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Die institutionelle Sklerose der alternden Demokratien: The Rise and Decline of Nations von Mancur Olson

Armin Mattes

1 Biographie

Am 22. Januar 1932 erblickte Mancur Lloyd Olson in Grand Forks, North Dakota, das Licht der Welt. Die Ausbildung führte ihn an die angesehensten Universitäten der Welt. Er studierte Volkswirtschaftslehre in Oxford und promovierte in Harvard. Seine Dissertation wurde im Jahre 1965 auf Empfehlung seines Doktorvaters und späteren Wirtschaftsnobelpreisträgers Thomas C. Schelling von der renommierten Harvard University Press unter dem Titel The Logic of Collective Action (Olson 1965) veröffentlicht (Leuffen 2006, S. 93). Zwischen 1963 und 1967 arbeitete Olson dann als Assistenzprofessor für Volkswirtschaftslehre an der Princeton University. Von da aus ging er als Referent für drei Jahre in das Ministerium für Gesundheit und Soziales nach Washington, bevor er den Lehrstuhl für Ökonomie an der University of Maryland annahm, den er bis zu seinem Tod bekleidete (Faust 2002, S. 277).

1991 wurde er Direktor des von ihm mitgegründeten Center on Institutional Reform and the Informal Sector (IRIS) an der Universität von Maryland, das zu einem einflussreichen entwicklungspolitischen Thinktank aufstieg. Die Verbindung von Theorie und Praxis war ihm sein ganzes Leben ein großes Anliegen. Und so wollte er seine Ideen und Untersuchungsergebnisse über den Thinktank für die ärmsten Länder dieser Welt nutzbar machen und den Menschen ein besseres Leben ermöglichen. Olson starb am 19. Februar 1998 im Alter von 66 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts (Faust 2002, S. 277).

2 Profil des Gesamtwerks

Olson war zwar Ökonom, verfolgte aber wie kaum ein anderer von Beginn seiner Karriere an einen interdisziplinären Ansatz, mit dem er die Entwicklungen in den Sozialwissenschaften im Rahmen der Neuen Politischen Ökonomie stark mitprägte. Sein Doktorvater machte nach dem Tod Olsons keinen Hehl daraus, dass sein Wirken dort auch am meisten beachtet wurde: „[…] he was one of those strange economists who was always better known among political scientists and sociologists“ (Passell 1998).

Der interdisziplinäre Ansatz zieht sich so auch durch sein Oeuvre, das vor allem durch seine drei Hauptwerke geprägt ist. In ihnen fasste er seine Gedanken aus über 150 wissenschaftlichen Aufsätzen zusammen und stellte sie pointiert dar. Sein erstes großes Werk ist das 1965 auf Basis seiner Dissertation veröffentlichte Buch The Logic of Collective Action (Olson 1965). In ihm stellt Olson seine grundlegenden Thesen zur Organisation von politischen und gesellschaftlichen Gruppen auf. Auf Grundlage der aus der Ökonomie bekannten Rational-Choice-Theorie analysiert und erklärt er gesellschaftliche Zusammenhänge und einzelne Phänomene. Die Hauptargumente dieser Logik des kollektiven Handelns werden im kommenden Kapitel dargestellt, da sie theoretische Grundlage und Bestandteil des zweiten Hauptwerks, The Rise and Decline of Nations,[1] aus dem Jahr 1982 sind. Dort beschäftigt Olson sich mit der politischen Ökonomie des Wirtschaftswachstums und erklärt anhand seiner Thesen den Aufstieg und Niedergang von Nationen und andere makroökonomische Phänomene. Der Einfluss von gesellschaftlichen Gruppen auf die ökonomische Entwicklung steht dabei im Fokus. Dieses Werk ist nicht nur das umfassendste, sondern auch das wohl meist diskutierteste Werk Olsons. Es steht im Mittelpunkt der vorliegenden Betrachtung. Den Abschluss der Trilogie bildet Power and Prosperity (Olson 2000), das erst posthum im Jahr 2000 veröffentlicht wurde und sein wohl politischstes Buch ist. Es baut auf den vorangegangenen Werken auf und führt sie dort weiter, wo Olson seinerzeit aus Gründen der Einfachheit, des Platzes oder des fehlenden Materials auf weiterführende Gedanken verzichtet hatte. Anlass des Buches war die Transformation der ehemaligen Staaten des Ostblocks, die viel Anschauungsmaterial für seine Theorie bot. Der Fokus der Untersuchung lag allerdings diesmal auf dem Einfluss von staatlichen Herrschaftsformen auf die ökonomische Entwicklung (Faust 2003, S. 254).

In Olsons Gesamtwerk lässt sich bei aller Interdisziplinarität so doch eine leichte Schwerpunktverschiebung entdecken. Der Ökonom, der anfangs neben der

makroökonomischen vor allem die soziologische Dimension seines Arguments betonte, entdeckte nach und nach den Wert seiner Lehrsätze für die Politikwissenschaft und für die Politik selbst, der er in seinen Büchern teilweise klare Handlungsempfehlungen gab.

  • [1] Im Folgenden werden der Titel und die Zitate aus der deutschen Ausgabe von 1985 verwendet. Unterschiede zum Originaltext (Olson 1982) werden kenntlich gemacht.
 
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