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6.1 Fragetypen

6.1.1 Testfragen

Diese Konkretisierung führt nun im Sinne einer operationalen Definition zu den sogenannten Testfragen, also jenen, die dann später tatsächlich dem Befragten vorgelegt werden. Sie könnten dann zum Beispiel so lauten:

• „Sind Sie Mitglied in einer politischen Partei?“

• „Üben Sie in dieser Partei eine aktive Funktion aus?“

• „Wie viel Zeit verwenden Sie als Parteimitglied für die Parteiarbeit?“

• „Waren Sie schon einmal Mitglied in einer Partei, sind aber ausgetreten?“

Die Testfragen sind, wenn man so will, das eigentliche Filetstück einer Befragung. Auf die Erhebung dieser Daten kommt es letztendlich an. Dabei gilt: Die Testfragen müssen so formuliert sein, dass sie jeder, der an der Befragung teilnimmt, auch verstehen kann. Fremdworte sind dabei ebenso tabu wie Schachtelsätze. Die Frage sollte hochdeutsch sein, nicht im Telegrammstil daherkommen und nicht in einer Wissenschaftlersprache formuliert sein. Die Befragten sollen in der Lage sein, die Testfragen alle zu beantworten. Sowohl von der Schwierigkeit als auch vom ganzen Stil her sollte die Frage auf ein Niveau zugeschnitten sein, das keinen Befragten überfordert. Dabei ist zu berücksichtigen, über welche Grundgesamtheit Aussagen gemacht werden sollen. Sicher wird man bei repräsentativen Bevölkerungsumfragen ein anderes Sprachniveau wählen als bei der Befragung von Rundfunkräten. Dabei kommt es nicht darauf an, dass der Interviewer die Frage versteht. Der Interviewte muss die Frage verstehen. Ein Interviewer kann durchaus eine Befragung unter Maschinenbauern machen, ohne zu wissen, was ein Flansch ist. Wichtig ist nur, dass der Befragte die Frage versteht. Sobald beim befragten Maschinenbauer allerdings Nachfragen zum Flansch X95 entstehen, ist der Interviewer natürlich am Ende seines Lateins. Dies ist jedoch nicht sein Fehler, sondern der des Forschers, der diese Situation nicht bedacht hat.

Die konkrete Frageformulierung ist das Produkt einer ganzen Reihe von Überlegungen, Diskussionen und Testläufen. Auf sie sollte viel Zeit verwendet werden: Ohne gute Fragen wird es keine guten Ergebnisse geben. Ziel muss es sein, jede einzelne Frage so zu formulieren, dass alle denkbaren Antwortverzerrungen, Missverständnisse und Zweideutigkeiten ausgeschaltet sind. Häufig besteht dann die Testfrage nicht aus einem einfachen Was-, Wieoder Wer-Satz, sondern kann durchaus zur Verdeutlichung zwei oder mehr Sätze umfassen. Bei jeder Fragebogenausarbeitung ist folglich eine Checkliste abzuarbeiten (vgl. ausführlich Noelle-Neumann und Petersen 2005). Je länger man sich mit der Konstruktion von Fragebögen befasst, desto umfangreicher wird diese Checkliste werden. Denn durch die zunehmende Erfahrung wird man immer wieder aufs Neue die Psychologie von Befragten entdecken und verstehen lernen. Hier sind die wichtigsten Überlegungen für eine Checkliste:

ti Ist die Frage für jedermann verständlich formuliert?

ti Wird der zu erfragende Sachverhalt konkret und plastisch dargestellt?

ti Kann der abgefragte Sachverhalt von jedermann eindeutig wahrgenommen (und dann beschrieben) werden?

ti Ist die Frage eindimensional formuliert – ist es also eindeutig, welche Antwort von den Befragten verlangt ist?

ti Kann die Frage auch dann noch beantwortet werden, wenn Befragte schon ermüdet sind?

� Werden durch die Frageformulierung zu hohe Ansprüche an die sprachliche Ausdrucksfähigkeit gestellt?

� Überfordert die Frage unter Umständen das Gedächtnis der Befragten?

� Provoziert die Frageformulierung soziale Erwünschtheit?

� Enthält die Frage suggestive Formulierungen, die ein bestimmtes Antwortverhalten nahelegen?

� Ist die Frage unter Umständen zu privat?

� Könnten sich Befragte durch die Art der Antwort bloßgestellt vorkommen (und dann „unwahr“ antworten)?

 
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