Beschreibung der Entwicklung der nächstfolgenden Partnerschaft der Alleinerziehenden (Prozess B)

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Die Gründung der nächstfolgenden Partnerschaft (Prozess B.1)

Auf Basis von Kaplan-Meier Failure Funktionen, beschreibt Abbildung 14 die Zeit seit dem Beginn des Alleinerziehens bis zur Gründung einer Partnerschaft. Bis zum Ende des Beobachtungszeitraumes gründen neun von zehn Alleinerziehenden eine Partnerschaft.[1] Die Mehrheit dieser Partnerschaften wird bereits in den ersten vier Jahren des partnerlosen Alleinerziehens eingegangen, danach ist die Wahrscheinlichkeit einer Partnerschaftsgründung sehr viel geringer. Bemerkenswert ist die hohe Gründungswahrscheinlichkeit innerhalb des ersten Jahres des Alleinerziehens: So haben zwölf Monate nach Beginn der alleinerziehenden Mutterschaft bereits 36 Prozent der Frauen wieder ein partnerschaftliches Verhältnis aufgenommen. Bei etwa der Hälfte dieser Beziehungen handelt es sich nach der hier gewählten Definition um „direkte“ Neuverpartnerungen, also Partnerschaftsgründungen im ersten Vierteljahr nach Beginn des Alleinerziehens (15 Prozent der Partnerschaftsgründungen insgesamt).

Eine separate Analyse der Übergangswahrscheinlichkeiten in eine Partnerschaft im Zeitverlauf nach Wohnregion zeigt einen geradezu identischen Verlauf in Ostund Westdeutschland (siehe Abbildung 15).

Quelle: pairfam (Wellen 1-3, 2008-2011) und DemoDiff (Wellen 1 und 2/3, 2009-2011), eigene Berechnungen.

Abbildung 14: Kaplan-Meier Failure Funktion der Partnerschaftsgründung erstmals alleinerziehender Frauen (Prozess B.1), gewichtet

Quelle: pairfam (Wellen 1-3, 2008-2011) und DemoDiff (Wellen 1 und 2/3, 2009-2011), eigene Berechnungen.

Abbildung 15: Kaplan-Meier Failure Funktion der Partnerschaftsgründung erstmals alleinerziehender Frauen (Prozess B.1), nach Wohnregion (Ost/West), gewichtet

Vergleicht man das Partnerschaftsgründungsverhalten je Entstehungskontext des Alleinerziehens wird deutlich, dass Frauen, die sich nach der Geburt des Kindes von einem LAT-Partner trennen, zwischen dem zweiten und vierten Jahr des Alleinerziehens häufiger eine Partnerschaft eingehen als Frauen aller anderen Entstehungskontexte (siehe Abbildung 16).

Quelle: pairfam (Wellen 1-3, 2008-2011) und DemoDiff (Wellen 1 und 2/3, 2009-2011), eigene Berechnungen.

Abbildung 16: Kaplan-Meier Failure Funktion der Partnerschaftsgründung erstmals alleinerziehender Frauen (Prozess B.1), nach Entstehungszusammenhang, gewichtet

Im Vergleich zu Müttern, die seit einer partnerlosen Geburt alleinerziehend sind, sind die Unterschiede am größten und bereits vom Beginn des Alleinerziehens an sichtbar[2]. So hat gut die Hälfte (54 Prozent) der bei Geburt des Kindes partnerlosen Frauen drei Jahre nach Beginn ihrer alleinerziehenden Mutterschaft eine Partnerschaft gegründet, während dies auf drei Viertel (75 Prozent) der Frauen zutrifft, die sich vom LAT-Partner getrennt haben. Für diese ersten Jahre zeigt sich auch nach Ausschluss der Frauen ohne vorgeburtliche Partnerschaftserfahrung eine relativ niedrige Partnerschaftsgründungswahrscheinlichkeit für die seit Geburt alleinerziehenden Mütter.101 Frauen, die seit dem Auszug eines Partners alleinerziehend sind, ordnen sich in ihrem Partnerschaftsgründungsverhalten zwischen den bei Geburt Nichtkohabitierenden ein und unterscheiden sich kaum voneinander.

Die weitere Entwicklung der nächstfolgenden Partnerschaft (Prozess B.2)

Im Folgenden wird beschrieben, welche der gegründeten Partnerschaften wann zu Haushaltsgemeinschaften transformiert werden. Da Partnerschaften, für welche dieser Übergang nicht beobachtet werden kann, entweder als LATPartnerschaften fortbestehen oder aufgelöst werden, eignen sich erneut kumulative Inzidenzfunktionen zur simultanen Beschreibung der Ereignisse. Abbildung 17 stellt die Haushaltsgründungsund Trennungswahrscheinlichkeiten der Partnerschaften im Zeitverlauf dar. Der Prozess beginnt demnach mit dem Eingehen einer Partnerschaft. Es zeigt sich, dass die Lebensform „LAT mit Kindern“ von geringer Stabilität ist. So erfahren fast alle Partnerschaften bis zum Ende des Beobachtungszeitraumes entweder einen Zusammenzug oder – noch zuvor – die Trennung. Insbesondere in den ersten zwei Beziehungsjahren werden die Partnerschaften in Haushaltsgemeinschaften transformiert, während im Anschluss daran Partnerschaftstrennungen überwiegen. Demnach haben die Beziehungen nach drei Jahren kaum noch eine Aussicht darauf eine Haushaltszusammenlegung zu erfahren, während die Trennungswahrscheinlichkeit weiterhin steigt. Nach 13 Jahren haben 58 Prozent dieser Partnerschaften einen gemeinsamen Haushalt gegründet, während sich 40 Prozent getrennt haben ohne vorher zusammengezogen zu sein.

