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2 Profil des Gesamtwerks

Auch seine Publikationen spiegeln Diamonds Wandeln zwischen den Disziplinen und seine vielfältigen Forschungsinteressen. Von seinen bisher 13 veröffentlichten bzw. (mit)herausgegebenen Monographien und Sammelbänden thematisieren zwei Fragen der Biodiversität sowie fünf Vogelpopulationen vornehmlich im asiatischen Raum. Alle erschienen mit einer Ausnahme zwischen

mond 2013, S. 8–9, 2015b). Die fünf seit 1991 erschienenen Monographien sowie ein von ihm mitherausgegebener Sammelband unterscheiden sich von den vorherigen sowohl in ihrem Adressatenkreis als auch in ihrem Gegenstand: So richten sie sich einerseits an eine breite Leserschaft und nicht nur an ein Fachpublikum und thematisieren andererseits nun auch primär anthropologische, biogeographische und historische Fragestellungen (Diamond 2015b). Zudem sind sie in ihrer methodischen Herangehensweise stark interdisziplinär ausgerichtet (York und Mancus 2007, S. 159).

So beschäftigt er sich gerade in dem während seines Stipendiums der MacArthur-Stiftung verfassten und 1992 veröffentlichten Buch The Third Chimpanzee (TTC) zum ersten Mal intensiver auch mit Themen, die sich nicht ausschließlich in seinen traditionellen Forschungsbereichen der Physiologie und Vogelkunde verorten ließen. Stattdessen untersuchte er interdisziplinär (Diamond 2006c, S. 6) die Evolution des Menschen im Allgemeinen (Diamond 2006a, S. 4, 2006b, S. 8), aber auch global unterschiedliche Entwicklungsgeschwindigkeiten (Diamond 2006c, S. 235–236) sowie Aufstieg und Fall von Populationen (Diamond 2006c, S. 3 und 7). In diesem Werk befasste er sich somit bereits mit Fragen, die ihn auch in den folgenden Publikationen nicht losließen und „that would define his career: not why humans came to dominate other animals, but why some humans came to dominate others“ (Burkeman 2014).

Es verwundert deshalb nicht, dass TTC eine Art Ursprungswerk für seine nachfolgenden Publikationen darstellt: So finden sich viele Problemstellungen und Erklärungsansätze, wie sie im 1997 veröffentlichten Buch Guns, Germs, and Steel zu finden sind, bereits in eben jenem Vorgängerwerk: Dort arbeitete er schon in den Kap. 10, 15 und insbesondere 14 die elementare Rolle der Landwirtschaft für weitere Entwicklungsprozesse heraus und konzentrierte sich auf die biogeographischen Vorteile, über die bestimmte Kontinente verfügen, um erklären zu können, warum es gerade europäische Völker sind, die global über die meiste Macht und Reichtum verfügen. Auch die Titel gebenden ‚Guns, Germs and Steel' führt er dort (Diamond 2006c, S. 252) zum ersten Mal in ihrer Relevanz prominent auf.

Den zeitlichen Abstand von fünf Jahren zwischen dem Abschluss des thematisch ähnlich gelagerten 14. Kapitels von TTC und der Publikation von Guns, Germs, and Steel begründete Diamond mit der notwendigen (zeit)intensiven interdisziplinären Grundierung, die ein solches Themenfeld erfordert (Diamond 2006b, S. 12–13, 2015c). Doch stellt jenes Werk nicht das einzige Fundament dar, auf dessen Grundlage Diamond Guns, Germs, and Steel verfasste: So existieren von ihm bereits ältere Vorarbeiten in Aufsatzform u. a. zur Rolle der Achsenausrichtung und Inselbiogeographie (Diamond 1969), aber auch Artikel in wissenschaftlichen Magazinen (Diamond 1992, 1994a, b, c), die mit wenigen Änderungen auch Einzug in das Buch fanden.

[1] Auch in dem 1997 publizierten Buch Why Is Sex Fun? (Diamond 1997a), in dem er sich mit den Besonderheiten menschlicher Sexualität auseinandersetzt, greift er auf Erkenntnisse zurück, die er bereits in den Kap. 3 bis 7 in TTC anschnitt (Diamond 2006b, S. 8–9).

