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F4: Welche Grenzen und Risiken können die Redaktion dazu bewegen, bestimmte Inhalte aus der externen Transparenzkommunikation auszuklammern? Welche aufgabenbezogenen Schwerpunktsetzungen sind plausibel? (Kapitel 9)

Welche Informationen die Redaktion aus der externen Transparenzkommunikation heraushält, hängt von bestimmten Grenzen und Risiken ab. Sie führen zu Ausgrenzungsentscheidungen, die es den Lesern gegenüber zu begründen gilt, um den Eindruck von Willkür zu vermeiden. An Grenzen stößt die Transparenzkommunikation, wenn Informanten zu schützen sind und wenn die Redaktionsmitarbeiter nicht oder nur zum Teil dazu bereit sind, sich zur ‚öffentlichen Person' machen zu lassen (begrenzte Bereitschaft zur Selbstdarstellung). Risiken für die Arbeitsfähigkeit der Redaktion bestehen darin, dass Transparenz die Wettbewerbsfähigkeit des Verlages, die Qualität der investigativen Berichterstattung und die Autonomie redaktioneller Entscheidungen einschränken kann.

Die aufgabenbezogenen Schwerpunkte der externen Transparenzkommunikation ergeben sich aus der Frage, welche Informationen dem Publikum die direktesten Rückschlüsse auf die Qualität der Berichterstattung ermöglichen. Schwerpunkte sind demnach bei den Grundzügen der Redaktionsorganisation, der Content-Produktion, der Personalarbeit und der externen Transparenzkommunikation selbst zu setzen. Ob die Leser und Nutzer diese Inhalte tatsächlich ins Zentrum ihrer Informationssuche rücken, ist allerdings noch durch empirische Studien zu prüfen.

F5: Welche Besonderheiten weist die externe Transparenzkommunikation von journalistisch arbeitenden Redaktionen im Vergleich zu der von anderen Organisationen auf? (Kapitel 10)

Will eine Redaktion Außenstehenden und insbesondere Lesern und Nutzern Einblicke in ihre Arbeit verschaffen, so fallen diese Aktivitäten zunächst in den Aufgabenbereich der Öffentlichkeitsarbeit. Redaktionen weisen nun aber die Besonderheit auf, dass ein Teil der externen Transparenzkommunikation eng mit der journalistischen Arbeit verwoben ist. Dieser Doppelcharakter der Transparenzkommunikation zeigt sich vor allem dann, wenn es darum geht, das auf einen bestimmten Artikel, ein Themendossier oder eine Zeitungsausgabe bezogene Handeln der Redakteure und freien Mitarbeiter im Leistungsprozess und die darauf bezogenen Führungsentscheidungen ihrer Vorgesetzten für die Leser und Nutzer transparent zu machen.

Erscheinen diese selbstreflexiven Informationen im redaktionellen Teil der Zeitung und ihrer Online-Angebote, so werden sie zum Produktbzw. ContentBestandteil. Die Ziele der externen Transparenzkommunikation fließen deshalb sowohl in die konzeptionelle Entwicklung des redaktionellen Teils als auch in die täglich neue Produktion der Zeitung und ihrer Inhalte ein. Externe Transparenzkommunikation ist daher nicht nur als PR-Aufgabe, sondern zum Teil auch als journalistische Aufgabe anzusehen.

PR-Kommunikation bzw. Öffentlichkeitsarbeit wurde in dieser Arbeit als gemanagte Kommunikation einer Organisation mit ihrer Umwelt definiert, deren Ziel darin besteht, die organisationalen Interessen und Aktivitäten zu legitimieren. Das geschieht durch eine gezielte und strategisch geplante Beeinflussung der Umwelt und durch das Weiterleiten von Fremdbeschreibungen an andere Organisationsbereiche, um einen internen Reflexionsprozess über die Organisationspolitik in Gang zu halten.

Die externe Transparenzkommunikation ist demgegenüber als eine spezielle Form der Öffentlichkeitsarbeit anzusehen, die an bestimmte Ziele und daraus abgeleitete Spielregeln gebunden ist. Will eine Redaktion die (Qualitäts-) Transparenz verbessern, so kann sie nicht nur dort, wo es ihr gerade passt und vorteilhaft erscheint, selektiv Informationen herausgeben. Stattdessen muss sie sich auch für Anfragen und Kontrollen von außen öffnen und sich um Wahrhaftigkeit, das heißt um eine wahrheitsgemäße Darstellung der redaktionellen Arbeit bemühen. Die Selbstbeschreibungen, die sie dafür liefert, sind in erster Linie kognitiver Natur: Sie dienen dazu, das Wissen der Bezugsgruppen über die Redaktionsorganisation zu erweitern und werden daher auch nur mit denjenigen Fremdbeschreibungen abgeglichen, die den Wissensstand des Publikums widerspiegeln. Aufgrund dieser Differenzierungen wurde die in Abschnitt 2.4.2.5 formulierte Definition wie folgt erweitert:

Externe Transparenzkommunikation ist die gemanagte Kommunikation einer Redaktionsorganisation mit ihrer Umwelt, die vom Bemühen um redaktionelle Transparenz und/oder redaktionelle Qualitätstransparenz geleitet ist. Das geschieht durch eine gezielte und strategisch geplante Erweiterung des Wissens der Bezugsgruppen über die Redaktionsorganisation und durch das Weiterleiten von darauf bezogenen Fremdbeschreibungen an andere Organisationsbereiche, um einen internen Reflexionsprozess über die Organisationspolitik in Gang zu halten.

 
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