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2.2.1 Beziehungsinterne Bewältigungsstrategien

Zu der Frage, wie Frauen innerhalb der Beziehung Gewaltfreiheit erreichen, liefert die Studie von Bowker aus den 80er Jahren einige interessante Anhaltspunkte. Bowker befragte 136 Frauen aus Milwaukee nach ihren Strategien, die sie einsetzten, um innerhalb ihrer Partnerschaft Gewalt zu beenden. Die am erfolgreichsten eingestufte Strategie bestand den befragten Frauen zufolge in der Drohung, die Polizei zu rufen oder sich vom Mann zu trennen. Bedeutsam für den Erfolg dieser Strategie war die unverkennbare Entschlossenheit der Frauen, die Drohung wahrzumachen, sollten weitere Gewalthandlungen geschehen. Das Gespräch mit dem Partner wurde zumindest von einem Drittel der befragten Frauen als ebenso wirkungsvoll eingeschätzt. Insbesondere jene Frauen, welche diese Strategie frühzeitig einsetzten und nicht von schwerer Gewalt betroffen waren, konnten den Mann mit ihren Worten erreichen und ihn vom Unrecht der Gewalt überzeugen (vgl.: Bowker 1983: 65ff).

Eine weitere Strategie von Frauen, Gewalt innerhalb der Beziehung zu bewältigen, besteht in der Anpassung an die Vorstellungen des Mannes. Hierbei nehmen die Frauen sich und ihre Bedürfnisse zurück, vermeiden Auseinandersetzungen und versuchen ihr Verhalten den Forderungen des Mannes entsprechend zu ändern. In der Untersuchung von Bowker bezeichnete über die Hälfte der Frauen diese Strategie als erfolgreich, auch wenn sie mit persönlichen Einschränkungen verbunden war (vgl.: Bowker 1983: 69f). Brückner weist jedoch darauf hin, dass für diese Frauen der Hintergrund für die Wahl dieser Strategie häufig in der Übernahme der Schuld für die Gewalt besteht. Sie betrachtet diese Reaktion eher als gefährlich, da die Frau glaubt, sie könne die Gewalt durch Anpassung beeinflussen, und nicht realisiert, dass diese ein Aspekt der Persönlichkeit des Partners ist (vgl.: Brückner 1983: 66f).

Die Aufforderung, an einem Täterprogramm teilzunehmen oder eine Beratungsstelle aufzusuchen, gegebenenfalls mit der Drohung, sich bei Unterlassen zu trennen, dürfte sich inzwischen auch für einige Frauen als eine Strategie zur Bewältigung der Gewalt bewährt haben. Die wissenschaftliche Begleitung der Täterarbeit von WiBIG brachte zutage, dass die Mehrheit der Selbstmelder von der Partnerin zur Kontaktaufnahme motiviert wurde. Allerdings führte die Kontaktaufnahme nicht immer zur Teilnahme und wenn, dann eher selten zum Abschluss des Täterprogramms (vgl.: WiBIG Band III 2004: 82).

 
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