Skeptisch und reserviert – die polizeiliche Intervention der Zurückhaltung

Diesem Muster wurden die Erzählungen von fünf Frauen zugeordnet (F 9 F 13). Sie erlebten eine Polizei, welche ihnen mit Misstrauen begegnete und nur zurückhaltend intervenierte. Das Vorliegen häuslicher Gewalt und/oder einer Gefährdungssituation schien ihrer Darstellung entsprechend von der Polizei grundlegend angezweifelt zu werden. Den Polizeieinsatz erlebten diese Frauen insgesamt als unangenehm, die erlassenen Maßnahmen mehrheitlich als unzureichend.

Zwei der Frauen blickten auf eine langjährige Ehe zurück, hatten Schulkinder und pflegten eine eher klassische Rollenverteilung mit ihrem Partner. Die Partnerschaften der drei weiteren Frauen bestanden erst eine kürzere Zeit. Sie hatten keine gemeinsamen Kinder, zwei der Frauen hatten jedoch erwachsene Söhne aus einer vorangegangenen Ehe. In den Interviews dieser drei Frauen wird deutlich, dass Berufstätigkeit für sie als auch ihre Partner von hoher Bedeutsamkeit ist, wobei Brüche, Phasen der Arbeitslosigkeit und berufliche Schwierigkeiten diesen Lebensbereich prägten. In ihren Erzählungen präsentierten alle fünf Frauen – spätestens im Zweitinterview – die Partnerschaft als unzweifelhaft beendet.

Auffällig ist, dass in vier der fünf Erzählungen zur Vorgeschichte Beschreibungen der Probleme des Mannes sowie seines Fehlverhaltens gegenüber der Frau und der Familie insgesamt einen großen Raum einnehmen. Die Frauen bemängelten einen ihres Erachtens inakzeptablen Umgang des Mannes mit persönlichen oder beruflichen Konflikten, der einen übermäßigen bis extremen Alkoholkonsum nach sich zog. Weiterhin beklagten sie vereinzelt Affären des Mannes, fragwürdige Geschäfte, den Entzug des Führerscheines und den Konsum von harten Drogen. Als Folge beschrieben die Frauen, dass sich der Mann seiner Verantwortung, die er in ihren Augen als Partner und Vater hat, nicht mehr stellte: Haushalt, Kindererziehung, die Sorge um das finanzielle Auskommen verschob sich weitgehend bis gänzlich auf ihre Schultern. Die Frauen zeigten sich ärgerlich darüber, dass der Mann in ihren Augen scheinbar nichts unternahm, um das Leben wieder in geordnete Bahnen zu bringen. Dargestellt wurden auch die eigenen vorangegangenen Bemühungen, einen positiven Einfluss auf den Mann zu nehmen: sie drohten, sie stritten, sie warnten, sie baten, sie verziehen und trafen auf einen Mann, der sich nichts sagen ließ, vieles verwarf und Versprechungen nicht einhielt. Streit schien an der Tagesordnung gewesen zu sein. In diesen Ausführungen präsentierten sich die Interviewpartnerinnen als Frauen, welche eine Partnerschaft nicht leichtfertig hinschmeißen, denen ein Bleiben aber nicht mehr zumutbar erscheint. Häusliche Gewalt lag nicht manifest vor, allenfalls wurde von einem oder einigen wenigen zurückliegenden Gewalt ereignissen berichtet. Die Polizei wurde in einer Streitsituation gerufen, die sich von den anderen dergestalt unterschied, dass der meist alkoholisierte Mann „ausgerastet“ (F 12, Abs. 15) war, zu Gewalt griff und/oder die Frauen sich bedroht sahen und Angst entwickelten. Die Situation schien ihrer Kontrolle zu entgleiten. [1]

  • [1] Zum Erleben der Situation, die zum Platzverweis führte siehe Helfferich u. a. 2004: 55f.
 
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