Zusammenfassung und Vergleich der deskriptiven Analysen der Prozesse A und B

In diesem Abschnitt wurde anhand deskriptiver ereignisanalytischer Verfahren die Dauer der ersten Episode in alleinerziehender Mutterschaft beschrieben. Dabei wurde zum einen die Beendigung des Alleinerziehens durch eine partnerschaftliche Haushaltsgründung (Prozess A) betrachtet zum anderen wurde der Prozess in die einzelnen Übergänge der Partnerschafts(Prozess B.1) und Haushaltsgründung (Prozess B.2) zerlegt und separat untersucht. Anhand der Merkmale Wohnregion und Entstehungszusammenhang wurden bivariat erste Einflussfaktoren beschrieben.

Die Untersuchung des Übergangs der Alleinerziehenden in einen partnerschaftlichen Haushalt (Prozess A) verweist darauf, dass die Hälfte der Alleinerziehenden nach fünf Jahren mit einem Partner zusammenzieht, bis zum Ende des Beobachtungszeitraumes steigt die Wahrscheinlichkeit auf 75 Prozent an. Fünf Prozent der Haushaltsgründungen werden mit den Vätern der Kinder vorgenommen, wobei es sich hierbei zum größten Teil um Beziehungen handelt, die nach einer partnerlosen Geburt entstehen und kaum um Wiederverpartnerungen mit Männern, mit denen bereits ein Zwei-Eltern-Haushalt geführt wurde. Während ein Viertel der Frauen über den gesamten Zeitraum hinweg alleinerziehend bleibt und nicht mit einem Partner zusammenzieht, bleiben nur zehn Prozent gänzlich partnerlos (Prozess B.1). Noch deutlicher wird der Unterschied zwischen partnerloser und verpartnerter alleinerziehender Mutterschaft bei der Betrachtung im Zeitverlauf: So leben zwei Jahre nach Beginn des Alleinerziehens zwar noch drei Viertel der Mütter allein mit den Kindern im Haushalt, bereits die Hälfte ist jedoch wieder eine Partnerschaft eingegangen.

Die von den Alleinerziehenden gegründeten Partnerschaften werden deutlich häufiger in gemeinsame Haushalte transformiert als noch zuvor wieder aufgelöst (Prozess B.2). Innerhalb des ersten halben Beziehungsjahres ziehen 30 Prozent, innerhalb der ersten drei Jahre 60 Prozent dieser Paare zusammen. Bis zum Ende des Beobachtungszeitraumes steigt die Trennungswahrscheinlichkeit auf 40 Prozent an, sodass nur sehr wenige ein stabiles „Living apart together“ erleben: Bereits fünf Jahre nach Beziehungsbeginn befinden sich nur noch zehn Prozent der Paare in dieser Lebensform.

Partnerschaften werden also zu großen Teilen eher in den ersten Monaten und Jahren nach Beginn des Alleinerziehens eingegangen (Prozess B.1) und auch eher bald nach ihrer Gründung Haushaltsgemeinschaften transformiert (Prozess B.2). Dass dennoch über den gesamten Beobachtungszeitraum hinweg nahezu konstant Haushaltsgründungen der Alleinerziehenden zu beobachten sind (Prozess A), lässt sich damit begründen, dass einige der Mütter weitere Beziehungstrennungen erleben und vermutlich mit dem Folge-Folgepartner zusammenziehen. Die Sequenzanalysen zeigten, dass durchaus ein gewisser Anteil an Frauen derartige multiple Partnerschaftsstatuswechsel erlebt (ein Viertel der 1971-73 Geborenen und ein Drittel der 1981-81 Geborenen bis zum Interviewzeitpunkt, siehe Abschnitt 4.2.3.2).

Die gruppenspezifischen Deskriptionen gaben erste Hinweise auf Determinanten der Partnerschaftsentwicklung Alleinerziehender. Ostdeutsche Frauen unterscheiden sich weder bei der Beendigung der alleinerziehenden Mutterschaft durch Haushaltsgründung (Prozess A), noch beim Eingehen einer Partnerschaft signifikant von westdeutschen. Nur geringe Unterschiede sind in den Verläufen eingegangener Partnerschaften (Prozess B.2) zu erkennen, nach denen ostdeutsche Paare etwas häufiger zusammenziehen und sich etwas seltener noch vorher trennen als westdeutsche. Der Entstehungszusammenhang des Alleinerziehens (partnerlose Geburt versus Trennung vom LAT-, NELversus Ehepartner) zeigt hier zudem keinen Zusammenhang mit der Dauer des Alleinerziehens bis zur partnerschaftlichen Haushaltsgründung (Prozess A). Allerdings zeigen die Analysen zur Partnerschaftsgründung (Prozess B.1), dass Frauen, die seit der Trennung vom LAT-Partner alleinerziehend sind die höchsten und Frauen die seit einer partnerlosen Geburt alleinerziehend sind, die niedrigsten Raten an Partnerschaftsgründungen aufweisen – auch nach Ausschluss von Frauen ohne jegliche Partnerschaftsangaben im gesamten Befragungszeitraum. Da die sich anschließende Partnerschaftsentwicklung eher entgegengesetzt verläuft, sind die Unterschiede insgesamt (Prozess A) kaum sichtbar. So gründen ehemalige LAT-Partnerinnen recht schnell wieder eine Partnerschaft (Prozess B.1), diese wird jedoch mit höherer Wahrscheinlichkeit (je Beziehungsmonat) noch vor einen Zusammenzug wieder aufgelöst bzw. mit geringerer in eine Haushaltsgemeinschaft transformiert (Prozess B.2). Bei Geburt bereits Partnerlose weisen hingegen eine längere Dauer bis zur Partnerschaftsgründung (Prozess B.1), jedoch eine erhöhte Haushaltsgründungsrate auf (Prozess B.2). Aus einer NEL oder Ehe mit dem Kindsvater getrennte Alleinerziehende ordnen sich in ihrem Partnerschaftsverhalten dazwischen ein.

Insgesamt deuten die deskriptiven Ergebnisse darauf hin, dass der Prozess der Beendigung des Alleinerziehens durch partnerschaftliche Haushaltsgründung eher auf Variation in der Partnerschaftsgründungswahrscheinlichkeit als auf Variation der darauf folgenden Haushaltsgründungswahrscheinlichkeit zurückzuführen ist. Allerdings zeigt sich, dass einige Merkmale mit entgegen gesetzt wirkenden Verläufen assoziiert sind, sodass Effekte der Partnerschaftsgründung teilweise kompensiert werden. Die gewonnenen Erkenntnisse werden im Folgenden multivariat geprüft und durch weitere ergänzt.

 
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