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Messen und Zählen II

3.1 Indexbildung und Skalierungsverfahren

Wie erfolgt nun die Messung von komplexeren Konstrukten in einer angemessenen Form? Im Folgenden werden die gängigsten Verfahren zur Skalenkonstruktion dargestellt. Zunächst einmal unterscheidet man zwischen Skalen und Indizes. Man beachte hierbei die unterschiedliche Verwendung des Begriffs „Skala“. Beim Skalenniveau, das im vorigen Kapitel dargestellt wurde, bezieht er sich auf die Differenziertheit der Messung, in diesem Kontext zielt er auf die Zusammenfassung mehrerer Einzelmessungen zu einem Gesamtwert. Jedes dieser Skalierungsverfahren hat unterschiedliche Konstruktionsprinzipien, die im Folgenden beschrieben werden.

Indizes repräsentieren einen Merkmalsraum, d. h., in einem Index sind bereits mehrere Items rechnerisch zusammengefasst.

Skalen sind Messinstrumente, die sich aus mehreren Einzelmessungen (Items) zusammensetzen, die alle das gleiche Merkmal oder ähnliche Merkmale erfassen und sich auf das gleiche Konstrukt beziehen.

3.1.1 Indizes

Ein Phänomen der sozialen Realität, das mittels einer empirischen Studie untersucht werden soll, kann nicht mit einer Messung vollständig abgebildet werden, sondern erfordert in der Regel eine ganze Reihe von Messungen. Mit der operationalen Definition von Begriffen werden Indikatoren bestimmt, die den Gegenstandsbereich adäquat abbilden sollen. Gewaltbereitschaft wird man eben nicht mit einer Frage, sondern nur mit einem umfangreichen Katalog von Messungen in den Griff bekommen. Trotzdem bleibt es das Ziel der empirischen Forschung, das theoretische Konstrukt systematisch, intersubjektiv nachvollziehbar und im wahrsten Sinn des Wortes berechenbar darzustellen. Die Konstruktion eines Indexes erfolgt genau zu diesem Zweck. Man entwickelt zunächst viele Indikatoren, die ein Konstrukt beschreiben, misst sie und reduziert sie am Ende wieder zu einem Zahlenwert, der dann zum Beispiel das Ausmaß an Gewaltbereitschaft repräsentiert. Dieser Zahlenwert stellt dann den Index dar.

Ganz praktisch kennt jeder die Verwendung solcher Indizes, die für die beliebten Psychotests in Zeitschriften verwendet werden: „Testen Sie Ihr Einfühlungsvermögen!“, „Sind Sie ein guter Liebhaber?“, „Sind Sie ein guter Autofahrer?“. Diese und ähnlich spannende Selbsteinschätzungen werden mit Hilfe von Indexbildungen plastisch gemacht. Der Test der Autofahrerqualitäten besteht dann natürlich nicht in der Frage, ob man sich selbst als guten Autofahrer einschätzt, sondern in einer Batterie von Fragen, die die verschiedenen Indikatoren von Autofahrerqualitäten vollständig und exklusiv abbilden sollten. Ein guter Autofahrer muss vorausschauend fahren, muss auf Sicherheit bedacht sein, darf nicht zu schnell fahren und darf in Krisensituationen nicht den Kopf verlieren. Der Index „Guter Autofahrer“ setzt sich aus verschiedenen Indikatoren zusammen und für jeden Indikator nimmt man eine Messung vor in Form einer Frage, die der Leser mit „Ja“ oder „Nein“ bzw. a, b, c oder d beantworten soll. Das Resultat sind dann Punktwerte, die den Aspiranten einer Gruppe zuordnen. Der Punktwert selbst ist genau der Index, der alle Messungen umfasst.

Egal, ob es sich nun um einen Gute-Autofahrer-Index oder einen solchen zur Gewaltbereitschaft handelt: Der Einsatz von Indizes hat Implikationen, die unbedingt mit bedacht sein wollen:

• Indizes reduzieren den Merkmalsraum. Differenzierte Beschreibungen einzelner Indikatoren gehen verloren.

• Der Index ist die Summe aller gemessenen Merkmale und damit selbst ein neues Merkmal.

• Der Index muss den Merkmalsraum, sprich die Indikatoren eines theoretischen Konstruktes, vollständig und eindimensional abbilden [1].

• Der Index selbst hat das Niveau einer Intervallskala, auch wenn die in ihm steckenden Indikatoren nominal (ja/nein) oder ordinal erhoben wurden.

• Die Messungen, die in den Index eingehen, sollten alle dasselbe Messniveau aufweisen, also z. B. nominale, dichotome Skalen sein.

Mit dem Vorteil, den ein Index zweifellos bietet, nämlich sozusagen auf einen Blick ein ganzes Konstrukt schön griffig darzustellen, handelt man sich immer auch den Nachteil ein, dass ein Index eine stark verkürzende, vollständig abstrakte Darstellung eines Untersuchungsgegenstandes ist. Deshalb wird man nicht ausschließlich mit Indizes arbeiten und argumentieren, eben weil sie wenig anschaulich sind.

  • [1] Nicht eindimensional wäre zum Beispiel die Aufnahme des folgenden Indikators in den Gute-Autofahrer-Index: Autowaschhäufigkeit. Würde man diesen Indikator mit aufnehmen, bekäme man am Ende (speziell in Deutschland) wahrscheinlich einen verzerrten Indexwert heraus
 
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