Rassismus mit oder ohne "Heil Hitler"?

Da die deutsche Neonaziszene seit Jahren versucht, ihre menschenverachtende Ideologie wieder gesellschaftsfähig zu machen, wundert es nicht, dass auch deren Anhänger auf den Zug mit aufspringen. Die "Identitäre Gruppe Frankfurt" wurde 2010 von den "Nationalen Sozialisten Rhein-Main" und aus dem "Freien Netz Hessen" heraus initiiert. Im März 2011 erstellte der neurechte "Block Identität" (BI) seine Facebookpräsenz und folgte damit Blog und Twitter-Account, die bereits davor online gingen. Ende Juli desselben Jahres dann ein erstes BI-Treffen im Ruhrgebiet. Für den August 2011 rief der NPD-Stadtrat und Anführer der "Nationalen Sozialisten Geithain" (NSG), Manuel Tripp, zum Geithainer "Tag der Identität" auf. Nach Eigenbeschreibung vertrieb er in seinem Shop "identitäre Kleidungsstücke". Die sächsische Neonaziszene näherte sich ideologisch den "Neurechten" an. Thorsten Thomsen, Pressesprecher der sächsischen NPD-Fraktion und Arne Schimmer, NPD-Abgeordneter im Sächsischen Landtag nahmen im Oktober 2012 an der von Götz Kubitschek und Felix Menzel organisierten neurechten Messe "zwischentag" in Berlin teil. Schimmer soll bereits Jahre zuvor an Schulungen des neurechten "Think Tank" – dem Institut für Staatspolitik (IfS) – teilgenommen haben. Bereits 2006 bemühte sich der sächsische NPD-Landtagsabgeordnete Jürgen W. Gansel mit der sogenannten "Dresdner Schule" um eine Intellektualisierung der Szene. Extrem rechte Blogs wie "DerFunke. info" und "Ernstfall.org" greifen das Thema "Identität" auf. Vier Tage nachdem die Facebookseite der "IBD" das Video der französischen Kriegserklärung gegen die vermeintliche von der 68er-Bewegung geprägten "multikulturellen Gesellschaft" sowie gegen die angebliche "Islamisierung" Europas postete, wird dieses in der Internetsendung des neonazistischen FSN-TV vorgestellt.

Dass sich die selbsternannte "Identitäre Bewegung Deutschland" bereits im Herbst 2012 genötigt sah, sich zumindest oberflächlich von der NS-bezogenen Szene und der NPD distanzieren zu müssen, hinderte die "Jungen Nationaldemokraten (JN)" nicht daran, mit Unterstützung der Mutterpartei NPD die Kampagne "Identität – Werde, wer Du bist" ins Leben zu rufen. Dass hier die Worte "Rasse" und "Volk" nur vermieden werden, um nicht sofort an die nationalsozialistische Parole "Du bist nichts, dein Volk ist alles" zu erinnern, ist offensichtlich. Als der NPD-nahe "DS-Versand" jedoch Hemden und Pullover mit der Aufschrift "Nicht links, nicht rechts – Identitär" in sein Produktangebot aufnahm, hagelte es völkische Kritik: Die "biologischen Wurzeln" und somit die "Identität", würde von den "Identitären" nicht ausreichend betont.

 
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