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2.2 Merkmalsträger, Merkmale, Merkmalsausprägungen

Die Kommunikationswissenschaft erhebt nicht nur Merkmale von Personen. Auch bei Fernsehsendern können bestimmte Merkmale identifiziert werden, die von Interesse sind. Dies sind zum Beispiel die Einschaltquote eines Senders, die Anzahl der Beschäftigten bei diesem Sender oder die technische Reichweite. In wissenschaftlichen Untersuchungen kann also auch ein Fernsehsender zum Merkmalsträger werden. Das Gleiche gilt für Zeitungsartikel. Wie häufig werden die Kanzlerkandidaten der großen Parteien erwähnt? Welche Eigenschaften werden ihnen zugeschrieben? Wie ist die Themenstruktur in bestimmten Artikeln? (Tab. 2.1)

In diesem Fall ist der Merkmalsträger ein Zeitungsartikel, der bestimmte Merkmale mit bestimmten Ausprägungen aufweist. Man kennt also ganz verschiedene Merkmalsträger, denen die verschiedensten Merkmale in unterschiedlichen Merkmalsausprägungen zu eigen sind. Aus der jeweiligen Fragestellung folgt, mit welcher Methode die Merkmalsträger und ihre Merkmale untersucht werden. Wenn Zeitungsartikel die Merkmalsträger sind, scheidet die Methode der Befragung aus. Zeitungsartikel lassen sich nicht befragen. Personen als Merkmalsträger dagegen kann man befragen oder beobachten, aber keiner Inhaltsanalyse unterziehen.

2.3 Messbzw. Skalenniveaus

Durch die äquivalente Überführung empirischer in numerische Relative entstehen Skalen. Beispielsweise wird die Länge von Objekten mit einer Skala, dem Metermaß, gemessen. Dabei gibt es verschiedene Arten von Skalen, die sich hinsichtlich ihres Messniveaus und ihrer mathematischen Eigenschaften unterscheiden. Am sogenannten Skalenniveau erkennt man, ob erhobene Werte zum Beispiel zusammengezählt und anschließend geteilt werden dürfen, um etwa einen Mittelwert zu errechnen. Wollte man dies mit den Werten 1 für männlich und 2 für weiblich tun, um dann

Tab. 2.1 Beispiele für Merkmalsträger, Merkmale, Ausprägungen sowie ihre Überführung in numerische Relative

Merkmalsträger Merkmal Ausprägung Numerisches Relativ

Personen Wahlverhalten CDU/CSU 1

SPD 2

Grüne usw. 3

Fernsehnutzung ARD 1

ZDF 2

RTL usw. 3

Haushalte Einkommen Bis 749 1

750–1499 2

1500–2249 3

usw.

Familienmitglieder Eltern 1

Großeltern 2

Kinder usw. 3

Zeitungsartikel Thema Außenpolitik 1

Innenpolitik 2

Sport usw. 3

Quelle der Nachricht dpa 1

AP 2

AFP usw. 3

„1,5“ herauszubekommen, läge man zwar mathematisch goldrichtig, der Sache nach jedoch ziemlich daneben. Die Überführung von konkreten Merkmalsausprägungen in reine Zahlen birgt durchaus Risiken. Der konkrete, in der sozialen Realität wahrnehmbare Fall, zum Beispiel das politische Engagement eines Befragten, wird mit dem Messvorgang nicht nur in seiner Komplexität extrem reduziert (es wurde schon mehrfach betont, dass in der empirischen Kommunikationsforschung zumeist nur ein ganz bestimmter Aspekt erhoben und analysiert werden soll). Mit dem kleinen Kreuzchen eines Interviewers bei der Zahl Zwei (sagen wir, 2 stünde für die Antwort „Ich gehe ab und zu auf eine Bezirksversammlung.“) ist ein großer Schritt, nämlich mitten in die Mathematik bzw. Statistik, getan. Man kann mit der Zahl rechnen. Um allerdings sachlogischen Unsinn zu vermeiden, ist der gedankliche Rückbezug auf den Ausgangspunkt immer wichtig: Was will man eigentlich mit den Zahlen herausbekommen? Mit welchen Merkmalen hat man es gerade zu tun? Was „darf “ man überhaupt mit diesen Merkmalen rechnen, ohne Nonsens zu produzieren? Zu dieser Entscheidung gibt es klare Vorschriften, die sich mit den oben schon erwähnten Skalenniveaus auseinandersetzen. Grundsätzlich unterscheidet man drei Skalenniveaus:

 
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