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Erlebte Ausrichtung polizeilichen Handelns

In diesem Muster erlebten die Frauen eine unterschiedliche Ausrichtung in der polizeilichen Intervention: zum einen die maßgebliche Ausrichtung der Polizeiarbeit auf eine erfolgreiche gerichtliche Sanktionierung, zum Zweiten jene auf nachhaltige medizinische Behandlung des Mannes und zum Dritten die kontinuierliche polizeiliche Intervention. Alle drei Ausrichtungen haben gemeinsam, dass die Polizei ihre Arbeit im Bereich der Gefahrenabwehr nach Ausspruch des Platzverweises fortsetzt und weitere polizeiliche Interventionen tätigt.

• Dem Täter das Handwerk legen

Diese erlebte Ausrichtung des polizeilichen Handelns zeigt sich insbesondere in vier Interviews. Die Polizei zeigte hier den Deutungen der Frauen entsprechend ein ausgeprägtes Interesse an behördlichen und strafrechtlichen Maßnahmen, um das grundlegende Gefährdungspotential des Mannes nachhaltig abzuwehren und eine als untragbar eingeschätzte Lebenssituation der Familie aufzulösen. So beschrieb eine Frau, deren Mann volltrunken, in Sexkleidung und mit einem Messer in der Hand angetroffen wurde:

„In dem Moment, wo sie ihn abgeführt haben, kam ein Beamter zu mir hoch und hat dann eine Anzeige aufgenommen. Und da hieß es halt ob er denn Gewalttaten und so. Und da hab ich dann erwähnt, dass er mich auch schon vergewaltigt hat. Und da kam das ins Rollen. (...)

Die haben das eigentlich gemacht um irgendwas zu finden, um meinen Mann von mir zu entfernen. Weil sie waren ja – dieselben Polizisten waren ja auch das erste Mal dabei gewesen. (...) sie haben ´s wirklich gemacht um mich zu beschützen, mich und meine Kinder.“ (F 20, Abs. 21-23)

Diese Frau interpretierte das polizeiliche Handeln dergestalt, dass die Beamten geradezu nach einem Grund suchten, um ihren Mann zum Schutz der Familie sofort sicherzustellen. Die Polizei arbeitete ihrem Eindruck nach auf ein längerfristiges Entfernen des Mannes von der Familie hin – mit Erfolg: Der Mann gelangte in Untersuchungshaft. Der Platzverweis wurde ihrer Angabe zufolge zudem über einen Zeitraum von sechs Wochen ausgestellt, um im Falle einer Aufhebung der Untersuchungshaft dennoch der Familie einen gewissen Schutz zu bieten. Die Polizei legte der Frau mit den Worten: „Wenn Sie wirklich jetzt mal was ändern wollen, dann müssen Sie aber dabei bleiben“ (F 20, Abs. 51) dringend nahe, einen Strafantrag zu stellen und auszusagen. Auch hier hörte sie das Bestreben der Polizei, eine als unannehmbar eingeschätzte Familiensituation aufzulösen zu wollen, wozu es strafrechtlicher Maßnahmen gegen den Mann bedarf. Der Mann wurde zu einer Haftstrafe ohne Bewährung verurteilt.

Drei Frauen äußerten ihre Wahrnehmung eines hohen Interesses der Polizei an der Erzielung eines erfolgreichen Strafverfahrens. Sie berichteten von sorgfältigen Ermittlungen, wiederholten Kontrollen des Mannes, der Beschlagnahme von Waffen sowie einer Ermutigung der Frau, am Strafverfahren mitzuwirken. Umso größer dann der Ärger, wenn das Gericht ein Strafverfahren trotz intensiver Polizeiarbeit einstellt:

„Der eine Polizist, der dann auch als Zeuge geladen war, der hätte so gern meinem Mann eins reingewürgt. Aber eins haben sie geschafft: Sie haben ihm zwischenzeitlich den Führerschein ein Vierteljahr abgenommen, weil sie ihn doch tatsächlich immer beobachtet haben, und dann haben sie ihn mal abgefangen und weg war der Pappendeckel. (...) Aber der hat sich offensichtlich sehr geärgert, dass man (lacht) diesen Schweinepriester jetzt nicht wirklich einmal bestraft.“ (2-F 22, Abs. 77)