Quelle: pairfam (Wellen 1-3, 2008-2011) und DemoDiff (Wellen 1 und 2/3, 2009-2011), eigene Berechnungen.

Abbildung 17: Kumulative Inzidenzfunktionen der Entwicklung der nächstfolgenden Partnerschaft der Alleinerziehenden: Haushaltsgründung versus Trennung (Prozess B.2), gewichtet

Der Ost-West-Vergleich (siehe Abbildung 18) zeigt, dass ostdeutsche Alleinerziehende gegründete Partnerschaften etwas häufiger in Haushaltsgemeinschaften transformieren und gleichzeitig seltener noch vor diesem Übergang auflösen als westdeutsche. So haben sich nach einem Beziehungsjahr etwa doppelt so viele Paare in Westdeutschland noch vor der Entscheidung zum Zusammenzug getrennt wie in Ostdeutschland (14 Prozent versus acht Prozent). Die Anteile an Haushaltsgründungen liegen bis dahin in beiden Landesanteilen mit jeweils ca. 46 Prozent auf gleichem Niveau. Bis zum Ende des fünften Beziehungsjahres ziehen im Osten jedoch knapp 70 Prozent der Paare zusammen, während es im Westen nur 60 Prozent sind.

Quelle: pairfam (Wellen 1-3, 2008-2011) und DemoDiff (Wellen 1 und 2/3, 2009-2011), eigene Berechnungen.

Abbildung 18: Kumulative Inzidenzfunktionen der Entwicklung der nächstfolgenden Partnerschaft der Alleinerziehenden: Haushaltsgründung versus Trennung (Prozess B.2), nach Region (Ost/West), gewichtet

Vor allem Partnerschaften, die nach einer partnerlosen Geburt gegründet werden, erfahren verhältnismäßig schnell und häufig die Transformation in eine Haushaltsgemeinschaft (siehe Abbildung 19). Hier ist bereits nach einem Jahr die Hälfte der Paare zusammengezogen, während dieser Anteil in den anderen Gruppen nur 30 bis 40 Prozent beträgt. Vermutlich sind die Partner der Frauen, die seit Geburt alleinerziehend sind, häufiger die Väter der Kinder, was einen Teil der höheren Wahrscheinlichkeiten erklären könnte. Möglicherweise ist diese Gruppe Alleinerziehender jedoch auch selektiv hinsichtlich ihres ökonomischen Bedarfs an einem Partner. So haben bei Geburt partnerlose Frauen häufig ein niedrigeres Bildungsniveau und zu diesem Zeitpunkt kohabitierende Frauen (Bastin 2012). Auch das junge Alter der Kinder kann zum einen die ökonomische zum anderen die alltagspraktische Notwendigkeit erhöhen die Haushalte schnell zusammenzulegen. Für Frauen, die nach der Trennung von einem LAT-Partner erneut eine Partnerschaft eingehen, zeigt sich eine erhöhte Dauer des Lebens in separaten Haushalten. So haben drei Jahre nach Beginn der Beziehung 30 Prozent dieser Paare weder eine Haushaltsgründung noch eine Trennung erfahren. In den anderen Entstehungsgruppen liegen die Anteile zu diesem Zeitpunkt bei weniger als 20 Prozent. Hier zeichnet sich eventuell eine besondere Neigung zum partnerschaftlichen Leben in separaten Haushalten ab. Vielleicht handelt es sich jedoch auch lediglich um Frauen, die eine Interaktion mit einem (potenziellen) Partner bereits in sehr frühen Stadien als „Beziehung“ definiert und somit um eine methodische Verzerrung.

Partnerschaften von Frauen, die zuvor mit dem Kindsvater kohabitierten, werden insgesamt häufiger getrennt, wenn die Vorbeziehung nichtehelich war und schneller in Haushaltsgemeinschaften transformiert, wenn es sich um ein eheliches Zusammenleben handelte. Dies spricht dagegen die These, dass ehemals verheiratete Alleinerziehende aufgrund eines engeren Kontakts zum Vater der Kinder und einer besseres Unterhaltsversorgung geringeren Bedarf an Partnern haben sollte. Möglicherweise spiegelt sich hier eine Neigung zur traditionellen partnerschaftlichen Lebensweise ehemals verheirateter alleinerziehender Frauen wider.

Quelle: pairfam (Wellen 1-3, 2008-2011) und DemoDiff (Wellen 1 und 2/3, 2009-2011), eigene Berechnungen.

Abbildung 19: Kumulative Inzidenzfunktionen der Entwicklung der nächstfolgenden Partnerschaft der Alleinerziehenden: Haushaltsgründung versus Trennung (Prozess B.2), nach Entstehungszusammenhang, gewichtet

  • [1] Vier der gegründeten Partnerschaften sind gleichgeschlechtlich. Da dies einem Anteil von 0,01 Prozent an allen gegründeten Partnerschaften entspricht, betrachten die folgenden Beschreibungen den Partner der Einfachheit halber als männlich.
  • [2] Zur Bestimmung von Gruppenunterschieden wurde ein gewichtetes Cox-Modell berechnet (Blossfeld et al. 2007: 223), in das ausschließlich der Entstehungszusammenhang des Alleinerziehens eingeht. Die Koeffizienten zeigen, dass Unterschiede in den Partnerschaftsgründungsraten zwischen den seit Geburt Alleinerziehenden und den seit einer LAT-Trennung Alleinerziehenden auf dem 99 Prozentniveau signifikant sind. Unterschiede zwischen seit einer LAT-Trennung und einer NEL-Trennung Alleinerziehenden sind auf dem 90 Prozentniveau signifikant und Unterschiede zwischen seit einer NEL-Trennung und seit einer partnerlosen Geburt Alleinerziehenden auf dem 85 Prozentniveau.
 
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