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Aufstieg und Untergang einer neuen Weltordnung: Empire von Michael Hardt und Antonio Negri

Linda Wimmer

1 Biographien

Der italienische Marxist und Philosoph Antonio Negri wurde am 1. August 1933 in Padua geboren (Ganahl o. J.; The European Graduate School o. J.). Seine politische Orientierung an den Ideen des Marxismus verdankte er seinem Vater, da jener Mitbegründer der Kommunistischen Partei Italiens war (Ganahl o. J.; The European Graduate School o. J.). Auch wenn sein Vater verstarb, als Negri noch ein Kleinkind war, gibt er an, dass das Konzept des Kommunismus während seiner Kindheit und Jugend allgegenwärtig war und ihn nachhaltig prägte, trotz der unpolitischen Haltung seiner Mutter (Ganahl o. J.). Zum eigentlichen Kommunisten wurde er mit 13 Jahren bei einem einjährigen Aufenthalt in einem Kibbuz in Israel. Hier festigte sich seine Affinität zu kommunistischen Ideen, aber auch eine Ablehnung des stalinistischen Regimes (Ganahl o. J.). Auch ein späterer Aufenthalt in Moskau änderte an seiner Opposition gegenüber dem „sowjetischen Kommunismus“ (Preuß und Roques 1997) nichts. Nach seiner Rückkehr aus Israel widmete sich Negri seiner Schulbildung und studierte später an der Universität in Padua (Ganahl o. J.; The European Graduate School o. J.). Seinen Abschluss erwarb er 1956, danach arbeitete er in der Lehre, bevor er schließlich Professor für Staatstheorie an der Juristischen Fakultät in Padua wurde (Ganahl o. J.; The European Graduate School o. J.).

Neben seinem Interesse an Bildung war Negri schon früh politisch aktiv. In den 1950er Jahren trat er der römisch-katholischen Jugendgruppe Gioventú Italiana di Azione Cattolica (GIAC) bei (Ganahl o. J.; The European Graduate School o. J.). Von 1956 bis 1963 war er Mitglied der Sozialistischen Partei Italiens und während dieser Zeit sehr aktiv innerhalb der marxistischen Bewegung (Ganahl o. J.; The European Graduate School o. J.). Zu diesem Zeitpunkt fing Negri an, sich näher mit den Schriften von Karl Marx zu beschäftigen. Zwar war er bereits nach eigener Aussage Kommunist, aber erst nach der intensiven Lektüre von Marx in den 1950er Jahren wurde er auch Marxist (Ganahl o. J.). Sein politisches Engagement war zum einen intellektueller, zum anderen praktischer Natur. Zu ersterem ist beispielsweise die Redaktionsmitgliedschaft bei der marxistischen Zeitschrift Quaderni Rossi ab Anfang der 1960er zu zählen (Ganahl o. J.; The European Graduate School o. J.). Zu letzterem gehört die Mitbegründung von Arbeiterbewegungen, wie beispielsweise Potere Operaio oder Operaismo, welche beide durch einen kommunistischen Hintergrund geprägt waren (Ganahl o. J.; The European Graduate School o. J.).

Seine Beziehungen zur linken Szene in Italien und sein Engagement für den Marxismus führten 1979 zu seiner Verhaftung. Die Roten Brigaden hatten 1978 den italienischen Premierminister Aldo Moro entführt und drohten mit seiner Ermordung (Ganahl o. J.; The European Graduate School o. J.). Als Moro schließlich erschossen aufgefunden wurde, klagte die italienische Regierung Negri an. Man warf ihm vor, die Ermordung und Entführung geplant zu haben sowie eine Verschwörung zum Sturz der italienischen Regierung anzuführen (The European Graduate School o. J.). Zwar wurde Negri ein Jahr später von den Mordvorwürfen entlastet, blieb aber aufgrund anderer Anklagen weiterhin im Gefängnis (The European Graduate School o. J.). Negri bestritt seine Zugehörigkeit zu den Roten Brigaden und führte an, dass er aufgrund seiner marxistischen Ansichten und Arbeit in der sozialistischen Bewegung fälschlicherweise als Chefideologe und Ideengeber der terroristischen Gruppe ins Fadenkreuz der italienischen Regierung geraten sei (Ganahl o. J.).

Während seines Gefängnisaufenthaltes wurde er als Abgeordneter gewählt und temporär freigelassen (Ganahl o. J.; The European Graduate School o. J.). Dies nutzte er, um 1983 nach Frankreich zu fliehen (Ganahl o. J.; The European Graduate School o. J.). Im französischen Exil lehrte er als Philosophieprofessor in Paris (Ganahl o. J.; The European Graduate School o. J.). Neben seiner Lehrtätigkeit engagierte er sich auch hier politisch, jedoch eher in intellektueller als praktischer Form. So wurde er 1990 Mitbegründer des Journals Futur Antérieu, welches 1998 eingestellt und 2000 unter dem neuen Namen Multitude wieder aufgelegt wurde (Ganahl o. J.; The European Graduate School o. J.).

