< Zurück   INHALT   Weiter >

4.2 Die Schutzpolizei – Darstellung der Untersuchungsergebnisse

Nach dieser theoretischen Einführung zur Organisation und Kultur der Institution Polizei in der Bundesrepublik werden nun im Folgenden die Untersuchungsergebnisse aus der qualitativen Befragung der Expert/innen der Schutzpolizei dargestellt. Insgesamt fließen hier Erkenntnisse aus Interviews mit sechs Polizeibeamt/innen, drei Männer und drei Frauen, aus unterschiedlichen Polizeirevieren im Rems-Murr-Kreis ein. Drei Interviewparner/innen obliegt die spezielle Aufgabe der Sonderzuständigkeit für häusliche Gewalt innerhalb ihres Polizeireviers. Ihre Interviewausschnitte sind mit dem Kürzel SZ gekennzeichnet.

Die Ergebnisse werden in vier Abschnitte gegliedert: Zunächst wird das Augenmerk auf die Einschätzung der Befragten zum Instrument des Platzverweis in Fällen häuslicher Gewalt im Allgemeinen sowie auf den Verfahrensweg innerhalb der Polizei Baden-Württembergs gelegt. In einem zweiten Abschnitt wird das polizeiliche Handeln aus Sicht der Befragten, vom Eintreffen des Notrufs bis hin zur Abgabe der Ermittlungsergebnisse an die Staatsanwaltschaft, beschrieben. Die Erfahrungen der Polizeibeamt/innen im Kontakt mit gewaltbetroffenen Frauen stehen im dritten Abschnitt im Mittelpunkt. Ihr Erleben des Kontaktes, ihre Vorstellungsbilder von Opfer und Täter in Fällen häuslicher Gewalt sowie ihre Einschätzung über das Wirken ihres Tuns werden erörtert. Den Abschluss dieses Kapitels bildet die Darstellung zentraler Handlungsorientierungen der Schutzpolizei im Sinne einer Extraktion der einzelnen Ergebnisse.

4.2.1 Das „Handwerkszeug“ (P SZ 6, Abs. 123) Platzverweis

Das polizeiliche Handeln in Fällen häuslicher Gewalt hat sich grundlegend geändert. Vor wenigen Jahren war die gängige polizeiliche Praxis in den sogenannten „Familienstreitigkeiten“ die der geringst möglichen Einmischung. Sie bestand hauptsächlich aus Streitschlichtungen oder in der Begleitung gewaltbetroffener Frauen und Kinder an einen sicheren Ort. Die Kritik an diesem Verfahren bestand darin, dass Gewalt im häuslichen Bereich nicht gleichermaßen wie ein kriminelles Unrecht im öffentlichen Raum behandelt wurde: Opfer wurden nicht angemessen geschützt und die strafrechtlichen Möglichkeiten wurden nur unzureichend ausgeschöpft (vgl.: Leuze-Mohr 2001: 198f). Heute besteht die Ausrichtung der Polizeiarbeit auf einer täterbezogenen Intervention. Täter/innen werden für ihr Gewalthandeln zur Verantwortung gezogen: Zum einen, indem sie bei bestehender Gefahrenlage durch einen Platzverweis der Wohnung verwiesen werden, zum Zweiten, indem sämtliche Polizeieinsätze in Fällen häuslicher Gewalt grundsätzlich der Staatsanwaltschaft vorgelegt werden.

 
< Zurück   INHALT   Weiter >