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F3: Wo können die Beteiligten innerhalb der einzelnen Themenfelder ansetzen, um die redaktionelle Qualitätstransparenz zu verbessern? (Kapitel 8)

Im achten Kapitel verengte sich der Blick auf das Ziel der redaktionellen Qualitätstransparenz, das heißt auf die Durchsichtigkeit und Verstehbarkeit einer Redaktionsorganisation im Hinblick auf die Gegebenheiten und Aktivitäten im Bereich der Qualitätssicherung [1]. In diesem Fall besteht die Aufgabe der externen Transparenzkommunikation darin zu zeigen, wie die Redaktionsmitglieder versuchen, ihr Handeln und die organisationalen Gegebenheiten an den formal festgelegten Qualitätszielen auszurichten[2].

Es wurde erläutert, wie die Redaktion stärker vorselektierte, im Hinblick auf die Erfüllung bestimmter Qualitätsziele gebündelte Informationen herausgeben kann: Sie legt zunächst offen, welche journalistischen Qualitätskriterien sie für die Bildung der produktbezogenen Qualitätsziele herangezogen hat. Daraufhin zeigt sie, welche aufgabenbezogenen Ziele und Strategien (allgemein und kanalspezifisch) sie aus den produktbezogenen Qualitätszielen abgeleitet hat. Geht die Redaktion von einem multiperspektivischen Qualitätsverständnis aus, das sich nicht nur an den unmittelbaren Leserbedürfnissen orientiert, so muss sie außerdem begründen, warum sie bestimmte journalistische Qualitätskriterien wie Unabhängigkeit oder Vielfalt für wichtig hält, sie muss also ein Bewusstsein für den öffentlichen Auftrag und die gesellschaftliche Funktion des Journalismus schaffen.

Im Mittelpunkt der Transparenzkommunikation stehen dabei diejenigen journalistischen Qualitätskriterien, die sich nicht unmittelbar aus den journalistischen Inhalten ‚herauslesen' lassen, sondern bei denen die Rezipienten indirekte Qualitätsindikatoren auf der Vermittlungsebene benötigen. Unter den in Abschnitt 5.3 vorgestellten zentralen Qualitätskriterien sind das vor allem die Kriterien Richtigkeit, Relevanz, Vielfalt, Unabhängigkeit und die Transparenz auf der Vermittlungsebene selbst. Für die Redaktion erwachsen daraus die folgenden Aufgaben:

Ÿ Sie zeigt, welche Strukturen in Form von Regeln und Ressourcen sie geschaffen hat, um das Geschehen nach Maßgabe der aus den zentralen journalistischen Qualitätskriterien abgeleiteten Qualitätsziele zu lenken. So kann die Redaktion zum Beispiel über ihre Fact-Checking-Abteilung (Primärorganisation) oder die regelmäßige Blattkritik-Konferenz (Sekundärorganisation) informieren und den Qualitätsbezug der Content-Produktionsprogramme herausstellen (Selektionsprogramme, Rechercheprogramme etc.).

Ÿ Sie kommuniziert, inwiefern sich die Redaktionsmitarbeiter in ihrem Handeln im Leistungsund Managementprozess an die Qualitätsziele und die diesbezüglichen Regeln und Ressourcen halten und legt dar, über welche Kenntnisse und Erfahrungen die für Qualitätssicherung verantwortlichen

Mitarbeiter verfügen (z.B. Erfahrungen mit dem Aufbau von Qualitätsmanagementsystemen).

Ÿ Sie informiert über andere Verlagsbereiche und über externe Akteure, Initiativen und Organisationen, mit denen sie im Bereich der Qualitätssicherung direkt zusammenarbeitet oder die einen direkten Einfluss auf sie ausüben (Aufgabenumwelt). Dazu gehören unter anderem Leserbeiräte, wissenschaftliche Institute, Beratungsunternehmen, Berufsorganisationen und Zertifizierungsanbieter.

Die Redaktion liefert den Lesern oder Nutzern also gleichsam Qualitätsmaßstäbe und -indikatoren, die sie mit ihren eigenen Maßstäben abgleichen können, um daraufhin ihr Qualitätsurteil zu fällen.

  • [1] Siehe dazu die Definition des Begriffes „redaktionelle Qualitätstransparenz“ in Abschnitt 2.4.2.4
  • [2] Siehe dazu die Definition des Begriffes „Qualitätssicherung“ in Abschnitt 2.4.2.2
 
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