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2 Profil des Gesamtwerks

Dass Landes in seinen Arbeiten stets um eine Symbiose von Geschichtsund Wirtschaftswissenschaft bemüht war, zeigt sich schon in der Frühphase seines akademischen Schaffens, dessen Beginn die 1958 erschienene Doktorarbeit Bankers and PashasInternational Finance and Economic Imperialism in Egypt (Landes 1958) markiert. In dieser Untersuchung des Scheiterns Ägyptens an der Industrialisierung in den 1860er-Jahren spiegelt sich bereits das Interesse des Autors an der wirtschaftshistorischen Analyse von (erfolgreichen oder gescheiterten) Entwicklungsund Wachstumsprozessen, welches sein gesamtes wissenschaftliches Oeuvre gleich einem Leitmotiv durchzieht (Herf und Muller 2014). Im Jahr 1969 legte Landes mit The Unbound Prometheus – Technological Change and Industrial Development in Western Europe from 1750 to the Present [1] (Landes 1969) ein Standardwerk der Wirtschaftsgeschichte vor (Senghaas 2000, S. 142), in welchem er sich dem Verlauf der Industriellen Revolution widmet und dabei im Speziellen die Frage zu beantworten sucht, weshalb dieser Prozess seinen Ausgangspunkt in England gefunden habe (Herz 1998, S. 22).

Der wirtschaftshistorisch ausgerichteten Monographie folgte im Jahre 1983 mit Revolution in TimeClocks and the Making of the Modern World (Landes 1983) eine detaillierte Fallstudie, welche in der Entwicklung beziehungsweise Herstellung von Uhren einen Wegbereiter des Kapitalismus sowie eine wesentliche Triebkraft des industriellen Zeitalters auszumachen glaubt (Martin 2013). Zeichnet The Unbound Prometheus (Landes 1969) Ursachen, Verlauf sowie Folgen der Industriellen Revolution und damit die großen Linien eines Ereignisses von entwicklungsgeschichtlicher Tragweite nach, so befördert Revolution in Time (Landes 1983) die Einsicht, dass Mikround Makroebene in einem sich wechselseitig beeinflussenden Verhältnis zueinander stehen (Fukuyama 2008).

Diesem Konnex von Mikround Makroprozessen wird auch in dem Opus magnum The Wealth and Poverty of Nations: Why Some Are So Rich and Some So Poor (Landes 1999b) Rechnung getragen (Senghaas 2000, S. 143), mit welchem sich Landes nach der Publikation einiger, das Werk vorbereitender Aufsätze als Modernisierungstheoretiker zu profilieren vermochte (Menzel 2007, S. 2). Im Rahmen dieser Studie, die mit dem Zerfall des Imperium Romanum einsetzt, bis in die Gegenwart reicht und dabei nahezu alle Regionen der Welt in den Blick nimmt, geht Landes nicht nur weit über bisherige Untersuchungsräume und -zeitspannen hinaus, sondern er wendet sich mit Geographie und Kultur auch neuen Variablen zu, die bereits bekannte Erklärungen der wirtschaftlichen wie technischen Entwicklung zu ergänzen vermögen (Prakash 1998, S. 90).

Mit seiner ambitionierten „study of the making of the modern world“ (Porter 1998) schreibt er sich zudem ein in die ‚European-Miracle-Literatur', die – in der Tradition von Eric Lionel Jones – die Ursachen der dominanten Stellung Europas respektive des Westens zu erklären intendiert (Kramper 2009, S. 11). Die Funktion eines Explanandums, die der Kultur in The Wealth and Poverty of Nations (Landes 1999b) attestiert wird, erfüllt diese auch in Landes' „Alterswerk“ (Menzel 2007, S. 3) Dynasties – Fortunes and Misfortunes of the World's Great Family Businesses (Landes 2006), seine letzte große Monographie, die die Entwicklung großer Wirtschaftsdynastien unter besonderer Berücksichtigung von Mentalitäten und gesellschaftlichen Wertvorstellungen nachzuvollziehen versucht (Fukuyama 2008). Gerade ob des von ihm favorisierten fächerübergreifenden Ansatzes und der damit einhergehenden Tatsache, dass „er im Grunde zu allen Lagern und Schulen quer liegt“ (Menzel 2007, S. 8), entzieht sich David Landes jedem Versuch einer eindeutigen Verortung innerhalb des akademischen Feldes. Obschon seine Ausführungen deshalb häufig zum Gegenstand der wissenschaftlichen Kontroverse wurden, ringen seine historischen Untersuchungen auch seinen schärfsten Kritikern bisweilen Respekt ab: „The width and depth of the historical knowledge at his disposal is simply so vast that even his most determined opponents will have to admit their respect for his work“ (Mokyr 1999, S. 1241).

  • [1] Ursprünglich wurde der Text als Beitrag zum sechsten Band der ‚Cambridge Economic History' im Jahre 1965 veröffentlicht (Herf und Muller 2014).
 
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