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7 Inhaltliche Ansätze zur Verbesserung der redaktionellen Transparenz

Im vorigen Kapitel wurde dargelegt, wo die Redaktionen inhaltlich ansetzen können, um sich den Lesern und Nutzern als soziales System organisierten Handelns zu präsentieren und so die redaktionelle Transparenz zu verbessern. Diese in Tabelle 6 dargestellten Themenfelder gilt es nun zu durchleuchten: Wie lassen sich Umwelt und formale Strukturelemente der Redaktionsorganisation, das Handeln der Redaktionsmitarbeiter und deren persönliches Berufsprofil genauer beschreiben? Und welche Aspekte davon sind für die externe Transparenzkommunikation besonders relevant?

Tabelle 6: Themenfelder zur Verbesserung der redaktionellen Transparenz

Wie im dritten Kapitel erläutert, dient die Strukturationstheorie dabei als verbindender Analyserahmen. Aufgrund ihrer Abstraktheit bedürfen Konzepte wie die von Giddens beschriebenen Regeln und Ressourcen jedoch noch der inhaltlichen Füllung (vgl. Walgenbach 2006, S. 422f.). Dafür soll auf Ansätze der Organisationsund Managementforschung und insbesondere der Redaktionsforschung zurückgegriffen werden, um Redaktionen als soziale Systeme organisierten Handelns detaillierter zu beschreiben. Auf Basis von empirischen Studien lässt sich außerdem zeigen, welche Strukturen und Managementansätze sich insbesondere in Zeitungsredaktionen herausgebildet haben.

7.1 Umwelt der Redaktionsorganisation

Die Organisationsumwelt lässt sich in drei Zonen oder Ebenen unterteilen: Die Aufgabenumwelt, das Marktund Branchenumfeld (Domäne) und die gobale bzw. generelle Umwelt (vgl. Preisendörfer 2011, S. 73–76):

Die globale Umwelt ist der am weitesten gezogene Kreis der eher indirekt auf die Organisation einwirkenden gesellschaftlichen Kräfte. Gemeint sind die politisch-rechtlichen, technologischen, sozio-kulturellen, wirtschaftlichen und ökologischen Rahmenbedingungen in den einzelnen Ländern und zunehmend auch auf europäischer und internationaler Ebene. (vgl. ebd., S. 74–76; Schreyögg 2008, S. 263–267)

Dem Marktund Branchenumfeld sind diejenigen Akteure zuzurechnen, zu denen die Redaktion nicht ständig in Beziehung steht, die aber Einfluss auf das Marktgeschehen nehmen. Dazu gehören die Wettbewerber, mit denen sie um Ressourcen und Kunden bzw. Leser konkurriert, die Zulieferer dieser Wettbewerber, Branchenexperten und Berufsund Branchenorganisationen.

Zur Aufgabenumwelt im weiteren Sinne gehören all jene nicht organisierten und korporativen Akteure, zu denen die Organisation direkte Austauschbeziehungen unterhält, die also ihr Netzwerk bilden (vgl. Preisendörfer 2011, S. 74). Ihre Einflussmöglichkeiten auf Ziele, Leitung und Kontrolle sind bei Unternehmen in der Unternehmensverfassung geregelt[1]

Je nach Art der Beziehung lassen sich die Akteure verschiedenen ‚Fraktionen' zuordnen, die in der Literatur als externe Stakeholder-, Anspruchsoder Interessengruppen bezeichnet werden (vgl. Dillerup & Stoi 2008, S. 71–74). Bei Zeitungsredaktionen sind das im Wesentlichen die folgenden Gruppen (vgl. Jonscher 1995, S. 303–309; Kretzschmar, Möhring & Timmermann 2009, S. 34f.):

Ÿ die Leser und Nutzer der Zeitung und ihrer Online-Angebote

Ÿ Organisationen und Interessengruppen, die den Redaktionen Informationen liefern (u.a. städtische Behörden, Parteien und Lokalpolitiker, Verbände, Vereine, Bürgerinitiativen, Polizei und Gerichte sowie deren PRDienstleister)

Ÿ nicht organisierte Einzelpersonen, die als Informanten auftreten oder über die Redaktionen berichten

Ÿ sogenannte Laienoder Leserreporter, die den Redaktionen Fotos oder Beiträge liefern

Ÿ Berufsund Branchenorganisationen (u.a. Verlegerverbände, Gewerkschaften, Ausund Weiterbildungseinrichtungen, Organe der Medienselbstkontrolle wie der Deutsche Presserat)

Ÿ Hochschulen, die im Bereich der Journalistik forschen und JournalistikStudiengänge anbieten

Ÿ professionelle Zulieferer (u.a. freie Journalisten, Journalistenbüros, Nachrichtenagenturen und kooperierende Verlage), die den Redaktionen Rechercheergebnisse, einzelne Beiträge, ganze Seiten oder Beilagen liefern

Will sich eine Redaktion – wie in dieser Arbeit vorausgesetzt – durch ihre Professionalität und journalistische Qualität im Wettbewerb hervortun, so läuft die systematische Einbindung von Laienoder Leserreportern dieser Strategie zuwider – zumindest wenn diese Laien professionell ausgebildete Journalisten ersetzen sollen. In der weiteren Betrachtung sind sie daher zu vernachlässigen.

Mit den Berufsorganisationen pflegen die Redaktionen zwar zum Teil einen direkten Austausch, zum Beispiel indem sie einen Teil der Volontärsausbildung oder der Qualitätskontrolle an diese übertragen. Da diese Organisationen für viele Unternehmen der Branche tätig sind, können sie die Beziehungen zu ihnen jedoch selbst als zahlende Mitglieder nur bedingt selbst gestalten und Einfluss auf sie nehmen. Die Berufsorganisationen sind daher sowohl der Aufgabenumwelt als auch dem Marktund Branchenumfeld zuzurechnen. Das Gleiche gilt für die Journalistik-Fachbereiche an Hochschulen.

