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6.1.1.1 Sachfragen

Die Testfragen kann man nun in vier Subtypen unterteilen, die jeweils nach unterschiedlichen Inhalten fragen, jedoch nicht immer völlig voneinander abzugrenzen sind. Zunächst gibt es sogenannte Sachfragen. Das sind Fragen, die jeder Befragte sofort beantworten kann, ohne groß nachzudenken. Sachfragen haben also nichts mit dem psychischen Befinden, mit Wissen oder mit den Einstellungen der Befragten zu tun. „Besitzen Sie ein Fernsehgerät?“ ist eine typische Sachfrage. Es gibt allerdings auch Sachfragen, die unter Umständen eine Recherche erfordern. Die sollte man in einer allgemeinen Bevölkerungsumfrage möglichst vermeiden. Dies trifft zum Beispiel auf die Frage nach dem monatlich frei verfügbaren Einkommen zu. Abgesehen davon, dass die meisten Befragten der Auffassung sind, das ginge den Interviewer nichts an, müssten sie wohl längere Zeit nachdenken und recherchieren, bis sie alle Fixkosten beisammen hätten. Dieser Aufwand wäre für die Untersuchung kontraproduktiv, weil hier die Befragten gerne „aussteigen“. Sachfragen können auch dann zu Verzerrungen führen, wenn das Gedächtnis der befragten Personen zu stark beansprucht wird: „Wissen Sie noch, wie teuer Ihr erster Urlaub war?“

6.1.1.2 Wissensfragen

Die zweite Gruppe der Testfragen bezeichnet man als Wissensfragen. Will man etwas über den Informationsstand der Bevölkerung wissen, muss man Fragen stellen, die nichts mit Meinung zu tun haben: „Wer ist der deutsche Innenminister?“, „Welche Nationen gehören der NATO an?“ oder „Wer wählt den Bundespräsidenten?“ Auch wenn derlei Daten für bestimmte Untersuchungen wichtig sind, erkennt man sofort den Nachteil solcher Wissensfragen. Mit zu vielen oder zu schwierigen Fragen frustriert man die Befragten, so dass sie möglicherweise entnervt das Interview abbrechen. Die Kommunikationsforschung arbeitet im Zusammenhang mit der sogenannten Wissensklufthypothese (eine detaillierte Darstellung findet sich bei Schenk 2007) mit Wissensfragen. Die Wissensklufthypothese vermutet, dass neue Informationen von sozial höhergestellten Personen schneller adaptiert werden als von sozial niedriggestellten. Menschen, die sowieso schon mehr wissen, eignen sich neues Wissen schneller an, weil sie eher Zugang zu Informationsquellen – zum Beispiel zum Internet – haben, weil sie vielleicht regelmäßiger die Tageszeitung nutzen oder weil sie einen Bekanntenkreis haben, der ebenfalls über ein hohes Wissen verfügt. Auf diese Weise entsteht eine immer größer werdende Kluft zwischen dem, was die Bessergestellten wissen, und dem, was die weniger Privilegierten wissen. Will man nun Personen in Gutinformierte und Schlechtinformierte gruppieren und dann deren Mediennutzungsverhalten vergleichen, müssen Wissensfragen gestellt werden, die mit dem genannten Problem behaftet sind. Als Lösung bietet sich hier an, schwere und leichte Fragen zu mischen.

 
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