Beiträge und Grenzen der Studie

Im Folgenden werden die Hauptbeiträge und Grenzen der vorliegenden Studie erläutert. Ein besonderes Augenmerk wird auf die jeweiligen Implikationen für zukünftige Forschungsvorhaben gelegt.

Beiträge der Studie und Implikationen für zukünftige Forschungsvorhaben

Die vorgelegte Arbeit konnte vier Hauptbeiträge zur Erforschung der Partnerschaftsverläufe alleinerziehender Mütter in Deutschland leisten.

Die Untersuchung von LAT-Partnern alleinerziehender Frauen im Längsschnitt

In der Vergangenheit lagen kaum Daten vor, die LAT-Partnerschaften über den Lebenslauf hinweg identifizieren ließen. Die vorliegende Studie profitierte diesbezüglich von dem hohen Informationsgehalt des Beziehungsund Familienpanels.

Zunächst hatte die Identifizierbarkeit von LAT-Partnern sowie deren biologischer Beziehung zum Kind den Vorteil, dass eine bestimmte Gruppe von Müttern, die zwar alleine mit Kindern lebt, sich jedoch nie vom Kindsvater getrennt hat, von der Untersuchungsgruppe ausgeschlossen werden konnte. Aufgrund der ununterbrochenen Partnerschaft mit dem Kindsvater werden diese Frauen in der vorliegenden Studie nicht als alleinerziehend definiert. ExkursAnalysen (siehe Abschnitt 4.3.2.1) zeigten die deutlich erhöhte Haushaltsgründungsrate für diese Frauen auf und unterstrichen damit die Sinnhaftigkeit ihres Ausschlusses von der zentralen Untersuchungspopulation der vorliegenden Studie.

Ferner stellten sich Partnerschaftsverläufe (jemals) alleinerziehender Frauen als deutlich bewegter dar, wenn die Lebensform des LATs berücksichtigt wird. In Verbindung mit den Literaturhinweisen zur Bedeutung von LAT-Partnern für die Lebenssituation alleinerziehender Frauen und ihrer Kinder (siehe Abschnitt 1.1), ist dies als äußerst relevant zu erachten. Die ausschließliche Betrachtung der Haushaltsebene zur Beschreibung von Partnerschaftsdynamiken alleinerziehender Frauen ist entsprechend nicht hinreichend. Das Untersuchungsergebnis appelliert damit an zukünftige Forschungsvorhaben, die Einflüsse von Partnerschaftsstatus und Partnerschaftsverläufen alleinerziehender Frauen, auf die Lebenssituation dieser Familien unter Einschluss nicht im Haushalt lebender Partner zu untersuchen. Dabei sollten sowohl die ökonomische als auch die psychosoziale Lebenslage der Mütter als auch der Kinder betrachtet werden. Subjektives Wohlbefinden, Gesundheit, finanzielles Auskommen, Alltagsorganisation, schulischer bzw. beruflicher Erfolg, die Beziehung zu weiteren Mitgliedern des Familiensystems, wie beispielsweise den Vätern der Kinder oder den Großeltern, zählen dabei zu den zentralen Lebensbereichen, auf die sich Einflüsse – auch außerhalb des Haushalts lebender Partner – auswirken könnten und die es entsprechend zu untersuchen gilt. LAT-Dynamiken sollten auch dann einge- schlossen werden, wenn die Transmission partnerschaftlichen Verhaltens von Müttern auf ihre Kinder analysiert wird. Die reichhaltigen Paneldaten des Beziehungsund Familienpanels versprechen insbesondere in den kommenden Jahren eine gehaltvolle Quelle für etwaige Analysen zu sein. Damit wäre auch ein Beitrag zur soziologisch-demografischen Debatte zur Einordnung der Lebensform „Alleinlebend mit Kind in LAT-Partnerschaft“ als „Alleinerziehend“ oder „Stieffamilie“ geleistet (vgl. Feldhaus/ Huinink 2011).

Darüber hinaus förderte die vorliegende Studie, durch den Einbezug auch haushaltsübergreifender partnerschaftlicher Wechsel, ein dezidierteres Verständnis der Determinanten der Beendigung des Alleinerziehens durch eine partnerschaftliche Haushaltsgründung. So konnten zum einen inhaltliche Rückschlüsse auf dahinter stehende Mechanismen gestärkt werden (Näheres siehe Abschnitt 4.3.3.4). Zum anderen wurde so gezeigt, dass ein langer Verbleib im Alleinerziehendenhaushalt oftmals weniger auf eine verlängerte Phase der Partnerlosigkeit als auf ein ausgedehntes Leben in separaten Haushalten oder auf Partnerschaftsmisserfolg zurückzuführen ist. Das Alleinerziehen ist entsprechend häufig nicht mit Partnerlosigkeit gleichzusetzen. Beispielsweise zeigen Alleinerziehende in Ausbildung lange Phasen des Alleinerziehens, sind jedoch nur kurzfristig partnerlos. Studien zur Dauer alleinerziehender Elternschaft sollten bei der Ergebnisinterpretation demzufolge berücksichtigen, dass untersuchte Faktoren mitunter weniger das Finden von Partnern als vielmehr den Erfolg von Partnerschaften beeinflussen. Im Idealfall sollten übergangsspezifische Analysen durchgeführt werden.

Ein Großteil der jung Alleinerziehenden ist nur vergleichsweise kurz partnerlos. Dennoch zeigen die Ergebnisse dieser Studie, dass ein erheblicher Anteil dieser Mütter langfristig allein mit den Kindern den Haushalt teilt. Die Hälfte der Frauen bleibt mindestens fünf Jahre alleinerziehend und hat damit über eine große Zeitspanne besondere, soziale wie ökonomische, Bewältigungsaufgaben zu leisten. Die Analysen zeigen zudem, dass ökonomisch schlecht gestellte Alleinerziehende gleichermaßen langfristig in dieser Lebensform leben. Dies verweist umso mehr auf eine notwendige wirtschaftliche Eigenständigkeit von Müttern.

 
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