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3.1.3 Likert-Skala

Der zweite Skalentyp, der in der Kommunikationsforschung häufig eingesetzt wird, ist die sogenannte Likert-Skala. Bei dieser Likert-Skala sind die einzelnen Items intervallund nicht wie bei der Thurstone-Skala nominalskaliert. Sie beziehen sich aber ebenfalls alle auf ein theoretisches Konstrukt.

Eine Likert-Skala besteht aus mehreren mindestens fünfstufi Items, die zu einem Index zusammengefasst werden.

Das Verfahren der Likert-Skala ist ähnlich wie bei der Thurstone-Skala. Zunächst wird eine große Anzahl von Items (ca. 100), die ein theoretisches Konstrukt eindimensional abbilden sollen, einer Stichprobe von Personen vorgelegt. Die Antwortvorgaben sind allerdings nicht dichotom (ja/nein), sondern abgestuft (z. B. trifft voll zu, trifft teilweise zu, unentschieden, trifft teilweise nicht zu, trifft gar nicht zu). Die Abstufungen können wie im Beispiel mit Textvorgaben belegt werden oder eine Zahlenskala beinhalten („Auf einer Skala von −5 bis +5, wie sympathisch ist Ihnen dieser Politiker?“). Für die endgültige Likert-Skala werden dann jene Items ausgewählt, die sich in der Vorstudie als geeignet erwiesen haben. Das sind erstens Items, die sich besonders dazu eignen, zwischen den beiden Gruppen der Vorstudienteilnehmer mit einer insgesamt sehr positiven bzw. sehr negativen Einstellung zu einem Gegenstand zu unterscheiden. Damit ist gemeint, dass sie von möglichst vielen Personen mit einer insgesamt sehr positiven Einstellung in die eine Richtung und von möglichst vielen Personen mit einer insgesamt negativen Einstellung in die andere Richtung beantwortet werden. Zweitens werden nur solche Items aufgenommen, die ähnlich wie die übrigen Items der Skala beantwortet wurden. Die endgültige Skala soll ein Konstrukt ja eindimensional abbilden.

Die so entwickelte Likert-Skala kann nun in der Forschung eingesetzt werden. Die Antworten auf die einzelnen Items werden summiert. Bleiben wir bei dem Beispiel der Politikerbeurteilung. Von jemandem, der über mehrere Politiker hinweg einen Wert von +2,5 erhält, würde man annehmen, dass er Politiker schätzt und vermutlich nicht politikverdrossen ist. Von jemandem mit einem Durchschnittswert von −3,5

würde man das Gegenteil annehmen. Es wird sicher Befragte geben, die ausschließlich die Politiker der eigenen Partei mögen, andere werden vielleicht unabhängig von der eigenen Parteineigung urteilen. Der Indexwert einer Likert-Skala bildet jedenfalls die untersuchte Eigenschaft besser ab als ein einzelnes Item. Der Gesamtpunktwert ist für sich aussagekräftiger als der einer Thurstone-Skala, weil die einzelnen Items schon intervallskaliert sind. Daher ist die Likert-Skala sehr viel gebräuchlicher als die Thurstone-Skala.

Man muss sich natürlich die Frage stellen, ob die entwickelten Skalen (also die definierten Indikatoren und die dazugehörigen Fragen) tatsächlich das messen, was sie messen sollen, nämlich beispielsweise Politikverdrossenheit. Daher versuchen wir, auf bereits bewährte Skalen aus anderen Untersuchungen zurückzugreifen, so dass die Ergebnisse der eigenen Untersuchung anschlussfähig sind. Es hätte keinen Sinn, immer wieder ein völlig neues Messinstrument zu konzipieren. Man erfindet ja auch nicht jedes Mal einen neuen Meterstab, wenn man eine Längenmessung vornehmen will.

3.1.3.1 Semantisches Differential

Das semantische Differential, von Charles Osgood und seinen Mitarbeitern entwickelt, ist eine typische Anwendung einer Likert-Skala mit dem Ziel, den Bedeutungsgehalt eines Begriffes empirisch zu bestimmen.

Semantische Differentiale bestehen in der Regel aus etwa 10 bis 20 Gegensatzpaaren. Auch hier werden die Befragten gebeten, ihre Meinung auf einer fünfoder siebenteiligen Skala abzubilden. Der Befragte ordnet dem Untersuchungsgegenstand einen Wert zwischen den beiden Polen zu, weshalb man auch von einem Polaritätenprofil spricht. Danach werden die ermittelten Werte verbunden und es entstehen vertikale „Fieberkurven“. Beliebt ist diese Sonderform der Likert-Skala, wenn man unterschiedliche Bewertungen zu Politikern oder Objekten wie zum Beispiel Städ-

Abb. 3.1 Auszug aus einem semantischen Differential zur Bewertung zweier Objekte

ten plakativ präsentieren möchte. Im Prinzip sind auch Vorher-Nachher-Vergleiche möglich, die dann einen Einstellungswandel zwischen zwei Zeitpunkten darstellen. Vorteil des semantischen Differentials ist darüber hinaus, dass man ganz unterschiedliche Objekte miteinander vergleichen kann (vgl. Abb. 3.1).

 
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