In diesem Zitat kommt die Wahrnehmung des von Behr beschriebenen polizeilichen Handlungsmusters „eine Straftat muss gesühnt, ein Täter angemessen bestraft werden“ deutlich zum Ausdruck (vgl.: Behr 2000: 219 sowie Kap. 4.1.1.9). Diese Befragte erlebte eine Polizei, die bemüht war, den Mann zu fassen zu kriegen, um so auf eine Bestrafung seiner rechtswidrigen Machenschaften hinzuwirken. Das Interesse der Polizei ging ihrem Eindruck nach über die situative Gefahrenabwehr hinaus. Der Mann war neben dem Polizeieinsatz aufgrund häuslicher Gewalt auch wegen alkoholisierten Fahrens mehrfach in das Visier der Polizei geraten. Anzunehmen ist, dass die Polizeibeamt/innen in diesem Mann aufgrund seines Alkoholismus und seiner Affinität zu Schusswaffen nicht nur eine Gefährdung für die Familie erkannten, sondern auch für die allgemeine Öffentlichkeit.

Die Frau stellte einen Strafantrag wegen gefährlicher Körperverletzung, sprach sich aber in der Hauptverhandlung ein Jahr später für die Einstellung des Strafverfahrens aus. Aufgrund der langen Zeitspanne zwischen Gewaltvorfall und Verhandlung versprach sie sich von einer Bestrafung keine positive Wirkung mehr auf den Mann, sondern eher eigene Nachteile: Das Paar, zwischenzeitlich getrennt, hatte hohe Schulden, und sie trug Sorge, dass der Mann im Falle einer Verurteilung zur Tilgung dieser Schulden nichts mehr hätte beitragen können. Das Verfahren wurde eingestellt.

• Den Mann adäquaten professionellen Hilfen zuführen

Die Erzählungen zweier Frauen aus diesem Muster enthielten ebenfalls die Wahrnehmung eines Interesses der Polizei, dem Handeln des Mannes Einhalt zu gebieten. Sie sind jedoch von anderer Natur wie vorab dargestellt. Diese Frauen erlebten eine Polizei, die den Mann im Grunde weniger als kriminell und bestrafungswürdig, sondern in erster Linie als krank und behandlungsbedürftig definierte. Den Berichten der Frauen zufolge tätigten die Polizisten dennoch pflichtgemäß ihre Ermittlungsarbeit im Rahmen der Strafverfolgung. Das polizeiliche Handeln schien aber zusätzlich von der Intention geprägt zu sein, dem Mann professionelle Hilfe zuteilwerden zu lassen, indem er in die Obhut der Medizin überstellt wird.

In einem dieser beiden Fälle handelte es sich um einen bereits behördlich bekannten Psychotiker, welcher in akuten Schüben gewalttätig und für die Frau extrem bedrohlich wurde. Die Polizei veranlasste die Überprüfung der Möglichkeit einer Zwangseinweisung des Mannes in ein Psychiatrisches Krankenhaus und verhängte parallel hierzu einen Platzverweis. Der zweite Mann war schwerer Alkoholiker, welcher körperliche Gewalt nur selten in geringem Ausmaß ausübte und bei dem bereits ein Strafverfahren wegen Trunkenheit am Steuer eingeleitet war. Die Beamten führten mehrere eindringliche Gespräche sowohl mit der Frau als auch mit dem Täter, um über Alkoholismus aufzuklären und den Mann von einer Suchtbehandlung zu überzeugen.

„Der hat angerufen, paar Mal, und dann haben sie ihn nach Hause gebracht, er und ein Kollege, und da haben wir schon ein Gespräch geführt. Und dann war ich anschließend noch einmal für ein sehr langes Gespräch bei ihm, und das ist ein sehr einfühlsamer Mann, also so sehr nett. Und wie gesagt, ich hatte ihn auch anschließend noch einmal angerufen, weil er hat gesagt, er würde noch einmal nach meinem Mann gucken, wie's läuft, und da rief ich ihn an und hab gesagt es läuft überhaupt nicht gut. Und da ist er noch einmal vorbeigekommen.“ (F 19, Abs. 24)

