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2.4 Differenziertheit von Messungen

Für die empirische Kommunikationsforschung sind die drei relevanten Skalenniveaus – Nominalskala, Ordinalskala und Intervallskala – hauptsächlich wegen der unterschiedlichen Differenziertheit der Messung interessant. Je höher das Skalenniveau, desto differenzierter die Messung.

Je detaillierter ein Sachverhalt gemessen wird, desto genauere Aussagen können über diesen Sachverhalt gemacht werden.

Da keinem Merkmal a priori das richtige Skalenniveau anhängt, kommt es auf das Forschungsinteresse an, welches mit einer bestimmten Messung verfolgt wird. Man denke noch einmal an das Beispiel des „Vielsehers“. Auf die Frage „Sehen Sie viel fern?“ erhält man genau zwei Merkmalsausprägungen, nämlich ja und nein. Abgesehen davon, dass gar nicht angegeben wurde, was „viel“ ist, lassen sich die Befragten nur sehr grob in zwei Gruppen einteilen. Bei einer Frage nach dem täglichen Fernsehkonsum in Minuten kann man Vielseher schon sehr viel differenzierter beschreiben. Man hat dann die Möglichkeit, die Befragten in Gruppen einzuteilen (bis zu einer Stunde, bis zu zwei Stunden etc.) und zu prüfen, in welcher Gruppe die meisten Befragten landen. Man kann Minimum und Maximum bestimmen und Mittelwerte ausrechnen. Der Vorteil einer differenzierten Messung liegt also darin, dass mit den Daten mehr Berechnungen vorgenommen und sie daher detaillierter interpretiert werden können. Aus Nominalskalen lässt sich eben nicht so viel herausholen wie aus Intervallskalen. Allerdings ist immer zu bedenken, dass ein intervallskaliertes Messniveau einen größeren Aufwand bei der Erhebung, Auswertung und Ergebnisdarstellung bedeutet.

2.4.1 Wahl des richtigen Skalenniveaus

Hier soll noch einmal verdeutlicht werden, dass sich die Wahl des Skalenniveaus am Forschungsinteresse orientiert: Wollte man herausfinden, wie maskulin bzw. feminin Männer und Frauen sind, würde man eine Fragebatterie zu Männlichkeit und Weiblichkeit entwickeln. Man bekäme dann für jede Frau und für jeden Mann einen Männlichkeitswert und einen Weiblichkeitswert heraus, der intervallskaliert zum Beispiel als Index dargestellt werden könnte. Es ist also durchaus denkbar, dass selbst solche Merkmale, die für gewöhnlich nominal erhoben werden, auch als ein stetiges Kontinuum darstellbar sind. Wenn also ein Merkmal im Mittelpunkt des Interesses steht, wird man versuchen, es möglichst differenziert zu erheben, d. h. in der Regel mit Intervallskalen. Wenn umgekehrt ein Merkmal eher am Rande interessiert, dann wird man es vielleicht hinnehmen, es nur mit einer einfachen „Ja-nein-Frage“ nominal zu erheben. Theoretische Konstrukte wie der „Vielseher“ müssen demnach mit mehreren Messungen, meist auf Intervallskalenniveau erhoben werden, um der Komplexität des Phänomens gerecht zu werden. Dabei werden die verschiedenen Merkmale (Indikatoren), die man aus seinen theoretischen Überlegungen heraus dem Vielseher-Phänomen zuordnet, unterschiedlich differenziert erhoben. Fragen nach der Dauer und den Nutzenerwartungen des Fernsehkonsums werden vermutlich sehr detailliert erhoben.

Die Wahl des Messniveaus hängt jedoch nicht nur vom Erkenntnisinteresse, sondern auch vom Merkmalsträger selbst ab. Die Frage nach der politischen Einstellung kann man auf vielerlei Arten konzipieren und nicht alle Möglichkeiten werden den optimalen Erkenntnisgewinn bringen, weil der Merkmalsträger – also die Person – nicht immer antworten kann. Folgende Situation sei angenommen: Wenn man wissen will, wo eine Befragte im politischen Spektrum steht, könnte man sie fragen: „Schätzen Sie Ihre politische Präferenz eher links oder eher rechts ein?“ Das klingt, als ob es ganz leicht zu beantworten wäre. Aber was tun diejenigen, die sich tatsächlich als politisch neutral sehen? Sie haben keine Chance, gültig zu antworten. Man wird also ein verzerrtes Ergebnis bekommen und unter Umständen falsche Schlüsse aus den Daten ziehen. Die Wahl eines nominalen Messniveaus mit dichotomen Ausprägungen ist offenbar nicht angemessen. Anders verhält es sich, wenn der Befragten für dieselbe Auskunft eine Skala von 0 bis 100 vorgelegt wird, wobei die 0 eine extreme rechte, die 100 eine extreme linke Position darstellen soll. Diese Messung ist sehr viel detaillierter. Man muss sich allerdings fragen, ob eine solch genaue Skala tatsächlich entsprechend mehr Informationsgehalt bietet und nicht vielleicht die Befragten überfordert. Vermutlich wird kaum einer die Zahl 23 ankreuzen, viele dagegen 50 oder 20 oder 80. Die Skala ist zu differenziert für den normalen Bürger. Eine siebenstufige Antwortmöglichkeit für die Frage „Sind Sie politisch eher rechts oder links eingestellt?“ wird vermutlich ein guter Kompromiss zwischen Differenziertheit einerseits und Realitätsnähe andererseits sein.

 
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