1997 kehrte Negri nach 14 Jahren in Frankreich zurück nach Italien, um den Rest seiner Haftstrafe abzusitzen, welche von 30 auf 13 Jahre reduziert wurde (The European Graduate School o. J.). Als Grund für seine Rückkehr gab er den Wunsch an, mit der Zeit des italienischen Terrorismus abschließen zu können und weiterhin die Diskussion um eine mögliche Reduzierung der „unmäßig harten Strafen aus jenen Jahren“ (Preuß und Roques 1997) voranzutreiben. In diesem Zusammenhang betonte Negri immer wieder in Interviews, dass der Kampf nicht umsonst gewesen sei, bedauerte den Tod von Zivilisten, die in dieser Phase der italienischen Geschichte umkamen, und distanzierte sich gleichzeitig von den Vorwürfen, für die Taten der Roten Brigaden mitverantwortlich zu sein (Preuß und Roques 1997). Während seiner Zeit hinter Gittern erschienen viele seiner einflussreichsten Werke. Seit seiner Entlassung lebt Negri in Frankreich und Italien (The European Graduate School o. J.).

Der Co-Autor von Empire, der amerikanische Literaturwissenschaftler Michael Hardt, wurde im Januar 1960 in Washington D.C. geboren (Vulliamy 2001). Hardts Vater, ein Sowjetologe mit dem Forschungsschwerpunkt auf Wirtschaftsthemen, arbeitete für die Library of Congress (Vulliamy 2001). Hardt selbst startete seine wissenschaftliche Karriere mit einem Ingenieurstudium am Swarthmore College in Pennsylvania. Vor dem Hintergrund der Energiekrise der 1970er Jahre fing er an, sich während seiner Collegezeit für alternative Energien zu interessieren (Vulliamy 2001). Dies führte soweit, dass er einen Semesterjob in einer italienischen Fabrik annahm, wo er beim Bau von Solarzellen mitarbeitete. Seine akademische Laufbahn führte er 1983 mit einem Promotionsstudium der Vergleichenden Literaturwissenschaften in Seattle fort (Vulliamy 2001). Seine Dissertation über Italien in den 1970er Jahren schrieb er in Paris unter Anleitung von Antonio Negri. Dieses Zusammentreffen bildete den Grundstein für die spätere wissenschaftliche Zusammenarbeit (Vulliamy 2001).

Nach seiner Rückkehr in die USA arbeitete Hardt zunächst in der romanistischen Fakultät der University of Southern California in Los Angeles, bevor er 1994 eine Dozentur für Literatur an der Duke University in North Carolina annahm (Vulliamy 2001). Nach dem Erscheinen des Werkes Empire (Hardt und Negri 2000), welches er mit Negri verfasste, und dessen internationalem Erfolg, wurde ihm eine Anstellung auf Lebenszeit an der Duke University angeboten (Vulliamy 2001). Seitdem lehrt der Literaturtheoretiker und politische Philosoph Hardt als Professor in North Carolina (Vulliamy 2001).

Neben seiner Lehrund Forschungstätigkeit engagierte sich Hardt auch politisch. Dieses Interesse am politischen Aktivismus entstand laut seiner Aussage erst nach seinem College-Abschluss, da er die politischen Bemühungen am Campus als zu moralistisch und zwecklos empfand (Kreisler 2004, S. 1). Sein Engagement begann Anfang der 80er Jahre im Kontext der sogenannten Schmutzigen Kriege der USA in Zentralamerika (Kreisler 2004, S. 2; Vulliamy 2001). Er arbeitete während dieser Zeit unter anderem in Mexiko, Guatemala und El Salvador für eine christliche Organisation, die Flüchtlinge in die USA brachte und ihnen Unterschlupf in Kirchen gewährte (Kreisler 2004, S. 2; Vulliamy 2001). Diese Vertriebenen waren meist auf der Flucht vor CIA-nahen Todesschwadronen und wurden in den USA als illegale Einwanderer gebrandmarkt (Vulliamy 2001).

Diese Erfahrungen, die Hardt zwar als grausam aber auch als lehrreich perzipiert, prägten nachhaltig seine Sichtweise auf die politische Rolle der USA in der Welt (Vulliamy 2001). Die Erfahrungen mit politischen Kämpfen, die er dort sammelte, bezeichnete er als Initialzündung seiner weiteren politischen und wissenschaftlichen Laufbahn (Kreisler 2004, S. 2). Für ihn gab es zwei Arten politischer Aktivisten während dieser Zeit:[1] Die einen beteiligen sich aus Schuldgefühlen, die anderen, weil sie diese Lebensweise als erfüllend betrachten. Hardt selbst zählt sich selbst zur letzteren Kategorie (Kreisler 2004, S. 2). Angestoßen von Konversationen mit Aktivisten kam er schließlich zur Erkenntnis, dass es keine wirkliche Lösung für junge Amerikaner sein konnte, nach Mittelund Südamerika zu kommen, um dort politisch aktiv zu werden (Kreisler 2004, S. 2). Denn der politische Kampf müsse nicht nur in Ländern, die im Umbruch begriffen seien, stattfinden, sondern auch in den etablierten Nationen, wie den USA selbst, vorangetrieben werden (Kreisler 2004, S. 2). Diese Feststellung prägte auch seine späteren wissenschaftlichen Werke.

  • [1] Hardt bezieht dies vor allem auf amerikanische Aktivisten, die sich außerhalb der USA engagieren
 
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