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Teil II Kapitalismus und Kultur

Vom Einfluss der Kultur und der Vorbildfunktion Europas: The Wealth and Poverty of Nations von David S. Landes

Carolin Holzmeier

1 Biographie

Will man sich dem Autor von ‚The Wealth and Poverty of Nations' und damit einem „Giganten der Wirtschaftsgeschichtsforschung“ (Plickert 2013) biographisch nähern, so fällt zunächst das starke Missverhältnis zwischen verfügbaren Informationen und der internationalen Aufmerksamkeit, die dem Wissenschaftler zeitlebens zuteil wurde, ins Auge (Menzel 2007, S. 1). David Saul Landes wurde am 29. April 1924 in New York als Sohn einer Familie der amerikanischen Mittelschicht geboren. Dem erfolgreichen Abschluss am New Yorker City College folgte 1943 der Erwerb des Bachelors an der Harvard University – einer Institution, die seine wissenschaftliche Laufbahn nachhaltig prägen sollte (Menzel 2007, S. 1). Unterbrochen wurde seine akademische Karriere durch die Einberufung zum Signal Corps, für das er nicht nur die japanischen Reaktionen auf die US-Atombombenabwürfe entschlüsselte, sondern nach Kriegsende in Deutschland auch Material für eine Arbeit zu deutschen Verteidigungsplänen bezüglich der Landung der Alliierten in der Normandie kompilierte (Martin 2013; Herf und Muller 2014).

Nach seiner Rückkehr in die Vereinigten Staaten setzte David Landes seine wissenschaftliche Tätigkeit an der Harvard University fort, die ihm 1953 für seine Dissertation im Fach Geschichte den Ph.D. verlieh (Menzel 2007, S. 2; Herf und Muller 2014). In den Folgejahren avancierten die Columbia University, die er als assoziierter Professor für Geschichtswissenschaft verließ, die Stanford University, an der er als Dozent am ‚Center for Advanced Studies in Behavioral Sciences' lehrte sowie die University of California in Berkeley zu den prägenden Stationen seines akademischen Lebens (Martin 2013). Seine Affinität für ein die Grenzen der Fächer überschreitendes Arbeiten manifestierte sich dabei nicht allein in der besonderen Förderung, die er interdisziplinär ausgerichteten Studien zuteil werden ließ, sondern auch in der Tatsache, dass er in Berkeley zugleich als Professor für Geschichtsund Wirtschaftswissenschaft wirkte (Martin 2013).

1964 folgte er einem Ruf nach Harvard (Herf und Muller 2014) zu einem Zeitpunkt, als die Proteste des ‚Free Speech Movement' in Berkeley eskalierten.[1]Seinen Unmut über die Bewegung artikulierte David Landes in einem Leserbrief an die New York Times, der das – seiner Perzeption nach – destruktive Vorgehen der Studenten unter anderem für die Schaffung eines von Denkverboten geprägten universitären Klimas verantwortlich machte. Wenn Landes die Proteste mit einem Anschlag auf die akademische Freiheit gleichsetzt (Landes 1964), dann zeigt sich hier seine unbedingte Abneigung gegenüber einer Ideologisierung der Wissenschaft und gleichzeitig die Bereitschaft zur Artikulation eines jenseits der Political Correctness und des gesellschaftlichen Mainstreams liegenden Gedankenguts.[2] Über sein Anliegen, sich einer eindeutigen Kategorisierung auch in wissenschaftlicher Hinsicht zu entziehen, gibt der Versuch Aufschluss, als Professor für Geschichtsund Wirtschaftswissenschaft an der Harvard University die Grenzen zwischen den Disziplinen zu überschreiten (Herf und Muller 2014). Erst nach seiner Emeritierung 1996 legte er mit The Wealth and Poverty of Nations eine Monographie vor, die als Synthese des bisherigen akademischen Schaffens seine wissenschaftliche Reputation nachhaltig prägen sollte (Temin 2013). David S. Landes starb am 17. August 2013 im Alter von 89 Jahren in Haverford/Pennsylvania (Martin 2013).

  • [1] Inwiefern der Wechsel nach Harvard durch die Protestwelle motiviert war, die Berkeley ergriffen hatte, geht aus der verfügbaren Literatur zur Biographie des Autors nicht hervor.
  • [2] Seine Aversion gegenüber jedweder Form der politischen Korrektheit artikulierte Landes in einem Interview mit der Schweizer Weltwoche mit folgenden Worten: „Die Ansicht, dass man sich im Denken an gewisse Richtlinien halten müsse, ansonsten man nicht ‚korrekt' ist, ist höchst unglückselig, ich bin total dagegen“ (Born 2003).
 
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