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4.9 Mehrstufi Auswahlverfahren

Sowohl bei den geschichteten als auch den Klumpenstichproben wurde erwähnt, dass die letztendliche Stichprobe nicht in einem, sondern in mehreren Schritten gewonnen wurde. Mehrstufige Auswahlverfahren haben in den empirischen Sozialwissenschaften eine relativ große Bedeutung. Die Stichprobe, die untersucht werden soll, gewinnt man nicht in einem Durchgang, wie dies bei einer einfachen oder systematischen Zufallsauswahl der Fall wäre. Auch bewusste und willkürliche Auswahlverfahren sind meist einstufig.

In mehrstufi Verfahren werden mehrere unterschiedliche Auswahlverfahren hintereinandergeschaltet, wiederum mit dem Ziel, eine Stichprobe zu erhalten, die ein verkleinertes Abbild der Grundgesamtheit darstellt.

Mehrstufige Auswahlverfahren kommen insbesondere dann zum tragen, wenn die Grundgesamtheit sehr groß oder unbekannt ist. Im Allgemeinen werden Untersuchungen über „die deutsche Bevölkerung“ auf der Basis einer mehrstufigen Auswahl vorgenommen. Am sogenannten ADM-Stichprobensystem lässt sich exemplarisch das Vorgehen bei mehrstufigen Auswahlverfahren zeigen [1]. In der Bundesrepublik haben sich die meisten der namhaften Marktforschungsinstitute zum „ADM, Arbeitskreis deutscher Marktund Sozialforschungsinstitute e. V.“, zusammengeschlossen. Neben imageorientierten Zielsetzungen verfolgt dieser Zusammenschluss einen ganz pragmatischen Zweck: Der ADM stellt seinen Mitgliedern repräsentative Stichproben zur Verfügung, die nach einem bestimmten Verfahren gewonnen wurden und in einem Pool ihrer Weiterverarbeitung harren. Anstatt für jede Untersuchung aufs Neue das langwierige Procedere der Stichprobenauswahl durchzuführen, schöpfen die Institute aus diesem Pool der auf Vorrat gezogenen Stichproben, die allesamt repräsentativ sind. Die Kosten für das große mehrstufige Auswahlverfahren aller Stichproben werden von den Mitgliedern getragen, was eine enorme Ökonomisierung von Zeit und Kosten bedeutet. Aber nicht nur dies: Auch der Standardisierungsgrad – und somit die Vergleichbarkeit von sozialwissenschaftlichen bzw. auch von kommerziell motivierten Untersuchungen – wächst, wenn die Qualität der Stichproben stets dieselbe bleibt; Ergebnisse werden transparenter, die intersubjektive Nachvollziehbarkeit höher.

Das ADM-Stichprobensystem basiert auf einem dreistufigen Verfahren. Im ersten Schritt werden Gebiete, im zweiten Schritt Haushalte innerhalb dieser Gebiete und im dritten Schritt Personen innerhalb dieser Haushalte ausgewählt.

  • [1] Im Folgenden wird die bis 2003 angewandte Vorgehensweise zur Stichprobenziehung beschrieben. Inzwischen wird bei der Auswahl der Gebiete (1. Stufe) ein anderes Verfahren eingesetzt (vgl. hierzu Häder 2010, S. 149–157)
 
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