Menü
Start
Anmelden / Registrieren
Suche
 
Start arrow Medien und Kommunikationswissenschaft arrow Methoden der empirischen kommunikationsforschung
< Zurück   INHALT   Weiter >

4.7 Zufallsauswahl

4.7.1 Einfache und systematische Zufallsauswahl

Das einfachste mathematisch korrekte Auswahlverfahren ist die einfache oder auch uneingeschränkte Zufallsauswahl. Zu dieser Art der Auswahl gehört zum Beispiel das Lotterieverfahren, d. h. das zufällige Ziehen von Elementen aus einer begrenzten Grundgesamtheit. Bei nur symbolisch anwesenden Elementen, zum Beispiel einer Datei mit Identifikationsnummern von Studierenden der Kommunikationswissenschaft, werden nach demselben Zufallsprinzip Zufallstabellen, Zufallsgeneratoren und Ähnliches zur Auswahl verwendet.

In der Praxis, sprich für die Auswahl von Stichproben für eine Marktforschungserhebung oder für eine wissenschaftliche Untersuchung, werden Auswahlverfahren gewählt, die einer definierten Systematik unterliegen, d. h., jedes n-te Elemente aus einer Grundgesamtheit wird gezogen, wobei genau die Systematik angegeben wird, nach der diese Ziehung erfolgt. Gängige Verfahren sind die sogenannte „Last-Birthday-Methode“ oder der „Schwedenschlüssel“, mit denen die Person in einem Haushalt bestimmt wird, die befragt werden soll (und nicht derjenige befragt wird, der die Tür aufgemacht hat …). Bezogen auf das Studentenbeispiel könnte ein Auswahlverfahren nach systematischer Zufallsauswahl diese Anweisung vorgeben: „Ziehe jede 100ste Nummer aus der Studentenkartei.“ Es leuchtet gleich ein, dass insbesondere bei diesen systematischen Zufallsauswahlen die Ordnung der Elemente der Grundgesamtheit von entscheidender Bedeutung für die Güte der Stichprobe und somit für die Qualität der späteren Aussagen ist. Dass eine Grundgesamtheit nicht nach Geschlecht sortiert sein darf, wenn man eben dieses Merkmal erheben will, ist nachvollziehbar.

Das Kriterium, nach dem eine systematische Zufallsauswahl erfolgt, muss unabhängig von den zu untersuchenden Merkmalen in der Grundgesamtheit verteilt sein.

Will man für eine experimentelle Untersuchung eine Gruppe von Studierenden in zwei Gruppen teilen, deren Merkmale nach dem Prinzip der Normalverteilung in beiden Gruppen anteilsmäßig gleich verteilt sind, so wäre wiederum das Geburtsdatum ein gutes Kriterium einer solchen Aufteilung, weil es in der Regel nichts mit dem Untersuchungsgegenstand zu tun hat: Alle mit geradem Geburtstag in die eine, alle mit einem ungeraden Geburtstag in die andere Gruppe.

Systematische Zufallsauswahlverfahren werden insbesondere dann verwendet, wenn eine einfache Zufallsauswahl zu kompliziert oder unzureichend ist. Typisch dafür ist die Wahl von Telefonnummern aus dem Telefonbuch bei telefonischen Befragungen. Man wird keine Vollerhebung durchführen, sondern eine repräsentative Stichprobe ziehen. Wie kommt man an die richtigen Nummern? Eine einfache Zufallsauswahl, zum Beispiel durch einen Zufallsgenerator, der Telefonnummern erzeugt, würde nicht zum gewünschten Ergebnis führen, weil zum einen Firmennummern, zum anderen nicht geschaltete Nummern oder Faxgeräte in die Stichprobe aufgenommen würden. Diese Probleme löst man durch die systematische Zufallsauswahl auf der Basis des Telefonbuchs. Man zählt die Nummern ab und zieht beispielsweise auf jeder Seite die sechste Nummer von oben. Ist dies eine Faxnummer oder ein Geschäftsanschluss wird abwechselnd die vorherige oder die nachfolgende Nummer gezogen. Zusätzlich ruft man nicht die Nummer an, die im Telefonbuch ausgesucht wurde, sondern schlägt auf die letzte Ziffer dieser Nummer eine Ziffer auf. Aus einer Endziffer 2 wird dann eine 3. Das Ergebnis dieser Veränderung der letzten Ziffer ist ein zufällig ausgewählter Telefonanschluss, der auch solche Anschlüsse mit der gleichen Wahrscheinlichkeit erfasst, die nicht im Telefonbuch stehen. Nachteil ist dann allerdings, dass man auch nicht geschaltete Telefonnummern anwählt.

Ein Problem bereiten allerdings inzwischen Haushalte, die auf einen Festnetzanschluss verzichten und lediglich über Mobiltelefon(e) zu erreichen oder aber mit mehr als einer Rufnummer ausgestattet sind. Es wurde schon erläutert, dass jedes Element einer Grundgesamtheit nur einmal vertreten sein darf, aber eben auch einmal vertreten sein muss. Sonst verletzt man die Voraussetzung einer Zufallsauswahl, dass jedes Element die gleiche Chance haben muss, in die Stichprobe zu kommen. Haushalte ohne Festnetzanschluss hätten keine, solche mit zwei Anschlüssen dagegen die doppelte Chance, angerufen zu werden und wären deshalb in der Stichprobe unterbzw. überrepräsentiert.

 
Fehler gefunden? Bitte markieren Sie das Wort und drücken Sie die Umschalttaste + Eingabetaste  
< Zurück   INHALT   Weiter >
 
Fachgebiet
Betriebswirtschaft & Management
Erziehungswissenschaft & Sprachen
Geographie
Informatik
Kultur
Lebensmittelwissenschaft & Ernährung
Marketing
Maschinenbau
Medien und Kommunikationswissenschaft
Medizin
Ökonomik
Pädagogik
Philosophie
Politikwissenschaft
Psychologie
Rechtswissenschaft
Sozialwissenschaften
Statistik
Finanzen
Umweltwissenschaften