfluss von Söhnen auf die Heirat mit dem Vater des Kindes finden, zeigt sich nur ein schwacher bzw. insignifikanter Effekt von Söhnen für Frauen, die einen anderen Mann heiraten; sowohl für ledige als auch für geschiedene Frauen (ebd.: 345). Turunen (2011) zeigt einen deutlichen, wenn auch nur schwach signifikant negativen Effekt auf eine Stieffamiliengründung für alleinerziehende Mütter eines Sohnes, statt einer Tochter (ebd.: 165). Es liegen jeweils nur Ergebnisse zum Geschlecht eines einzelnen Kindes vor, keine zur Geschlechterkomposition mehrerer im Haushalt lebender Kinder.

In einigen Arbeiten wird der Entstehungszusammenhang der Alleinerziehenden-Episode einbezogen. Der Großteil der Studien zeigt auch multivariat, dass Frauen, welche ab der Geburt ihres Kindes alleinerziehend sind, das Alleinerziehen schneller beenden als Frauen, die sich nach der Geburt des Kindes vom Lebenspartner trennen (bspw. Le Bourdais et al. 1995: 414).[1] Wie beschrieben zeigen jedoch Studien, welche die Dauer aller Phasen in alleinerziehender Elternschaft einer Person addieren, dass ab Kindgeburt Alleinerziehende insgesamt mehr Zeit im Lebenslauf alleinerziehend sind als ab einer nachgeburtlichen Trennung Alleinerziehende (Heuveline et al. 2003: 58). Nennenswert ist hier auch die Feststellung der Autoren, dass bei Geburt allein lebende Frauen besonders in solchen Ländern insgesamt viel Lebenszeit alleinerziehend verbringen, in denen viele dieser Geburten zu verzeichnen sind. Der Befund wird damit begründet, dass in diesen Ländern ein geringerer normativer Druck zum Aufziehen von Kindern in Zwei-Eltern-Familien herrsche.

Unterschiede zwischen Müttern, die sich vom Ehepartner trennen und solchen, die sich von einem nichtehelichen Haushaltspartner trennen, werden aus den Studien nicht deutlich. Ferner zeigt keine der Studien wie lange die Dauer zwischen der Trennung einer LAT-Beziehung zum Kindsvater bis zur partnerschaftlichen Haushaltsgründung beträgt. Die referierten Arbeiten untersuchen durchweg Einflüsse auf den Zusammenzug mit einem Partner, also auf die Beendigung des Alleinerziehens (bspw. Ott et al. 2011) oder unterscheiden nicht zwischen den Übergängen in eine Partnerschaft oder eine Haushaltsgemeinschaft (bspw. Fux 2011[2]). Ob die Gründung der nächstfolgenden LATPartnerschaft durch andere Determinanten bestimmt ist, wird nicht explizit analysiert. Ott et al. (2011) kontrollieren in separaten Modellen zum Übergang alleinerziehender Mütter in einen partnerschaftlichen Haushalt auch das Vorhandensein eines LAT-Partners und können zumindest zeigen, welche Effekte primär den Übergang in den Haushalt bestimmen und welche eher mit dem Vorhandensein eines Partners assoziiert sind (ebd.: 26). Die Merkmalseinflüsse verändern sich durch die Kontrolle des Partnerschaftsstatus kaum. Lediglich die Anzahl der Kinder scheint an Einfluss zu verlieren, wenn der Partnerschaftsstatus der Alleinerziehenden kontrolliert wird. Zudem verschwindet der negative Effekt des Grundsicherungsbezugs weitgehend, wenn er mit dem Partnerschafsstatus der Alleinerziehenden interagiert wird (siehe oben). Grundsätzlich weisen Frauen in LAT-Partnerschaften die zu erwartende, stark erhöhte Übergangsrate in einen partnerschaftlichen Haushalt auf.

  • [1] Bei Turunen (2011: 165) weist der Effekt tendenziell in die gegenläufige Richtung, allerdings schließt er Kinder, deren Eltern bei ihrer Geburt nicht kohabitieren und noch im ersten Lebensjahr mit einem Partner zusammenziehen von den Analysen aus, was den Effekt künstlich negativ beeinflussen könnte.
  • [2] Darüber hinaus ist unklar, ob in dieser Studie tatsächlich auch nicht erfolgreiche LATEpisoden einbezogen werden konnten (siehe Fußnote Seite 100).
 
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