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Abschließende Anmerkungen

Die Erzählungen lassen darauf schließen, dass die Polizei diesen Frauen zum einen aufgrund der geringen Schwere bzw. Uneindeutigkeit des Gewaltvorfalls sowie zum Zweiten wegen deren selbstbewusstem, fordernden Auftreten und ihrer zum Ausdruck gebrachten Wut auf den Mann eine umfassende Unterstützungswürdigkeit absprach. Diese Frauen gewannen den Eindruck, nicht als Opfer angesehen zu werden, sondern als Beschuldigte – Personen, die übertreiben oder gar eine Anschuldigung zu Unrecht erheben und auf den eigenen Vorteil aus sind. So jedenfalls wurde der wahrgenommene Widerwillen der Polizei, zum Teil auch die Abwertung von den Frauen interpretiert.

In den Interviews wiesen die Frauen jegliche Hintergedanken oder auch Missgunst ihrem Mann gegenüber empört von sich. In ihrer Selbstdarstellung wünschten sie, dass dem Mann geholfen wird, und er durch eine starke Intervention von außen zu Vernunft und Einsicht gelangt. [1] Manche postulierten für sich außerdem ein Anrecht auf die Wohnung, weil sie den Kindern die vertraute Umgebung erhalten wollten oder sie bereits vor der Beziehung in dieser Wohnung lebten. Auf einen Strafantrag verzichteten drei Frauen, weil sie dem Mann beruflich nicht schaden oder die Beziehung zum Mann wegen der gemeinsamen Kinder nicht zusätzlich belasten wollten.

Die Intervention Platzverweis, welche bei vier der fünf Frauen dennoch zum Tragen kam, geschah quasi in einer Light-Version: auf wenige Tage beschränkt, nicht in voller Konsequenz oder mit Forderungen an die Frau versehen. Die Erzählungen der Frauen lassen darauf schließen, dass die Polizei hier eher auf Nummer sicher zu gehen schien (vgl.: Kap. 4.2.4): Sie konnte eine Gefährdung nicht gänzlich ausschließen, wollte aber auch nicht Gefahr laufen, aufgrund einer fehlerhaften Entscheidung zur Nichtintervention zur Rechenschaft gezogen zu werden. Gleichzeitig wollte sie sich aber auch nicht täuschen und ausnützen lassen. Die Polizei war genötigt, in Unsicherheit zu handeln. Die Frauen erlebten eine Polizei, die zurückhaltend und ohne Wohlwollen intervenierte. Trotz aller Kritik der fünf Frauen am polizeilichen Handeln erlebten sie die Maßnahme Platzverweis als hilfreich, weil er in die konfliktreiche Beziehung eine Zäsur setzte. Bei drei Frauen reifte bzw. bekräftigte sich ihr Entschluss zur Trennung während des Platzverweises. Die beiden verbleibenden Frauen räumten dem Mann zunächst noch eine Chance ein, welche fehlschlug. Letztendlich trennten sich auch sie.

  • [1] Zum Thema Beratung für gewalttätige Männer sowie Wünsche der Frauen nach Hilfen für den Mann siehe Helfferich u. a. 2004: 98ff.
 
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