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Die polizeiliche Intervention

Bei beiden Frauen kam es zu mehreren polizeilichen Interventionen sowohl vor als auch nach dem einen bzw. zwischen den beiden erlassenen Platzverweisen. Beide Frauen stellten im Zuge eines Platzverweises Anträge nach dem Gewaltschutzgesetz, welchen stattgegeben wurde. Platzverweis, Näherungsverbot und Wohnungszuweisung wurden jedoch meist nicht stringent eingehalten, wobei sich die Frauen eine aktive Beteiligung an der Übertretung zuschrieben. Eine zudem unterbliebene Regelung der Gestaltung des Umgangs des Mannes mit den Kindern sorgte zusätzlich für Schwierigkeiten in der Umsetzung der Schutzmaßnahmen.

Das Handeln der Polizei in den ersten akuten Gewaltsituationen wurde von beiden Frauen als entschieden, zügig und klar, jedoch ohne eine Intention einer wirkungsvollen normverdeutlichenden Einflussnahme auf die Partner beschrieben. Die Gespräche mit den Beamt/innen verliefen „normal“ (F 15, Abs. 9), und die Polizeibeamt/innen haben ihre Sache „so ganz gut gemacht“ (F 14, Abs. 9). In den Folgeinterventionen wurden die Frauen zunehmend ermahnt, die bestehenden zivilrechtlichen Schutzmaßnahmen einzuhalten und den Kontakt zum Mann konsequent abzubrechen.

• Ermitteln

Den Beschreibungen der Frauen zufolge fiel die polizeiliche Ermittlung kurz und knapp aus. Den Polizeibeamt/innen wurde das Vorliegen häuslicher Gewalt durch die sichtbaren oder die bereits ärztlich attestierten Verletzungen schnell offensichtlich. Die Ermittlungen bei einer der beiden Frauen wurden weitgehend der Ortspolizeibehörde überlassen. Sie suchte die Polizeidienststelle jeweils erst am Folgetag zweier Eskalationen auf. Nach der Schilderung des Sachverhalts wurde ihr Fall sofort mit der Empfehlung Platzverweis an die Ortspolizeibehörde weitergeleitet. Der Darstellung der anderen Frau folgend richtete sich das Aggressionspotential des betrunkenen Mannes auch gegen die Polizei vor Ort und zog zudem eine Anzeige wegen Beamtenbeleidigung nach sich. Auch machte er keinen Hehl aus seiner patriarchalen Einstellung und zeigte sich gänzlich uneinsichtig, was die Polizei schnell zur Überzeugung brachte, dass eine weitere Gefährdung durch ihn wahrscheinlich sei.

• Entscheiden

Die Entscheidungen über die Platzverweise geschahen rasch und ohne Einbindung der Frauen in den Entscheidungsprozess. Beide Frauen begrüßten den Platzverweis, nahmen aber den Partner kurz darauf wieder auf, nachdem dieser Zugang in die Wohnung verlangte. Die Bindung an den Partner bzw. auch seine Einschüchterung wirkte auf die Frauen stärker als die Weisung der Polizei.

„Also der Platzverweis ist offiziell ausgesprochen worden. Nur eben letztendlich wie man dann als Frau oder so dann auch damit umgeht, ob man den Mann dann wirklich DRAUßen lässt oder ob man ihn doch wieder reinlässt, weil er einen eben (...) beQUATSCHT oder sagt, er will sich bessern oder das tut ihm alles LEID, und weil er natürlich auch mitleiderregend IST, weil er wahrscheinlich nirgends wo weiß, wo er unterkommt oder wenn er irgendwo unterkommt, dann natürlich nur NOTtdürftig. Das ist halt ähm find ich auch noch ne Schwierigkeit“ (F 15, Abs. 7)

Der Erlass der Maßnahme ist die eine Sache, deren Einhaltung und Durchsetzung jedoch nochmals eine ganz andere. Eine Verbindlichkeit des Platzverweises schien für die Zitierte nicht selbstverständlich vorzuliegen. Beide Frauen fühlten sich aufgrund der fehlenden polizeilichen Kontrolle verantwortlich, selbst über die Einhaltung des einmal erlassenen Platzverweises entscheiden zu müssen und gerieten in eine Situation des Zwiespalts und der Überforderung. Das Zuwiderhandeln, für das sich beide entschieden hatten, warf zudem ein neues Problem für sie auf: „...ich war mir gar nicht sicher, ob das jetzt nicht sogar ich dann rechtliches Problem krieg, weil ich ihn reingelassen hab...“ (F 14, Abs. 15).

• Aufklären

Die Frauen fühlten sich über das Platzverweisverfahren, die Einbindung der Ortspolizeibehörde sowie über Beratungsangebote und das pro-aktive Verfahren durch die Polizei gut aufgeklärt. Ihre Erzählungen weisen auch keine Missverständnisse oder Fehlinformationen auf.

 
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