Dieses Handeln ist bemerkenswert, denn keine andere Interviewpartnerin mit alkoholkrankem Partner berichtete von einer solch intensiven polizeilichen Unterstützung. Welche Besonderheiten finden sich im Interview, die möglicherweise hierfür als Erklärung herangezogen werden könnten? Die Familie gehörte einem relativ statushohen Milieu an, wobei sich im Interview keine Deutungen der Frau finden, dass diese Tatsache das polizeiliche Handeln beeinflusst haben könnte. Die Frau wollte zum Zeitpunkt des Interviews dem Partner noch eine gewisse Zeit lang eine Chance einräumen. Sie bemühte sich intensiv, den Mann einer Alkoholbehandlung zuzuführen. Eventuell mag gerade dieses Bestreben der Frau, ihrem Mann professionelle Hilfe zuteilwerden zu lassen, ihre Sorge um ihn sowie das Zutrauen, das sie der Polizei entgegenbrachte, zu einer fortgesetzten hilfsbereiten Intervention geführt haben.

• Beständig für Sicherheit und Ordnung sorgen

Jene drei verbleibenden Frauen dieses Musters erlebten eine Polizei, die wiederholt auf ihr Bitten hin in Einsatz trat und akute Gefährdungen oder Störungen beseitigte. Gegenüber dem Partner einer dieser Frauen wurden insgesamt sechs Platzverweise nebst weiteren Maßnahmen ausgesprochen. Es fehlten im Gegensatz zu den anderen Frauen dieses Musters in diesen Erzählungen jedoch Beschreibungen eines registrierten besonderen polizeilichen Interesses, das sich über die jeweilige Situation hinaus auf eine langfristige Beseitigung der Gewalt richtet. Die Polizei kommt und handelt diesen Beschreibungen entsprechend routiniert, gewissenhaft und zumeist freundlich, jedoch ohne große Ambitionen und auch ohne längerfristige Wirkungskraft. Die Erzählungen dieser Frauen sind möglicherweise das Pendant zu den Beschreibungen jener Interventionen, welche die befragten Polizeibeamt/innen in dieser Studie als „Lauf ohne Ende“ bezeichneten. Hier dominierte bei den Polizist/innen die Vorstellung, dass sie in diesen Fällen letztendlich nichts ausrichten können, um das Gewaltaufkommen nachhaltig einzudämmen (vgl.: Kap. 4.2.2.1).

Welche Hinweise finden sich nun in den Interviews der Frauen, die erklären könnten, weshalb sie keine Ausrichtung polizeilichen Handelns wahrnahmen, die über eine beständige situative Gefahrenabwehr hinausgeht? Auffällig ist zum einen, dass die drei Frauen die Polizei und deren Instrumente grundsätzlich für ungeeignet hielten, ihre Gefährdung abzuwehren, wie folgendes Zitat belegt:

„Es ändert sich nicht viel durch diesen Platzverweis, weil die halten sich nicht an die Regeln, und die Polizei kann nicht jede Minute da sein, und die kennen die Umgebung, die kennen hier die Büsche, die können von überall rausspringen, man fühlt sich absolut unsicher. Ja? Es ist EINE HILFE IN DEM MOMENT, GLEICH danach, wo er raus ist, ja, ein paar Stunden, aber nachher fängt erst die Angst an, wenn man begreift wie viele Möglichkeiten der eigentlich hat. Was sind schon 50 Meter, ich hab es ausgemessen, wenn er mir von dort mit einem Stein schmeißt, dann kann er mich auch so umbringen.“ (F 17, Abs. 41)

In diesem Zitat wird beispielhaft für alle drei Erzählungen das Bild eines Mannes gezeichnet, auf den polizeiliche Anordnungen keine tiefgreifende Wirkung haben: besitzergreifend und unzurechnungsfähig. Dieses Verhalten erschien den Frauen aufgrund ihres offenen Forcierens einer Trennung besonders ausgeprägt.

Die Männer gingen ihrer Darstellung nach alle auf ihre eigene Art in einen Kampf um den gemeinsamen Besitz und/oder die Herrschaft über die Frau.

