Menü
Start
Anmelden / Registrieren
Suche
 
Start arrow Medien und Kommunikationswissenschaft arrow Methoden der empirischen kommunikationsforschung
< Zurück   INHALT   Weiter >

Auswahlverfahren

Empirische Forschungsvorhaben, die Aussagen über große Populationen, zum Beispiel die deutsche Bevölkerung, machen wollen, untersuchen in der Regel nur einen Bruchteil dieser Population. Es wäre unsinnig und häufig sogar unmöglich, die gesamte Population zu untersuchen. In diesem Abschnitt geht es darum, nach welchen Kriterien Menschen ausgewählt werden, an einer Untersuchung teilzunehmen, warum man auf der Straße gebeten wird, bei einem Interview mitzumachen und warum ausgerechnet ein bestimmter Haushalt für die GfK-Messung von Einschaltquoten ausgewählt wird. Warum werden nicht alle, sondern meistens nur ein winziger Teil der in Frage kommenden Personen befragt? Und sind die Ergebnisse dieser Befragungen dann überhaupt aussagekräftig?

4.1 Grundgesamtheit

Es hängt von der jeweiligen Fragestellung ab, über welche Personen bzw. Merkmalsträger in einer Untersuchung Aussagen gemacht werden. Dieser Geltungsbereich wird die Grundgesamtheit von Fällen genannt. Die Untersuchung und anschließende Ergebnisdarstellung beziehen sich ausschließlich auf diese definierte Grundgesamtheit, also auf eine ganz bestimmte Objektmenge. Man kann zum Beispiel nicht Rundfunkräte befragen und in der Diskussion Aussagen über die deutsche Bevölkerung machen. Wie bereits im ersten Kapitel erwähnt, sind in der Regel nicht Individuen in ihrer ganzen Komplexität der Fokus des Interesses, sondern bestimmte Merkmale. Dass ein Wähler, über dessen Wahlverhalten ich in einer Untersuchung Aussagen mache, natürlich auch noch Bahnfahrer, Haushaltsvorstand und Käufer von Waschmitteln ist, interessiert in diesem Moment nicht, denn die quantitative empirische Forschung untersucht eben nur diejenigen Merkmale eines Merkmalsträgers, die für die Fragestellung relevant sind.

Eine Grundgesamtheit ist die Menge von Objekten, über die Aussagen getroffen werden sollen.

Für die Frage, wie die Grundgesamtheit am besten untersucht werden kann, sind zwei Sachverhalte wichtig: Ist die Grundgesamtheit endlich oder unendlich und ist sie bekannt oder unbekannt? Es gibt einige wenige Fälle in der empirischen Kommunikationsforschung, in denen die Grundgesamtheit bekannt und endlich ist; zum Beispiel die deutschen Rundfunkund Medienräte der verschiedenen Rundfunkund Landesmedienanstalten. Da es nur etwa 1 000 gibt, könnte man sie alle befragen. Das Gegenstück dazu sind Fernsehzuschauer. Weder sind alle Fernsehzuschauer dieser Welt bekannt noch ist ihre Anzahl endlich, weil in jeder Sekunde Menschen geboren werden und sterben, sich Fernsehgeräte anoder abschaffen etc. Das Gleiche gilt natürlich auch für die Bevölkerung von Deutschland, weil Menschen einund auswandern, ihren Wohnsitz wechseln oder nicht mehr auffindbar sind. In Fällen, in denen die Grundgesamtheit bekannt und endlich ist, kann man durch Auswahlverfahren besonders leicht Teilmengen untersuchen. Wenn die Grundgesamtheit entweder nicht bekannt oder unendlich ist, dann wird die Auswahl schwieriger und es kommen andere Algorithmen zur Anwendung. Die Art und Weise, eine solche Auswahl wissenschaftlich begründet zu treffen, ist Gegenstand dieses Kapitels.

Die definierte Grundgesamtheit besteht abstrakt gesprochen aus Merkmalsträgern, in den meisten Fällen wohl aus Personen, aber auch aus Zeitungsartikeln, Familien, Fernsehsendern oder anderem. In der Stichprobentheorie werden die Merkmalsträger Elemente genannt:

Eine Grundgesamtheit besteht aus Elementen; die Gesamtanzahl der Elemente einer Grundgesamtheit wird für gewöhnlich mit einem großen N angegeben.

 
Fehler gefunden? Bitte markieren Sie das Wort und drücken Sie die Umschalttaste + Eingabetaste  
< Zurück   INHALT   Weiter >
 
Fachgebiet
Betriebswirtschaft & Management
Erziehungswissenschaft & Sprachen
Geographie
Informatik
Kultur
Lebensmittelwissenschaft & Ernährung
Marketing
Maschinenbau
Medien und Kommunikationswissenschaft
Medizin
Ökonomik
Pädagogik
Philosophie
Politikwissenschaft
Psychologie
Rechtswissenschaft
Sozialwissenschaften
Statistik
Finanzen
Umweltwissenschaften