Während sich Guns, Germs, and Steel aber hauptsächlich mit den Gründen für den Aufstieg von bestimmten Zivilisationen befasst (Diamond 2006a, S. 4), fungiert Diamonds 2004 veröffentlichte Monographie Collapse (Diamond 2004) als dessen „sequel“ (Radford 2010), da der Autor dort nun der Frage nachgeht, „warum Gesellschaften und Zivilisationen Jahrtausende überstanden, während andere, obgleich einst reich und mächtig, untergingen“ (Friebe 2005, S. 73). Auch für dieses Werk lassen sich wieder erste Vorarbeiten Diamonds in TTC ausmachen, da er dort in den Kap. 17–19 die Grundthese formulierte, wonach Fehlentscheidungen von Zivilisationen, gerade im Umgang mit ihrer Umwelt und deren Ressourcen, zu deren Kollaps führen könnten (Diamond 2006a, S. 5, b, S. 13). Wie in TTC (Diamond 2006c, S. 4) versucht Diamond auch in Collapse, Handlungsempfehlungen für die Gegenwart zu skizzieren und betont dabei besonders die Notwendigkeit, (Umwelt-)Probleme zu erkennen und auf diese zu reagieren (Gorissen und Meissner 2007).

In The World Until Yesterday (Diamond 2012a) widmet er sich den Aspekten, die moderne westliche von traditionellen Gesellschaften, z. B. in den Bereichen Ernährung und Konfliktlösung, aber auch im Umgang mit Älteren oder Kindern lernen können. Das aus Diamonds Vita und Arbeitsweise herauszulesende Interesse, Verbindungen zwischen der Geschichtsund der Naturwissenschaft herzustellen, führte neben anderen Aufsätzen (Diamond 2008; Diamond und Robinson 2010a, S. 1–6) auch zur Publikation eines gemeinsam mit James A. Robinson herausgegebenen Sammelbandes (Diamond und Robinson 2010b) zu dieser Thematik. Ein Wandel der wissenschaftlichen Schwerpunktsetzung lässt sich somit bei Diamond sowohl durch eine erkennbare thematische Differenzierung der Monographien und Sammelbände in ein Frühwerk mit dem Schwerpunkt der Vogelkunde und einem seit den 1990er Jahren deutlichen Fokus auf Themen der Anthropologie, Geschichte und Biogeographie erkennen.

Dies wird aber auch bei der Veröffentlichungsform sichtbar, die in Diamonds Publikationsverzeichnis überwiegt. Es weist über 600 von Diamond allein oder mitverfasste Fachaufsätze und Zeitschriftenartikel auf (Diamond 2013, S. ii), darunter über 250 zu einem breiten thematischen Spektrum in populärwissenschaftlichen Magazinen wie Nature, Discover und Natural History (Diamond 2013, S. 40–53).

Weiterhin dominiert mit einer Gesamtzahl von knapp über 150 Aufsätzen zu physiologischen Themen naturgemäß die Disziplin, die über mehrere Jahrzehnte bis in das Jahr 2002 seine professionelle Heimat darstellte. Der oben erwähnte Aufenthalt in Neuguinea im Jahre 1964 führte aber gerade in den 1970er und 1980er Jahren zu einer Vielzahl von Aufsätzen im Fachbereich der Evolutionsbiologie und Biogeographie, die sich mit der Vogelwelt im Speziellen, aber gerade auch mit Fragen der Evolution und Ausrottung von Arten im Allgemeinen intensiver auseinandersetzen. In den 1990er Jahren, nach Erhalt des MacArthur-Stipendiums und der Publikation von TSS, stieg auch die Zahl der Aufsätze und Artikel, die sich mit anthropologischen und historischen Problemen den Themenbereichen widmen, die seit den 2000er Jahren auch den Veröffentlichungsund Tätigkeitsschwerpunkt Diamonds bilden. Eine Vielzahl dieser Artikel befasst sich auch mit Aspekten, die der Autor bereits in Guns, Germs, and Steel, respektive in Collapse thematisierte.

  • [1] Diese Aufsätze bilden in leicht abgewandelter Form z. B. die Kap. 11, 7, 19 und 12 von

    Guns, Germs, and Steel.

 
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