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Folgeinterventionen

Zwei der fünf Frauen berichteten von diversen Folgekontakten mit der Polizei im Zusammenhang mit weiteren Übergriffen und Belästigungen in der Trennungssituation. Bei beiden gestaltete sich die Situation ähnlich: entschlossen zur Trennung sahen sie sich gezwungen, die gemeinsame Wohnung zu verlassen. Eine Frau erhielt Raum und Schutz in einem Frauenhaus, nachdem ihr Antrag auf Wohnungszuweisung abgelehnt wurde. Sie bat die Polizei um Begleitung, um geschützt ihre persönlichen Sachen aus der Wohnung holen zu können. Diese wurde ihr gewährt, fiel aber für sie nicht zufriedenstellend aus. Sie beanstandete, dass die Polizei ihr nicht beim Tragen half und zeitlich drängelte, was es ihr unmöglich machte, all jene Dinge, die ihr wichtig und von Wert erschienen, hinauszuschaffen. Außerdem bestand die Polizei darauf, dass sie manchen Wertgegenstand in der Wohnung belässt, weil sie die Besitzverhältnisse nicht nachweisen konnte. Sie stellte außerdem noch mehrere weitere Polizeikontakte her, weil der Mann sich nicht an das gerichtlich ausgestellte Näherungsverbot hielt und sie im Bereich ihrer Arbeitsstätten abpasste.

Die andere Frau konfrontierte ihren Partner erst kurz vor dem Auszug mit ihrer Trennungsabsicht. Hierauf kam es zu zwei Gewaltvorkommnissen mit attestierten Verletzungen, welche sie zur Anzeige brachte. Der Mann wiederum zeigte zweimal die Frau an, mit dem Vorwurf, sie hielte sich zu Unrecht in der Wohnung auf, bzw. hätte persönliche Wertsachen von ihm aus der Wohnung entwendet. Beide Male erfolgte eine polizeiliche Überprüfung, bei der kein schuldhaftes Verhalten der Frau festgestellt wurde. Dennoch hatte sie den Eindruck, sich gegenüber der Polizei rechtfertigen zu müssen:

„...als ich bei der Polizeidienststelle wieder war, hat der Polizist zu mir gesagt: Frau Bauer*, wieso sind Sie nicht schon früher gegangen? Dann hätten WIR die ganze Arbeit nicht, dann hätten Sie nicht diese ganzen Einsätze, die wir für Sie immer gemacht haben. Und dann hab ich ihm das dann auch gesagt: finden Sie mal bitte so schnell ne Wohnung. (...) Ich glaube auch, dass die Polizisten den Eindruck hatten, als würde ich ihm es versuchen reinzudrücken, was aber gar nicht der Fall war, sondern weil ich EIgentlich mir davon erhofft habe, dass der Marco* Hilfe bekommt.“ (F 12, Abs. 29)

Beide Frauen erlebten die Folgeinterventionen der Polizei wieder nicht oder als nur wenig hilfreich. Sie erlebten erneut das Gefühl, dass ihnen nicht geglaubt wird, und ihre Anliegen der Polizei eher lästig sind. Die Intervention beschränkte sich in ihren Augen abermals auf ein Minimum, durchgeführt mit einem gewissen Unmut.

 
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