Besonders enge strukturelle Verbindungen können zwischen Redaktion und professionellen Zulieferern bestehen – etwa wenn freie Journalisten auf das Intranet und das Archiv der Redaktion zugreifen können, regelmäßig an den Konferenzen teilnehmen, in Projekte einbezogen sind oder sogar einen Arbeitsplatz in der Redaktion haben. Als feste freie Mitarbeiter mit Rahmenvertrag sind sie zumindest zum Teil auch an die Mitgliedschaftsbedingungen des Medienunternehmens und der Redaktion gebunden.

Zur Aufgabenumwelt im engeren Sinne werden hier außerdem noch die Medienorganisationen gezählt, unter deren Dach die Redaktionen angesiedelt sind und an die sie strukturell stark gekoppelt sind[2]. Weil Zeitungsverlage und Medienkonzerne nicht nur mit journalistischen Inhalten, sondern auch mit Werbung und anderen nicht-journalistischen Produkten ihr Geld verdienen, kann es innerhalb der Unternehmen zu Interessenkonflikten und Einflussnahmen auf redaktionelle Entscheidungen kommen (vgl. Meier 2011, S. 127f.). Außerdem teilt die Verlagsleitung der Redaktion Ressourcen zu und sorgt dafür, dass die redaktionellen Inhalte mit der Werbung zu marktfähigen Massenprodukten gebündelt und distribuiert werden (vgl. Altmeppen 2006b, S. 156–162). Abbildung 5 liefert einen Gesamtüberblick über die Umwelt der Zeitungsredaktion.

Abbildung 5: Umweltebenen der Zeitungsredaktion (eigene Darstellung)

Zentrale Aspekte für die externe Transparenzkommunikation

Während alle Redaktionen in die gleiche globale Umwelt und in das gleiche Marktund Branchenumfeld eingebettet sind, handelt es sich bei der Aufgabenumwelt um deren ganz spezifisches Beziehungsgefüge, das sich direkt auf die Qualität ihrer Arbeit auswirkt und ihr ein eigenes Gepräge verleiht. Deshalb sollte die Aufgabenumwelt im engeren und weiteren Sinne bei der Darstellung des redaktionellen Umfeldes im Mittelpunkt stehen. Bei der Aufgabenumwelt im weiteren Sinne sind insbesondere diejenigen Organisationen, Gruppen oder Einzelpersonen zu nennen, mit denen die Redaktion kontinuierliche Arbeitsbeziehungen unterhält. Im Wesentlichen sind das die Berufsorganisationen und insbesondere die professionellen Zulieferer. In der externen Transparenzkommunikation sind daher die folgenden Fragen zu beantworten:

Ÿ In welche Medienorganisation ist die Redaktion eingebunden und wie ist die Medienorganisation strukturiert?

Ÿ Mit welchen freien Journalisten bzw. Journalistenbüros arbeitet die Redaktion zusammen?

Ÿ Von welchen Nachrichtenagenturen und anderen Content-Anbietern lässt sich die Redaktion beliefern?

Ÿ Mit welchen Berufsorganisationen und Hochschulen arbeitet die Redaktion zusammen und in welcher Hinsicht? (z.B. in der Ausbildung)

Über diese Angaben hinaus ist auch transparent zu machen, wie die Redaktion ihre Beziehungen zu externen Organisationen und Akteuren genau regelt. Damit beschäftigt sich Abschnitt 7.2.3.5 (Regulierung der Umweltbeziehungen).

  • [1] Allgemein betrachtet ist unter einer Verfassung eine grundlegende, rechtswirksame Rahmenordnung eines sozialen Systems zu verstehen. Die Unternehmensverfassungen gründen sich zum Teil auf gesetzlichen Vorgaben wie dem Gesellschafts-, Arbeits-, Mitbestimmungs-, Wettbewerbsund Verbraucherschutzrecht. Der andere Teil speist sich aus kollektivvertraglichen Vereinbarungen (Tarifverträge, Betriebsvereinbarungen) und privatrechtlichen Regelungen – unter anderem in Form von Gesellschaftsverträgen, Geschäftsordnungen oder Satzungen. (vgl. Gläser 2014, S. 619f.; Hungenberg & Wulf 2011, S. 69–71) Inhaltlich lassen sich zwei Dimensionen der Unternehmensverfassung voneinander unterscheiden: (1) Die Organverfassung bestimmt die Verteilung der Machtbefugnisse auf die Spitzenorgane. (2) Die Kooperationsverfassung regelt einerseits, wie die Arbeitsbeziehungen zwischen den Spitzenorganen und den anderen Organisationseinheiten zu gestalten sind (Innenbeziehungen), und andererseits, wie die Zusammenarbeit mit Marktpartnern und anderen unternehmensexternen Stakeholdern aussehen soll (Außenbeziehungen). (vgl. Gläser 2014, S. 620–627)
  • [2] Siehe dazu die Ausführungen in Abschnitt 3.2.3. Dort wird erläutert, warum qualitätsorientierte Zeitungsredaktionen hier aus einer strukturationstheoretischen Perspektive als soziale Systeme organisierten Handelns betrachtet werden, die über eigene Ziele und Strukturen verfügen. Sie stehen zwar in einem rekursiven Verhältnis der Regulierung und Strukturierung zum Medienunternehmen, dem sie angehören, versuchen aber, die Einflussnahme von Medienmanagern und Anzeigenleitern auf ihr journalistisches Tätigkeitsfeld zu begrenzen
 
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