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II. Theoretische Grundlegung

3 Die Zeitungsredaktion als soziales System

In den vorangegangenen beiden Kapiteln wurde begründet, warum der Anspruch, die journalistische Qualität von Zeitungen transparent zu machen, auch und vor allem mit der Frage verbunden ist, wie eine Redaktion den Lesern und der Öffentlichkeit insgesamt Einblicke in ihr Innenleben und ihre Beziehungen zur Umwelt gewähren kann (Ziel der redaktionellen Transparenz). Um dieser Frage aus wissenschaftlicher Perspektive nachzugehen, ist die Zeitungsredaktion in ihre ‚Bestandteile' zu zerlegen und das Handeln der in das Organisationsgeschehen involvierten Akteure näher zu beleuchten. Dafür ist zunächst zu klären, auf welcher theoretischen Grundlage dies vonstattengehen soll.

Mit Organisationen als Forschungsgegenstand haben sich insbesondere Soziologen und Betriebswirtschaftler beschäftigt. Auch Medienund Kommunikationswissenschaftler setzen sich – oftmals unter dem Label „Redaktionsforschung[1]“ mit den Strukturen und Managementprozessen von und in journalistischen Organisationen auseinander. Die daraus hervorgegangenen Veröffentlichungen knüpfen vor allem an die betriebswirtschaftliche Organisationslehre und die Systemtheorie an [2]. (vgl. Altmeppen 2006b, S. 11, 2007, S. 286ff.) Seit Ende der 90er Jahre finden sich jedoch auch vermehrt Forschungsarbeiten aus dem Fach Journalistik, die andere organisationssoziologische Theorieperspektiven wählen als die der Systemtheorie. (vgl. Wyss 2004, S. 52f.)

Was die „klassische“ betriebswirtschaftliche Organisationslehre betrifft, so handelt es sich dabei allerdings nicht um eine Theorie. Sie stellt vielmehr den Versuch dar, Regeln für die Ausgestaltung formaler Organisationsstrukturen zu entwickeln und Managern das Organisieren beizubringen. Das kann in Form von Richtlinien, Leitfäden oder über identifizierte „best practices“ sogenannter erfolgreicher Unternehmen geschehen[3]. (vgl. Kieser & Walgenbach 2007, S. 32f.) Da in diesem Kapitel zu zeigen sein wird, wie sich journalistische Organisationen theoretisch fundiert beschreiben lassen, sind solche ‚Patentrezepte' jedoch nicht zielführend.

  • [1] Altmeppen (2007, S. 287) hält den Begriff „Redaktionsforschung“ allerdings für anachronistisch „angesichts von Lokalredaktionen, die als Profitcenter outgesourct werden, angesichts einer zunehmenden Zahl an Mediendienstleistern, derer sich die ‚Redaktionen' als Zulieferer bedienen, und angesichts einer zunehmenden Zahl an freien oder festen freien Journalisten“. Deshalb ersetzt er den Begriff der Redaktion durch den der journalistischen Organisation
  • [2] Als Initiator der deutschen Redaktionsforschung gilt Manfred Rühl mit seiner Studie „Die Zeitung als organisiertes soziales System“, in der er sich auf die von Niklas Luhmann geprägte funktional-strukturelle Systemtheorie und auf entscheidungstheoretische Ansätze stützt. (vgl. Rühl 1979)
  • [3] Kieser & Walgenbach (2007, S. 32f.) kritisieren, dass diese Regeln eine konservative Organisationsgestaltung fördern, indem sie Lösungen festschreiben, die sich in der Vergangenheit als erfolgreich erwiesen haben. „Außerdem sind diese Regeln wertgeladen, sie orientieren sich vordergründig am Kriterium der ökonomischen Effizienz, aber oftmals schimmert – nicht nur implizit – das Motiv der Herrschaftssicherung in den Leitfäden durch.“ (ebd., S. 33)
 
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