Ein zweiter Hinweis für das Erleben einer geringen Wirkungskraft der Polizei kann auch darin liegen, dass die Frauen vom Prozess ihrer Lösung aus einem hoch emotionalen, zum Teil ambivalenten Beziehungsgeflecht stark eingenommen waren. Zwei Erzählungen beinhalteten wiederholt Beschreibungen ihrer zwiespältigen Gefühle gegenüber dem Mann, ihren Ängsten vor seiner Gewalt und seiner Macht sowie von ihren Unsicherheiten bezüglich des Gelingens des Trennungsvorhabens. Die dritte Frau befand sich in einer hochstrittigen Trennungssituation und beschrieb wiederholt Schikanen und Provokationen des Mannes nebst einer Reihe gerichtlicher Verfahren. Möglicherweise kann eine solche starke Dynamik dazu beitragen, dass polizeiliche Interventionen kaum zu den Beteiligten durchdringen. Der Einschätzung der Frauen entsprechend bewirkten diese bestenfalls eine kurze Zäsur, sie leiteten jedoch keine grundlegende Änderung ein. Unter diesen Bedingungen wird ein beständiges Intervenieren für die Polizei unumgänglich. Jene Frau, zu deren Schutz sechs Platzverweise sowie eine Vielzahl an Polizeieinsätzen getätigt wurden, erzählte:

„Der eine Polizist, wo ich kenne, der hat als zu mir gesagt: Mädle, sei nicht so blöd, geh einfach nur weg. Da sag ich: Wie soll ich weggehen? Ich geh doch immer weg, aber er kommt ja immer.“ (F 16, Abs. 13)

In diesem Zitat wird die Wahrnehmung einer Auffassung des Polizisten hörbar, wäre die Frau nur entschlossen, die Kontaktaufnahmen des Mannes rigoros abzuwehren und ihm konsequent den Zutritt in ihre ohnehin alleinige Wohnung zu untersagen, so würde der Mann schon irgendwann von ihr ablassen und die Gefährdung würde aufhören. Dies gelang der Frau nicht, weil sie aufgrund von „Mitleid“ und „Hörigkeit“ (F 16, Abs. 85) seinem Drängen nach Einlass keine wirkungsvolle Grenze entgegensetzen konnte – so ihre rückblickende Bilanz. Die Befragte nahm bei den Polizeibeamt/innen gelegentlich einen gewissen Unmut wahr, wieder und wieder intervenieren zu müssen. Dieser Unmut führte aber in ihren Augen nicht dazu, dass die Unterstützung eingeschränkt oder gar verweigert wurde. Sie sah in den fortlaufenden Interventionen der Polizei eine wichtige Stütze im Prozess, sich aus der Beziehung zu lösen, was sie sich zum Ziel gesetzt hatte.

„...wenn ich's wirklich geschafft hab so, hab ich mir fest vorgenommen, da werde ich mich schwer bedanken müssen. Weil die waren immer für mich da. Auch wenn sie manchmal gebruddelt haben: Ha, schon wieder, und so, ne? Aber die waren IMmer da für mich.“ (F 16, Abs. 83)

Ganz anders verhält sich dies bei einer anderen Frau, der ebenfalls daran gelegen war, die Trennung zu besiegeln, die die Polizei in diesem Prozess jedoch kaum als hilfreich erlebte. Sie beschritt im Zuge des Platzverweisverfahrens zielstrebig die räumliche Trennung unter Zuhilfenahme zivilund strafrechtlicher Möglichkeiten, hielt den Mann aber bewusst emotional im Zwiespalt. Sie versprach ihm die Ehe nach erfolgter Therapie, spielte „...Theater, ich streichle ihm die Wangen, ich sag ihm ja okay...“ (F 17, Abs. 33), obwohl sie entschieden war, diese Beziehung nicht mehr aufleben zu lassen. Dieses Verhalten, welches sie selbst als „schizophren“ (F 17, Abs. 33) bezeichnete, sah sie zur Vermeidung weiterer Eskalationen als notwendig an. Anzunehmen ist, dass diese Uneindeutigkeit den Mann wiederum bestärkte, trotz Näherungsverbot beständig den Kontakt zur Frau zu suchen, woraus sich teilweise bedrohliche Situationen entwickelten und weitere polizeiliche Interventionen notwendig wurden. Widersprüchlich muss ihr Verhalten auch auf die Polizeibeamt/innen gewirkt haben: Auf der einen Seite suchte sie deren Hilfe und wirkte bei der Strafverfolgung mit, auf der anderen Seite nahm sie während erneuter Einsätze der Polizei den Mann in Schutz, versuchte ihn zu beruhigen, damit er keine zusätzlichen Sanktionen auferlegt bekommt oder versorgte ihn, für die Polizei sichtbar, mit Lebensmitteln.

