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2.4.2 Veränderung des Skalenniveaus nach der Messung

Häufig werden nur bestimmte Ausprägungen eines Merkmals differenziert erfasst und damit wird eine Restkategorie in Kauf genommen. Das bedeutet, dass einem Teil der Merkmalsträger, der sich aus unterschiedlichsten „Minderheiten“ zusammensetzt, eine quasi zusammenfassende Merkmalsausprägung Sonstiges zugeordnet wird. Ein bekanntes Beispiel sind Hochrechnungen zu Bundestagswahlen, wo die Grafiken in der Regel nur diejenigen Parteien ausweisen, die die Fünfprozenthürde übersprungen haben oder nur knapp darunterliegen. Hinter der Kategorie „Sonstige“ verbergen sich sämtliche Stimmen der vielen Parteien, die unter dieser Grenze blieben. Selbstverständlich gäbe es die Möglichkeit, alle sogenannten Splitterparteien aufzuführen, denn es wurde ja bei der Wahl auch detailliert abgefragt (niemand macht sein Kreuzchen bei einer Kategorie „Sonstige“). Das allgemeine Interesse an der Hochrechnung richtet sich aber bekanntermaßen nur auf die „Großen“. Deshalb hat der Wahlforscher nach der Datenerhebung, also der Wahl, bestimmte Ausprägungen zusammengefasst, weil es dem allgemeinen Interesse entspricht.

Dieser Vorgang der späteren Zusammenfassung von Ausprägungen ist in der quantitativen empirischen Kommunikationsforschung üblich: Man erfasst zunächst die Daten sehr genau und kann bei der Analyse viele detaillierte Ausprägungen zu neuen, größeren Gruppen zusammenfassen. Ein umgekehrtes Verfahren ist jedoch nicht möglich. Wenn man bei der Datenerhebung die Ausprägungen nur sehr grob misst, kann man nicht im Anschluss aus zwei Gruppen viele kleine machen. Daraus folgt: Intervallskalierte Messvorschriften („Wie viele Minuten schauen Sie täglich fern?“) können je nach Erkenntnisinteresse bei der Auswertung zu Gruppen zusammengefasst werden. Für das Skalenniveau bedeutet das nichts anderes als dass man die Intervallskala zu einer Ordinalskala reduziert. Zum Beispiel würde die erste Gruppe alle diejenigen umfassen, die bis zu einer Stunde fernsehen, die zweite Gruppe bis zu zwei Stunden usw. Es ist sogar denkbar, das Skalenniveau noch weiter zu reduzieren. Eine nominale, dichotome Skalierung könnte dann so ausschauen, dass man Vielseher als diejenigen bezeichnet, die mehr als drei Stunden sehen, die anderen als Wenigseher.

2.4.3 Grenzen der Differenziertheit von Messungen

Zu guter Letzt spielt auch das zur Verfügung stehende Budget eine Rolle bei der Frage, wie differenziert man misst. Wissenschaftlich interessant wäre es natürlich immer, möglichst viele Personen möglichst detailliert zu untersuchen. Dies kostet jedoch zusätzliches Geld. Ein weiterer Grund, der dagegen spricht, möglichst ausführlich und differenziert zu erheben, ist die endliche Geduld der zu Untersuchenden. Zeitungsartikel kann man unendlich detailliert und lange analysieren, das ist nur eine Frage des Geldes (und allenfalls der Belastbarkeit der Codiererinnen und Codierer). Befragte werden aber bei zu langen Fragebögen ihre physischen und psychischen Grenzen erreichen. Die kann dazu führen, dass sie die Befragung abbrechen oder, was sogar problematischer wäre, ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr aufmerksam zuhören und die Fragen nicht mehr wahrheitsgemäß beantworten.

Die Konzeption einer Studie orientiert sich also nicht nur am wissenschaftlichen Erkenntnisinteresse. Der Forschungsprozess (vgl. Abb. 1.4) ist auch bestimmt von zeitlichen und finanziellen Restriktionen sowie pragmatischen Erwägungen, die bis hin zu Überlegungen zur Differenziertheit von Messungen gehen können.

 
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