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4.5 Verschiedene Auswahlverfahren

Allgemein spricht man von Auswahlverfahren, wenn die Ziehung der Stichprobe mittels einer nachvollziehbaren Systematik erfolgt. Die eben geschilderte Zufallsstichprobe ist nur eines – wenn auch das wichtigste – unter vielen verschiedenen Auswahlverfahren. Um wissenschaftlichen Ansprüchen zu genügen, muss ein Auswahlverfahren sicherstellen, dass die Stichprobe ein verkleinertes Abbild der Grundgesamtheit darstellt. Bei der Zufallsstichprobe wurde dies dadurch sichergestellt, dass jedes Element der Grundgesamtheit die gleiche Chance hat, in die Stichprobe aufgenommen zu werden. Nicht auf dem Zufallsprinzip basieren dagegen die bewusste und die willkürliche Auswahl. Bei der bewussten Auswahl werden die Merkmalsträger anhand logischer Erwägungen, bei der willkürlichen Auswahl dagegen ausschließlich aufgrund ihrer Verfügbarkeit oder anderer subjektiver Selektionskriterien des Auswählenden ausgesucht. Bei einer solchen Auswahl ist weder die Grundgesamtheit ausreichend definiert, noch ist für deren Elemente eine Auswahlwahrscheinlichkeit bezifferbar. Wie die Wahl der Erhebungsmethode oder der Untersuchungsanlage, hängt auch die Wahl eines Auswahlverfahrens von der Fragestellung und dem Erkenntnisinteresse ab. Stichprobeneinheiten können entweder einzelne Elemente oder Klumpen aus Elementen sein. Typische Klumpen sind Haushalte, Schulklassen, Wohnhäuser.

Abb. 4.2 Auswahlverfahren

In den Klumpen wiederum sind Elemente enthalten: Personen, Schüler, Haushalte. Auswahlverfahren können demnach einstufig oder mehrstufig sein (Abb. 4.2).

4.6 Willkürliche Auswahl

Neben einer systematischen Zufallsauswahl werden verschiedene andere Verfahren in der empirischen Sozialforschung verwendet, die unter dem Gesichtspunkt des Repräsentativitätsschlusses jedoch problematisch sind: die willkürliche und die bewusste Auswahl.

Bei der willkürlichen Auswahl werden Merkmalsträger nach ihrer Verfügbarkeit ohne besondere Systematik ausgewählt.

Das klassische Beispiel für eine willkürliche Auswahl sind Straßenbefragungen: Die Interviewer befragen nach Gutdünken alle, die ihnen „über den Weg laufen“. Man könnte einwenden, dass in so einem Fall doch zufällig, also korrekt ausgewählt wurde. Betrachtet man jedoch die Bedingungen, die für eine einfache Zufallsauswahl gelten, sieht man schnell, dass Willkür nicht gleich Zufall ist. Will man beispielsweise alle Bürger einer Stadt befragen, dann haben die Elemente dieser Grundgesamtheit nicht dieselbe Chance, in die Stichprobe zu kommen: Manche Leute kommen mehrfach vorbei, sind daher im Zweifelsfall überrepräsentiert; manche kommen gar nicht, weil sie bei der Arbeit und nicht in einer Fußgängerzone vorzufinden sind. Ergebnisse einer solchen Stichprobe wären sicher systematisch verzerrt: Arbeitslose, ältere Menschen, Schulschwänzer und Studierende wären vermutlich überrepräsentiert, Arbeitnehmer und Jüngere dagegen entsprechend ihres Vorkommens in der Grundgesamtheit unterrepräsentiert. Derlei Befragungen sind problematisch, wenn auch nur implizit ein Meinungstrend in der Bevölkerung eingefangen werden soll. Denn dann tut man so, als stünden diese Passantenmeinungen repräsentativ für die Bevölkerungsmeinung. Im Journalismus werden solche Passantenbefragungen häufiger eingesetzt, jedoch sollte man auch als Journalist wissen, dass derlei Ergebnisse in aller Regel nicht geeignet sind, Rückschlüsse auf eine Grundgesamtheit zu ziehen. Wissenschaftlich gerechtfertigt sind Verfahren der willkürlichen Auswahl fast nie, außer alle Mitglieder der Grundgesamtheit verhalten sich gleich. Um beispielsweise den Einfluss von Alkohol auf die Konzentrationsfähigkeit zu untersuchen, könnten Wissenschaftler eine willkürliche Auswahl treffen. Man darf davon ausgehen, dass alle Menschen unter Alkoholeinfluss weniger konzentriert sind.

 
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