Während erstere Frau grundsätzlich Hilfsbereitschaft und einen freundlichen, wertschätzenden Ton der Polizei ihr gegenüber wahrnimmt, sind die Eindrücke der zweiten vielschichtiger: vom Gefühl, beschimpft und abgewertet zu werden bis hin zu Mitgefühl und Sorgfalt. Die Erzählung der zuletzt zitierten Frau lässt dagegen insgesamt auf ein ambivalentes Verhältnis zur Polizei schließen. Die Kontakte zur Polizei waren zwar häufig, aber sie erachtete die polizeiliche Handlungsmacht als unzureichend, die Empfehlungen psycho-sozialer Hilfen als untauglich und das Interesse der Polizei an ihrer Geschichte ausschließlich faktenorientiert und kaum auf Verstehen ausgerichtet. Gleichzeitig konstruierte sie ein Bild von sich als der einzigen Person, die auf diesen kranken und verstörten Mann Einfluss nehmen kann.

Abschließende Anmerkungen

Auch in diesen Erzählungen wurde eine polare Opfer-Täter-Konstellation konstruiert. Die meist hohe Schwere und lange Dauer der Gewalt, die Unberechenbarkeit und Unzugänglichkeit des Täters, sein irrsinniges, von Wahn oder Sucht gesteuertes Verhalten wurden den Darstellungen zufolge wahrgenommen und führten zu einer umfassenden polizeilichen Intervention. Die Frauen erlebten eine Polizei, die ihre Schutzbedürftigkeit zweifelsfrei anerkannte und als äußerst hoch eingeschätzte. Sie zeichneten ein Bild der Polizei, wonach diese die ihr zur Verfügung stehenden Mittel intensiv nutzte: verstärkte Kontrolle, das Hinarbeiten auf eine strafrechtliche Konsequenz oder medizinische Behandlung sowie eine nachsorgende Opferbetreuung über den aktuellen Gewaltvorfall hinaus. Die Polizeiarbeit wurde über den aktuellen Vorfall hinaus fortgesetzt.

Der Platzverweis wurde von den Frauen weitgehend begrüßt, wenngleich sie ihn allein nicht als ausreichend erachteten um ihre Gefährdung abzuwehren. Angst und Unsicherheit begleiteten die Frauen während der Zeit des Platzverweises. Mit einer, der oben beschriebenen Ausnahme trennten sich die Frauen dieses Musters im Zuge des Platzverweises vom Partner, häufig unter Zuhilfenahme erlassener Gewaltschutzmaßnahmen und intensiver Beratung.

Sechs der neun Frauen stellten einen Strafantrag aufgrund der häuslichen Gewalt. Zum Teil waren zudem bereits Anzeigen aufgrund eines vorangegangenen Delikts häuslicher Gewalt anhängig. Gegen manchen Mann liefen außerdem weitere Strafverfahren, beispielsweise wegen Trunkenheit am Steuer. Mehrheitlich endeten die Strafprozesse mit einer Verurteilung. Die Frauen berichteten von Inhaftierungen, Freiheitsstrafen auf Bewährung, Geldstrafen sowie Auflagen zur Suchtbehandlung. Von den Haftstrafen abgesehen schätzten die Frauen die Urteile jedoch weitgehend als wirkungslos ein: Die Männer begingen während der Bewährungsstrafen weitere Delikte, sie zahlten verhängte Geldstrafen nicht und hielten sich nicht oder nur bruchstückhaft an die Auflagen. Die Frauen wunderten sich, dass hierauf keine oder erst sehr spät Konsequenzen erfolgten. Sie berichteten von ihrer Erfahrung, dass die Justiz im Gegensatz zur Polizei tendenziell gleichgültig und träge agierte.

 
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