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6.3.1.5 Klärung und Unterstützung bei behördlichen Angelegenheiten und rechtlichen Verfahren im Zuge des Platzverweisverfahrens

Dieses Modul gründet auf Berichte der Frauen über Unterstützung der Expert/innen der Opferberatung bei verschiedenen behördlichen und rechtlichen Angelegenheiten. Diese betrafen zum einen den Platzverweis selbst; zum Zweiten verschiedene rechtliche Verfahren, die die Frauen zu ihrem Schutz oder aufgrund von Trennungsentscheidungen einschlugen. In Bezug auf den Platzverweis berichteten einige Frauen über Fragen zur Befristung oder Verlängerung des Platzverweises durch die Ortspolizeibehörde sowie über Unklarheiten hinsichtlich der Rechte und Pflichten des verwiesenen Mannes. Sie baten ihre/n Berater/in um Hilfe. Ihren Darstellungen zufolge standen Berater/innen, welche einem ASD angehörten, teilweise in enger Kooperation mit der Ortspolizeibehörde und regelten manche Frage auf dem kleinen Dienstweg.

„Der Herr Voß* hat halt gefragt, ob ich jetzt irgendwelche Hilfen brauch, und dann hab ich ihm das halt mit dem Rathaus erzählt, weil der vom Rathaus hat mich ja dann angerufen und hat halt gefragt – äh ich muss ja da noch mal ne Aussage machen, oder das und dies und jenes und ja. Und da kam dann der Herr Voß* zu mir nach Hause, und hat dann halt gesagt, er kümmert sich da drum. Und da hat er dann das auch gemacht, der ist dann noch gleich aufs Rathaus und hat mir das Schreiben [Informationsschreiben über den Platzverweis, Anm. Verf.] nachher vom Rathaus mitgebracht.“ (F 24, Abs. 29)

Sie machte die Erfahrung, dass ihr Berater die Dinge für sie in die Hand nahm und für Klarheit in Bezug auf den Platzverweis sorgte. Von einer ganz anderen Erfahrung berichtete eine andere Frau. Sie erlebte, dass ihre Beraterin des ASD, über Belange des verwiesenen Mannes bereits im Vorfeld des Erstgesprächs informiert war und diese klären wollte:

„...wo er hier auf dem Rathaus war, da muss er auch gesagt haben, und das war ja auch so, das ist ja in Ordnung, dass seine Diensttaschen hier sind. (...) Ja und dann hat er behauptet, ja ich komm nicht an mein Zeug ran, wer weiß was mit dem Zeug passiert, und mein Computer, ich komm nicht an mein Computer dran, und damit hat mich die Frau Riedl* konfrontiert.“ (F 9, Abs. 35)

Diese Frau vermutete eine enge Kooperation zwischen der Ortspolizeibehörde – und dem ASD. Ihrem Gedankengang folgend hatte die Sozialpädagogin den Auftrag erhalten, bei ihrem Hausbesuch die Herausgabe wichtiger persönlicher Sachen des Mannes zu klären. Die Frau erlebte diese Klärungsintervention als Konfrontation. Sie hatte den Eindruck, dass sie „in ein schlechtes Licht“ (F 9, Abs. 35) gerückt sei und fühlte sich zu Unrecht beschuldigt. Diese Erfahrung trug dazu bei, dass die Befragte in ihrer Bilanz den Beratungskontakt als enttäuschend und nicht hilfreich erlebte.

Ein anderer Aspekt der Unterstützung in diesem Bereich betrifft die Anforderung, schriftliche Stellungnahmen für die Ortspolizeibehörde oder das Gericht aussagekräftig und korrekt zu gestalten. Die Berater/innen trugen ihren Beschreibungen nach Sorge, dass Anträge und Begründungen „Hand und Fuß haben“ (F 1, Abs. 57). So berichtete eine Frau über die Hilfe der Beraterin in ihrem Anliegen, den Platzverweis von der Ortspolizeibehörde über 14 Tage hinaus verlängern zu lassen, um Schutz bis zum gerichtlichen Entscheid der beantragten Wohnungszuweisung zu erhalten:

„...und an einem Tag, das weiß ich noch, da haben wir hier kopiert oder ich hab die Sachen kopiert und vorbereitet, und Frau Brandt* hat noch mal verbessert, und wir haben von hier aus gefaxt, weil wenn's an dem Tag nicht angekommen wäre, dann wär's mehr oder weniger schon gelaufen.“ (F 23, Abs. 2; Helfferich u. a., 2004: 92)

Neben diesen praktischen Hilfen betonten einige der Interviewpartnerinnen den

„emotionalen Rückhalt“ (Helfferich u. a. 2004: 94) durch die Beraterin auf dem Weg durch die Instanzen. Dies impliziert die Ermutigung, den anforderungsreichen Weg eines Neuanfangs zu gehen sowie die Begleitung dieser Phase:

„Das waren oft so kleine Sachen, gell, die dann einem wirklich bewusst wurden, da hat sie gesagt: Mensch also Frau Hofmann*, Sie haben das und das und das gemacht, und jetzt sind Sie vielleicht wegen einer Sache grad nicht so – es läuft nicht, aber Sie haben schon drei geschafft, oder so. Und da (seufzend) hab ich, ja stimmt eigentlich gell, man muss es bloß anders sehen, also von ner anderen Perspektive oder Betrachtungsweise gell, und schon ging's mit anderer Kraft weiter.“ (F 23, Abs. 2)

 
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