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4.2.1.4 Zusammenfassung

Zusammenfassend lässt sich festhalten: Der Platzverweis wird von den befragten Polizist/innen insgesamt als ein schwerer Eingriff in Persönlichkeitsrechte angesehen, weshalb es förderlich sei, dass der Polizeivollzugsdienst vor Ort darauf nicht das alleinige Gewaltmonopol besitzt. Es wurde begrüßt, die hohe Verantwortung für die Maßnahme nicht allein tragen zu müssen. Mehrere mögliche Fehlerquellen im Rahmen der Entscheidungssituation über die Verhängung der Maßnahme kamen zur Sprache: zum einen, der Gewaltvorwurf könnte sich nachträglich als falsch herausstellen, Gefahrensituationen könnten vor Ort im Chaos der Situation falsch oder nur vage eingeschätzt werden und Kolleg/innen könnten über das Ziel hinausschießen, wenn sie ein Zuviel an Macht hätten. Hier zeigen sich Anzeichen des Misstrauens gegenüber allen Seiten: dem (vermeintlichen) Opfer, der eigenen Wahrnehmung sowie dem eigenen Kollegium.

Eine erneute Überprüfung der Angemessenheit des Platzverweises außerhalb der Einsatzsituation wurde von den Polizeibeamt/innen durchweg als sinnvoll erachtet. Hinsichtlich der Frage, ob die Aufgabe der Befristung besser bei den Polizeirevieren oder bei der kommunalen Polizeibehörde zu verorten ist, lässt sich eine Tendenz zu den Ortspolizeibehörden verzeichnen. Stünden aber auf den Polizeirevieren ausreichend Personalressourcen zur Verfügung, wäre die Aufgabe der Befristung in der eigenen Organisation unkomplizierter zu treffen. Mit der Eingebundenheit der Ortspolizeibehörde bleibt eine gewisse Unsicherheit, ob diese auch in ihrem Sinne handeln würde.

Die Polizeibeamt/innen sprachen der Maßnahme Platzverweis grundsätzlich ein Wirkungspotential hinsichtlich langfristiger Gewaltbeendigung zu. Der minimale Wirkungsgehalt liegt ihres Erachtens in der situativen Unterbrechung von Gewalt. Darauf aufbauend kann er durch seine Härte und spürbaren Konsequenzen den Täter vor erneuter Gewaltanwendung zurückhalten. Im Idealfall kann er Veränderung anstoßen: Veränderung in der Wahrnehmung der Partnerschaft, der subjektiven Auslegung der Gewalt, der Reflektion des eigenen Verhaltens gegenüber dem Partner und dem Wagnis einer neuen Zukunft. Als sinnlos werden Platzverweise dann eingeschätzt, wenn sich die Beteiligten der Maßnahme wiederholt zuwider verhalten. Er wird auch dann als wirkungslos erachtet, wenn Abhängigkeiten, sei es von Suchtmitteln oder innerhalb der Beziehung, so stark wirken, dass die Beamt/innen keinerlei Änderungsvermögen wahrnehmen.

 
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