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2.3.2 Zum Wesen der Transparenz

Laut Duden ist mit Transparenz (lateinisch trans: durch und parere: scheinen) das Durchscheinen oder die Durchsichtigkeit und – als abstraktere Bedeutung – die Verstehbarkeit und Deutlichkeit eines Betrachtungsgegenstandes gemeint [1]. Inwieweit und unter welchen Bedingungen sich dieser Zustand herstellen lässt, hängt einerseits vom Betrachter und andererseits von der Beschaffenheit des Betrachteten ab: Das Treiben der Fische in einem Goldfischglas etwa ist von außen ungleich leichter zu erkennen als das Treiben der Menschen in einer von ihnen gebildeten Organisation. Ist von einer Steigerung der Transparenz die Rede, dann geht es demnach darum, bislang verborgene Eigenschaften und Zusammenhänge sichtund verstehbar zu machen.

Transparenz entsteht für den Einzelnen durch die direkte Wahrnehmung und Beobachtung von Sachverhalten und durch Kommunikation. Es handelt sich dabei um eine subjektiv empfundene Durchschaubarkeit. Um eine möglichst

‚objektive' Sichtbarkeit im Sinne einer Annäherung an eine unabhängig vom Erkenntnissubjekt existierenden Realität zu erreichen, müssten bestimmte erkenntnistheoretische Mindestanforderungen wie die logische Nachvollziehbarkeit und die intersubjektive empirische Überprüfbarkeit von Aussagen erfüllt sein. (vgl. Schurz 2006, S. 27f.; Wirth & Fretwurst 2010, S. 68)

Will eine Redaktion nun die Durchschaubarkeit ihrer Produkte und ihres ‚Innenlebens' für Außenstehende erhöhen, so kann sie nur versuchen, möglichst viel davon direkt zu zeigen, das heißt für Außenstehende zugänglich und wahrnehmbar zu machen, und sich in der Kommunikation, das heißt in der Produktion von Aussagen über sich selbst, an wissenschaftlichen Kriterien der Wahrheitsfindung zu orientieren. Die organisationale ‚Wahrheit' sollte sich im kommunikativen Handeln der Organisationsmitglieder widerspiegeln, damit möglichst wenige kommunikative Widersprüche entstehen. So steigt die Chance, dass die Selbstdarstellung der Redaktion in der Öffentlichkeit als ehrlicher Versuch wahrgenommen wird, Transparenz herzustellen. Bei Täuschungs oder Verschleierungsversuchen von Seiten der Redaktion besteht zudem die Gefahr, dass Außenstehende von sich aus darauf stoßen. Mit diesem Unterschied zwischen freiwillig und unfreiwillig erzeugter Transparenz beschäftigt sich der folgende Abschnitt.

  • [1] Vgl. Duden. Das Fremdwörterbuch, 9., aktualisierte Auflage, Dudenverlag 2006, S. 1051
 
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