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Ökonomisches Potential, militärische Stärke und das Fatum der

‚Überdehnung': The Rise and Fall of the Great Powers von Paul Kennedy

Franz Hederer

„Was hat der Kampf um die Weltmacht-Größe eigentlich gebracht?Wem hat er gedient? Wer bezahlt die Spesen? 976 Seiten Bericht. Eine große Frage.“

(Krippendorf 1990, S. 679)

1 Einleitung

Wer verstehen will, wie sich die „für ein wissenschaftliches Werk ganz außergewöhnliche Resonanz“ (Hildebrand 1990, S. 348) erklären lässt, die Paul Kennedys Werk The Rise and Fall of the Great Powers – Economic Change and Military Conflict from 1500 to 2000[1] bereits unmittelbar nach seiner Publikation im Jahre 1987 erfuhr, dem seien die Seiten 514–535 des englischen Originals empfohlen: Der Kernsatz, den Kennedy in diesem abschließenden Kapitel über die Vereinigten Staaten und deren – vermeintlichen und in den 80er Jahren eifrig diskutierten[2]decline formuliert, liest sich wie folgt: „In the largest sense of all, therefore, the only answer to the question increasingly debated by the public of whether the United States can preserve its existing position is ‚no' […]“ (Kennedy 1987, S. 533). Und in der Tat spricht, blickt man allein auf die Rezeption der Thesen Kennedys, manches für die – freilich zugespitzte – Beobachtung, die „ersten 500 Seiten der Untersuchung [seien] durchaus auch als die historische Einleitung zu diesem auf den abschließenden 20 Seiten analysierten Problem [zu] lesen“ (Schöllgen 1989, S. 1)

[3].

So begierig auch insbesondere die U.S.-amerikanische Öffentlichkeit Kennedys Diagnose eines bevorstehenden ‚relativen Niedergangs' der Vereinigten Staaten aufgriff (und vielfach kritisierte), so sehr vermag diese perspektivische Engführung den Gehalt des Werks über Aufstieg und Fall der großen Mächte nur bedingt zu erfassen: Sie trübt den Blick für den ambitionierten Versuch, mittels eines auf den ersten Blick „schlichten Grundmusters“ (Krippendorf 1990, S. 676; Figes 1989,

S. 69) übergreifende Wirkmechanismen aus dem Dickicht militärisch-diplomatischer Rivalitäten, ökonomischer Entwicklungen und politischer Veränderungen herauszudestillieren, die Aufschluss über das Thema der Arbeit, die „interaction between economics and strategy“ (Kennedy 1987, S. XV, Hervorhebung im Original) in der Neuzeit, versprechen. Es liegt auf der Hand, dass – zumal mit einem Abstand von knapp 30 Jahren – dieser Versuch eine differenzierende Würdigung erfahren muss; eine Würdigung, die sich dem Erkenntnisinteresse Kennedys und seinen konzeptionell-methodischen Prämissen ebenso wie den daraus entwickelten Thesen widmet.

  • [1] Die Ausführungen basieren auf Kennedy 1987 (englisch) und Kennedy 1989 (deutsch).
  • [2] Vgl. zur Debatte Herz (1989), Nye (1988) sowie einführend McLean (1991). Nau (1990,S. 256) spricht von „a mood captured by Paul Kennedy's best-selling book“.
  • [3] It was actually a study of more than 500 years of global empires […], but I don't think many people read more than the final chapter on the US and the USSR“ (Paul Kennedy, zit. nach Crace 2008). Vgl. auch knapp Boden (1988) und Figes (1989, S. 70), der von einem

    „literary monument of the Angst of our American age“ spricht. Woodruff (1989, S. 719) betont, dass nur „few books […] as timely as this one“ seien.

 
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